Lauda / Königshofen

Menschen mit Demenz Auf Betroffene und ihre Angehörigen warten große Herausforderungen

Wo Corona zum Super-Gau werden kann

Messelhausen.In Zeiten von Corona stehen Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen vor besonderen Herausforderungen. An Demenz erkrankte Menschen haben Schwierigkeiten, die veränderte Situation und die damit verbundenen Auflagen, vor allem die Kontakteinschränkungen und Hygienemaßnahmen, zu verstehen oder sich daran zu erinnern. „Sie verstehen weder die Virusgefahr noch die erforderlichen Maßnahmen. Zudem tragen die gewohnten Personen in ihrem Umfeld jetzt Gesichtsmasken. Sie haben Angst, sind verunsichert, werden aggressiv oder ziehen sich noch mehr zurück. Corona ist der Super-Gau für einen an Demenz erkrankten Menschen“, sagt Christiane Versbach, Koordinatorin des Café Malta von den Maltesern aus Lauda-Königshofen.

„Zudem verlieren die Betroffenen schneller als bisher ihre kognitiven Fähigkeiten, wenn die sonst übliche Aktivierung fehlt.“ Angehörige seien dadurch stärker als bisher belastet, mahnt Versbach. Sie seien die Brückenbauer zwischen den Welten, die dem erkrankten Menschen Sicherheit geben.

Und Christiane Versbach hat ein paar Ratschläge für Angehörige von Menschen mit Demenz: „Geben Sie ihm das Gefühl, dass er in Sicherheit und nicht allein ist. Das bringt Ruhe in den Alltag. Ersetzen Sie enge Umarmungen oder zärtliche Berührungen im Gesicht durch zartes Berühren des Oberarms oder Streicheln des Rückens.“ Lange Diskussionen und Erklärungen sollten vermieden werden. Stattdessen empfiehlt sie, sich auf die Informationen, die gerade benötigt werden, zu beschränken und nur die Fragen, die im Raum stehen zu beantworten – möglicherweise auch mehrfach. Dadurch vermeide man für beide Seiten Überforderung und unnötigen Stress.

„Sorgen Sie für eine gute Tagesstruktur mit regelmäßigen Mahlzeiten und einem Wechsel von aktiven, ruhigen und Schlaf-Phasen. Das fördert die zeitliche Orientierung und den Nachtschlaf. Behalten Sie so weit als möglich die gewohnten Routinen und vertrauten Abläufe bei. Sitzgymnastik, Blumenpflege und Zeitungslesen gehen abgewandelt auch in der häuslichen Umgebung.“ Den demenziell erkrankten Angehörigen solle man so weit als möglich an der täglichen Hausarbeit beteiligen und ihm Gelegenheit zu geben, die Dinge zu tun, die er noch gut kann. Dazu gehöre auch das Pflegen von Hobbies.

Regelmäßig mit dem Angehörigen spazieren zu gehen, sei auch unter Beachtung der Hygiene-Regeln möglich. Die Wege in die Arztpraxis sind in der Regel möglich und erlaubt. Frische Luft und Umgebungswechsel heben die Stimmung und stärken das Immunsystem.

Versbach hat aber auch die Angehörige oder Betreuer im Blick: „Schonen Sie Ihre eigenen Kräfte so weit wie möglich und sorgen Sie gut für sich selbst. Nur so können Sie die Sorge für Ihren Angehörigen mit Demenz aufrechterhalten. Schaffen Sie sich Freiräume, um die Dinge zu tun, die Ihnen am Herzen liegen. Nutzen Sie dafür auch die Ruhe- und Schlafphasen Ihres Angehörigen mit Demenz.“

Sie plädiert dafür, dass sich die Angehörigen eine gesunde Person aus dem eigenen Umfeld sucher, der sie vertrauen, die möglichst regelmäßig kommt und sie stundenweise entlasten kann. In dieser Zeit dürfen man sich zurückziehen und einer Beschäftigung nachgehen, die dem Betreuenden selbst Freude bereitet. Wichtig sei auch, den Draht nach draußen aufrecht zu erhalten, als Kontaktmöglichkeit zur Familie, zu Freunden oder auch zu den telefonischen Besuchsdiensten zu halten, damit man die Sorgen loswerden und Zuspruch erfahren kann.

Und Versbach rät zur Vorsorge: „Treffen Sie Verabredungen für den Fall, dass Sie selbst wegen Krankheit oder Infektionsrisiko ausfallen.“ Bei Auftreten von Symptomen einer Atemwegserkrankung sollte der Angehörige rasch den Hausarzt kontaktieren. Trotz aller Schwierigkeiten empfiehlt sie, nicht den Humor zu verlieren. Er wirke gegen Hoffnungslosigkeit und helfe Stress zu reduzieren.

Wer Angehörige pflegt, sollte sich strikt an die Hygieneregeln halten. Das heißt: In der Öffentlichkeit so wenig wie möglich mit den Händen anfassen, nach Kontakt mit anderen Personen und zum Beispiel nach dem Einkaufen die Hände gründlich waschen, vor allem in geschlossenen Räumen Distanz halten und eine Maske/einen Mund-Nase-Schutz aufsetzen.

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