Leserbrief

Leserbrief Zum Beitrag über die Wildschweinjagd im Oberen Bezirk (FN/TZ 16. Januar)

70 Prozent weniger Industriemais würden auch helfen

Dem Beitrag sind einige Details hinzuzufügen. Deutsche Jäger erlegen jedes Jahr rund 550 000 bis 700 000 Wildschweine. Sie wenden dazu viele Millionen Stunden für nächtliche Ansitze auf und zahlreiche Wochenenden insbesondere in der Vorweihnachtszeit bis Ende Januar für effektive, revierübergreifende Drückjagden auf.

Sie setzen dabei sehr hochwertige Jagdhunde ein, die oft genug von Wildschweinen schwer verletzt und leider hin und wieder auch getötet werden.

Die hohen finanziellen Schäden trägt der Besitzer selbst, kein Maisanbauer, der letztendlich davon profitiert, ist hier mit einem Beitrag zur Stelle. Stattdessen ist der Jagdpächter sofort wildschadenspflichtig, wenn Schwarzwild in landwirtschaftlichen Kulturen Schäden anrichtet.

Schwarzwild hat hierzulande eine Reproduktionsrate von bis zu 300 Prozent, wenige Monate nach der Jagdsaison sind also in der Population die Entnahmen durch die Jagd ausgeglichen.

Es ist verständlich, dass sich Schweinehalter größte Sorgen machen wegen der von Osteuropa anrückenden Afrikanischen Schweinepest. Die Ausbreitung von Ost nach West erfolgt nicht durch Schwarzwild sondern durch den Menschen entlang wichtiger Ost-West-Verkehrswege durch achtlos weggeworfenes, verseuchtes Material, das ja für den Menschen ungefährlich ist. Wäre das Virus in der Region angekommen, wäre es extrem unwahrscheinlich, dass es in die Quarantänestationen gleichenden modernen Ställe gelangen würde.

Im Zusammenhang mit der Problematik hat der Landesbauernverband jetzt eine wenig hilfreiche Stellungnahme verbreitet, in der man eine Reduktion der Schwarzwildbestände um 70 Prozent und die Zahlung einer Abschussprämie fordert. Damit suggeriert man, dass die Jäger ohne weiteres diese Reduktion erreichen könnten, was so nicht stimmt. Eine Antwort darauf kann nur ironisch sein:

Jäger können sich auch ohne die Prämie ihr täglich Brot leisten. Sie töten nicht für Geld, sondern zur Wildbretgewinnung und Erfüllung ihres gesetzlichen Hegeauftrages – bei Schwarzwild so viel, wie mit gesetzlich erlaubten Mitteln möglich ist. Eine Reduktion um 70 Prozent wäre da schon eher bei den Flächen für Industriemaisanbau für die Agrargasproduktion zu überlegen, dann wären viele dieser nur dem Schwarzwild nützenden und ökologisch ansonsten toten Flächen eliminiert. 70 Prozent Reduktion beim Pestizideinsatz und Einsatz mineralischen Düngers wäre auch eine Überlegung wert.

Dann würden Blütenpflanzen, Insekten und viele quasi ausgestorbene Vogelarten wieder zurückkehren. So gesehen könnten 70 Prozent Reduktion für die Natur durchaus einen Sinn machen.