Lauda / Königshofen

Rundgang zur Förderung der Barrierefreiheit in Lauda Schlecht platzierte Behinderten-Parkplätze am Bahnhof angemahnt / Wiedereinrichtung des Arbeitskreises „Inklusion“ vorgeschlagen

Zahlreiche Schwachstellen ausgemacht

Die Barrierefreiheit oder Hindernisse standen im Fokus eines Rundgangs des VdK und des Kreis-Behindertenbeauftragten in Lauda.

Lauda. „Weg mit den Barrieren!“ lautet das Motto einer Kampagne des VdK Baden-Württemberg. Eine der Aktionsmöglichkeiten ist eine „Begehung zur Förderung der Barrierefreiheit“, die den Verantwortlichen in Kommunen aufzeigen soll, wo und welche Barrieren es noch zu beseitigen gibt. Vor diesem Hintergrund fand in Lauda ein entsprechender Rundgang zur Förderung der Barrierefreiheit unter Federführung des VdK-Kreisverbandsvorsitzenden Tauberbischofsheim, Kurt Weiland, Karl Höfling, Behindertenbeauftragter des Main-Tauber-Kreises und Mitglied der FBL-Stadtratsfraktion, sowie Paul Krakowski, Vorsitzender des VdK-Ortsverbandes Lauda, statt.

Weitere Teilnehmer waren unter anderem Stadtbaumeister Tobias Blessing, Silvia Eibel vom VdK-Landesverband sowie die Rollstuhlfahrer Anni Miller, Daniel Hofmann und Gerhard Wörner.

Barrieren aufgespürt

„Wir wollen wieder einige Barrieren aufspüren – alle schafft man nicht auf einmal – damit wir vielleicht erneut einen Schritt auf dem Weg weiterkommen, dass Lauda eine Stadt für alle wird“, betonten zu Beginn Weiland und Höfling. Stationen auf dem über zweistündigen Rundweg waren besonders öffentliche Gebäude und Bereiche wie das Rathaus, das Mehrgenerationenhaus und der Bahnhof als auch die Zugänge zu Geschäften, Apotheken und Arztpraxen sowie Dienstleistungsunternehmen wie etwa Banken.

Eine den DIN-Normen nicht entsprechende Behindertentoilette im Rathaus, deplatzierte Behindertenparkplätze, zu steile Rampen für Rollstuhlfahrer wie beispielsweise vor dem Mehrgenerationenhaus und Hinweis- oder Verbotsschilder auf vielen Gehsteigbereichen wie etwa in der Josef-Schmitt-Straße waren einige Exempel für Schwachpunkte einer Barrierefreiheit oder sogar Gefahrenstellen. So manche Hinweis- oder Verbotsschilder auf Gehsteigen könne ein erblindeter Mensch allenfalls erstasten oder sich auf Kopf sogar daran verletzten, weil sie in nur 1,5 Meter Höhe angebracht sind.

Gefährliche Situationen

Die Behinderten-Parkplätze am Bahnhof seien schlecht platziert, weil ein Rollstuhlfahrer als Pkw-Lenker in Fahrtrichtung haltend und in die Fahrbahn hineinragend aussteigen müsse sowie damit gefährlichen Situationen ausgesetzt und zudem ein Verkehrshindernis sei. Problematisch bei Behindertenparkplätzen seien speziell auch immer wieder nichtberechtigt parkende Fahrzeuge. „Sie haben meinen Parkplatz, wollen Sie auch meine Behinderung?“ ist Titel einer weiteren Aktionskampagne des VdK Baden-Württemberg, mit dem der deutschlandweit größte Sozialverband auf diese Thematik aufmerksam und Kraftfahrer sensibilisieren möchte.

Im vor wenigen Jahren neuerbauten und modernen Unterführungsbereich am Bahnhof habe die DB für Sehbehinderte und Blinde ein taktiles Leitsystem eingerichtet, dieses endet allerdings am Rande des Bahngeländes noch vor dem öffentlichen Fußgängersteig. „Für künftige Planungen sollte dieses System in Lauda fortgesetzt werden“, lautete eine Forderung von Akteuren und Betroffenen.

Auch positive Beispiele

Zwar gab es zahlreiche Mängel zu kritisieren, jedoch auch viele positive Beispiele wie zum Beispiel gute bis hin vorbildliche barrierefreie Zugänge zu manchen Apotheken, Arztpraxen oder Geschäften. Weitgehend problemlos sei der Busverkehr am ZOB in Lauda zu nutzen, war das erfreuliche Resultat, das von den beteiligten Rollstuhlfahrern anhand eines anwesenden Linienbusses demonstrieren konnten. „Rampe, Absenkung am Bus und Borde – alles gut zu handeln“, resümierten sie an dieser Stelle.

Bordsteinhöhen sollten künftig wie etwa am Bahnhof und vielen anderen Stellen nach Auffassung schwer sehbehinderter oder blinder Menschen auf maximal drei sowie für „rollende Zeitgenossen“ sogar auf möglichst null Zentimeter abgesenkt oder gestaltet werden.

Übergänge von der einen zur anderen Seite wie zum Beispiel an Einmündungen in der Bahnhofstraße bei der Bachgasse, Wallgrabenstraße, Phillipp-Adam-Ulrich-Straße und Schillerstraße seien wegen zu hoher Bordsteine für einen Rollstuhlfahrer alleine kaum zu überwinden. Mit am extremsten stelle sich die Bushaltestelle „Bachgasse“ in der Bahnhofstraße dar. Dort habe ein „Rollifahrer“ aufgrund der enormen Bordsteinhöhe keine Chance, ohne unzumutbare Umwege oder fremde Hilfe den Gehsteig auf der nördlichen Seite zu verlassen und die gegenüberliegende Seite zu erreichen.

„Dies sollte und darf kein Dauerzustand sein. Hier müsste dringend und möglichst kurzfristig Abhilfe geschaffen werden“, unterstrichen stellvertretend Weiland und Höfling nach Inspizierung dieser sowie anderer Barrieren, Hindernissen und Problemstellen bei einer abschließenden Gesprächsrunde im Rathaus, in der noch weitere problematische Punkte erörtert wurden. Darüber hinaus schlug Höfling die Wiedereinrichtung eines Arbeitskreises „Inklusion“ mit Vertretern unter anderem des VdK, der Stadt, von Vereinen sowie Betroffenen und Angehörigen vor. „Es gibt viel zu tun, aller Anfang ist schwer, aber wir sollten endlich konsequent beginnen“, hob der Behindertenbeauftragte des Main-Tauber-Kreises in einem Fazit hervor.

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