Leserbrief

Leserbrief Zum Artikel "1816 war das Jahr ohne Sommer" vom 18. August

Abkühlung schon vor Tambora-Ausbruch

Der Ausbruch des Vulkans Tambora war ohne Zweifel ein katastrophales und weltumspannendes Ereignis. Der Beitrag von Norbert Weckbach erinnert daran, dass auch in unserer Region, im Odenwald und im lieblichen Taubertal, Naturereignisse mit Missernten auftreten können.

Als kleine Kritik ist allerdings anzumerken, dass der Ausbruch weltweit nicht das "Klima", sondern das "Wetter" verändert hat. Für die, die damals ums Überleben kämpften, spielte das sicher keine Rolle. Heute bei der Klimadiskussion werden aber beide Begriffe gerne verwechselt. Klima ist laut Definition der Meteorologie der mittlere Zustand des Wetters über einen Zeitraum von 30 Jahren.

Schon 1817 war auch in Buchen eine Entspannung der Notlage eingetreten. Die Daten des Wetterdienstes DWD bestätigen dies. Während im August 1816 die Durchschnittstemperatur aufgrund des Ausbruchs auf 14,1 Grad Celsius abgesunken war, lag sie 1817 schon wieder bei 15,7 Grad Celsius, 1820 bei 18,1 Grad Celsius und 1826 sogar bei 19,5 Grad Celsius.

Da die Auswirkungen des Tambora nur ein bis maximal zwei Jahre andauerten, wurde das "Wetter" beeinflusst und eben nicht das "Klima". Der Sommer 1816 in Deutschland war sehr verregnet mit Missernten und es folgte ein früher Wintereinbruch.

Das spannende an dem Ereignis "Tambora" ist, dass schon vor dem Ausbruch eine tatsächliche Klimaabkühlung begann. Die 30-Jahresperiode von 1800 bis 1830 war nämlich insgesamt durch eine Abkühlung geprägt.

Der Abkühlungstrend für den August begann um 1800 bei 17 Grad Celsius und endete 1830 bei 15,9 Grad Celsius. Allerdings nicht stetig, denn 1807 war ein Jahrhundertsommer mit 20,7 Grad Celsius. Der Tiefpunkt der Abkühlung lag zwischen 1812 und 1818 und begann also schon vor dem Ausbruch.

Was aber hat diese Klimaabkühlung ausgelöst? Bekannt ist, dass gleichzeitig eine Abschwächung der Sonnenaktivität eingetreten war, das "Dalton-Minimum" der Klimawissenschaft. Es ist unzweifelhaft, dass unser nur 107 Sonnendurchmesser entferntes Zentralgestirn Wetter und Klima beeinflusst.

Die Wirkung der Sonne auf den Monat August wurde in einem Bericht des Autors in den Fränkischen Nachrichten im September 2015 "Natur hatte sehr darunter zu leiden" beschrieben. In einer Grafik ist dort zu sehen, dass eine aktive Sonne die Augusttemperatur erhöht, eine weniger aktive sie erniedrigt.

Im "Dalton-Minimum" gab es drei schwache Sonnenzyklen, als Folge kam die Abkühlung. Im 20. Jahrhundert kam es dagegen bei sieben starken bis sehr starken Sonnenzyklen zu der viel diskutierten Klimaerwärmung. Der Mensch mit seinen Aktivitäten trägt dafür kaum eine Schuld, was viele nicht wahrhaben wollen.

Zum Tambora-Ereignis ist weiter zu berichten, dass Schwankungen der Sonnenaktivität Luft- und Meeresströmungen beeinflussen. Diese gigantischen Verlagerungen von Milliarden Tonnen Wasser bringen das Schwerefeld der Erde aus dem Gleichgewicht, die gesamte Erdoberfläche gerät in Bewegung. Dies kann Erdbeben und Vulkanausbrüche auslösen. Ob der Ausbruch des Tambora zufällig in diese Abkühlungsphase fiel oder gerade durch sie ausgelöst wurde, wird noch in der Wissenschaft diskutiert.

Bekannt ist, dass die Erde nach 200 Jahren aktuell wieder am Beginn einer Abkühlungsphase steht, ausgelöst durch eine sehr inaktive Sonne - auch wenn der August 2016 eher dem von 1807 gleicht.

Bleibt zu hoffen, dass nicht einer der vielen schlafenden Supervulkane durch neue Änderungen der Meeresströmungen und des Schwerefeldes der Erde aus seinem Tiefschlaf geweckt wird und sich die Ereignisse und Notlagen der Menschen wie vor 200 Jahren wiederholen.