Lauda / Königshofen

Medizin Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre machen sich oft erst nach dem 50. Lebensjahr bemerkbar

Zahl der Erkrankten geht zurück

Archivartikel

Main-Tauber-Kreis.Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre sind zurückgegangen. Im Jahr 2019 waren im Main-Tauber-Kreis 362 AOK-Versicherte daran erkrankt.

Jährlich werden in Baden-Württemberg knapp 30 000 AOK-Versicherte wegen eines Geschwürs im Magen oder Zwölffingerdarm behandelt. Männer sind dabei etwa dreimal so häufig betroffen wie Frauen. Nachdem in den Industrieländern über Jahrzehnte ein Anstieg zu verzeichnen war, sind die Erkrankungsraten in den vergangenen fünf Jahren kontinuierlich gesunken. Im Land von 2014 bis 2019 im Schnitt um 5,4 Prozent jährlich und im Main-Tauber-Kreis im gleichen Zeitraum um 8,2 Prozent pro Jahr. Während 2015 im Landkreis noch 446 AOK-Versicherte deshalb zum Arzt gingen, waren es 2017 nur noch 397 und 362 im Jahr 2019, teilt die Krankenkasse mit.

Dr. Sabine Knapstein: „Kommt es zu einem Geschwür im Magen oder dem Zwölffingerdarm, sind meist mehrere Faktoren beteiligt. Eine besonders häufige Ursache ist die Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori, das Enzyme bildet, die Zellen der Magenschleimhaut schädigen können.“ Eine solche Infektion werde meist bereits in der Kindheit erworben, zumeist macht sie sich aber erst nach dem 50. Lebensjahr bemerkbar.

Krankheitsauslösende Faktoren können auch entzündungshemmende und schmerzlindernde Medikamente sein, dazu nicht-steroidale Antirheumatika wie zum Beispiel Acetylsalicylsäure, Diclofenac oder auch Ibuprofen. Problematisch sei es, wenn Schmerzmittel längere Zeit eingenommen würden oder in Kombination mit Kortison. „Wichtig zu wissen ist hier, dass die Einnahme von Kortison allein meist keine Geschwüre verursacht. Weitere Medikamente, die zu einer Geschwürbildung führen können, sind sogenannte Serotoninwiederaufnahmehemmer, die oft gegen Depressionen verordnet werden, Chemotherapeutika und Bisphosphonate“, erklärt Dr. Knapstein.

Wenn ein Geschwür vorliegt, macht sich dieses oft durch Schmerzen im Oberbauch bemerkbar, die häufig unmittelbar nach Mahlzeiten auftreten. Bei etwa 20 Prozent der Erkrankten beginnen die Entzündungsherde zu bluten, was ernste Folgen haben kann. „Um eine sichere Diagnose stellen zu können, ist eine Spiegelung von Magen und Dünndarm verbunden mit der Entnahme einer Gewebeprobe notwendig“, so Dr. Sabine Knapstein.

Wird bei diesem Eingriff eine Infektion nachgewiesen, stehe das Abtöten des Keims im Mittelpunkt der Behandlung. Rund 90 Prozent der Betroffenen könnten mit einer Kombination aus Medikamenten zum Magenschutz und Antibiotika geheilt werden. Geschwüre, die nach sechs Monaten nicht kuriert sind, werden operiert.

Das Verhalten des Patienten spiele bei der Vorbeugung und während der Behandlung eine erhebliche Rolle. So helfe es, Rauchen, Alkohol, Kaffee sowie Speisen und Getränke zu meiden, welche die Magensaftproduktion stark anregen. Verzichten sollte man auf fette und scharfe Gerichte. Das Reduzieren von Stress und regelmäßige Entspannungsübungen tragen ebenfalls zur Genesung bei.

Dr. Knapstein: „AOK-Versicherte, die am Haus- und Facharzt-Programm teilnehmen, werden im Rahmen des Gastroenterologie-Vertrags auf dem aktuellen Stand des medizinischen Wissens behandelt und ausführlich zum Lebensstil und zur Verminderung von Stress beraten.“ aok

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