Lauda / Königshofen

Städtepartnerschaft Coronabedingt konnte und kann die Freundschaft mit Boissy-Saint-Léger nicht so gelebt werden, wie es sich alle wünschen

„Wir freuen uns auf ein Wiedersehen“

Von Licht, aber auch von Schatten geprägt ist der Rückblick auf die deutsch-französische Partnerschaft zwischen den Städten Lauda-Königshofen und Boissy-Saint-Léger im Jahr 2020.

Lauda-Königshofen. Zum wesentlichen und bedingt durch die Coronapandemie sogar einzig wirklichen Jahreshöhepunkt der Aktivitäten und Begegnungen avancierte die viertägige Reise der Big-Band des Martin-Schleyer-Gymnasiums (MSG) Lauda-Königshofen Anfang Februar mit insgesamt 39 Teilnehmern in die französische Partnerstadt. Betreuerinnen waren Dr. Andrea Decker-Heuer und Claudia Heidrich, Musik- und Französischlehrerin am MSG, die außerdem derzeitige Vorsitzende des Städtepartnerschaftskomitees ist.

Dabei standen unter anderem ein Empfang im Rathaus der Stadt Boissy durch Bürgermeister Régis Charbonnier und der dato stellvertretenden Bürgermeisterin Claire Gassmann auf dem Programm sowie eine Konzertsoiree, bei der die MSG-Big-Band unter Leitung von Bernd Ketterl musikalische Grüße überbrachte und gemeinsam mit dem Boissy-Saint-Léger-Orchester mehrere Stücke spielte.

Bereits im Januar war eine vierköpfige Abordnung aus der französischen Partnerstadt unter anderem mit Claire Gassmann und dem weiteren Bürgermeisterstellvertreter, Pierre Chavinier, anlässlich des Neujahrsempfang der Stadt in Lauda-Königshofen für einige Tage zu Gast.

Ab März forderten jedoch die Corona-Einschränkungen auch von der Städtepartnerschaft zwischen beiden Kommunen entsprechend Tribut. Als erstes musste eine erneute Begegnung von Schülern der Realschule Boissy und der Josef-Schmitt-Realschule abgesagt werden, die von Ende März bis Anfang April vorgesehen war. Dies galt ebenfalls für die als Höhepunkt geplanten französischen Kulturtage, zu denen die Stadt Lauda-Königshofen und das Partnerschaftskomitee zusammen mit mehreren Kooperationspartnern von Ende Juni bis Anfang August im Zeichen der Freundschaft zwischen Boissy und Lauda-Königshofen einladen wollten, die ihr 20-jähriges Bestehen feiert.

Dementsprechend fielen die beabsichtigten Besuche französischer Delegationen zu den Kulturtagen ebenso aus wie beispielsweise im September zur Königshöfer Messe und Anfang Oktober zur Vernissage des großen Friedensteppichs, den der Bürgertreff des Mehrgenerationenhauses der Stadt Lauda-Königshofen initiierte und organisierte. Für dieses Projekt hatten einige Bürger aus der Partnerstadt kreative Beiträge für ein Teppichteil geleistet.

Corona machte nichts möglich

Umgekehrt blieb die Betreuung des traditionellen Gaststandes mit Spezialitäten und Infos aus dem Taubertal durch das Partnerschaftskomitee und die Stadt Lauda-Königshofen auf dem Weihnachtsmarkt in Boissy förmlich „auf der Strecke“, zumal der dortige Markt gleichfalls abgesagt werden musste. Als Alternative wurden zuvor eine Übergabe der Produkte im deutsch-französischen Grenzgebiet an eine Abordnung des Partnerschaftsvereins „Association Boissy Jumelage (ABJ)“ unter Leitung dessen Vorsitzender Michèle Bésigôt in Erwägung gezogen, was jedoch wegen Corona nicht möglich war. Schließlich wurden Glühwein, Christstollen und von einigen Komiteemitgliedern selbst gebackene Plätzchen per Transportdienst an die ABJ und Bésigôt zum Verkauf in Boissy geschickt.

Nachdem Ende Juni im zweiten Wahlgang Régis Charbonnier als Bürgermeister wiedergewählt sowie Claire Gassmann zur Ersten Beigeordneten („1ère CMD – Conseiller municipal délégué“) gewählt wurden, gratulierten das Komitee und der zu diesem Zeitpunkt neue Bürgermeister Dr. Lukas Braun beiden jeweils mit einem Glückwunschreiben und einem Bildband.

Bei seiner bislang letzten Sitzung gedachte das Partnerschaftskomitee im September der kurz davor 90-jährig verstorbenen Renée Courant, die als Mitbegründerin maßgeblich zur Städtepartnerschaft beider Kommunen beigetragen hatte.

Mit verhaltenem Optimismus hoffen die beiden Partnerschaftskomitees und deren Vorsitzende auf wieder regere Möglichkeiten für Begegnungen und Projekte im Verlauf des neuen Jahres. Dazu zählt vor allem, das 20-jährige Bestehen der Städtepartnerschaft gebührend miteinander feiern zu können. Hierfür wird das Wochenende um Christi Himmelfahrt vom 13. bis 16. Mai angestrebt. Zum zweiten bestehen Planungen, die 2020 ausgefallenen französisch-deutschen Kulturtage im Juli zumindest teilweise nachholen zu können. Anvisiert wird unter anderem eine französische Chanson-Sommernacht mit dem Quartett Rouge Baiser.

„Nichts mehr selbstverständlich“

„Für die meisten Teilnehmer wurde die Fahrt in unsere Partnerstadt im ausklingenden Winter wider Erwarten die letzte Reise 2020 und gewann daher im Rückblick eine große persönliche Bedeutung. Reisen, offene Grenzen, mit unseren französischen Freunden zusammentreffen – nichts ist mehr selbstverständlich und vieles scheint in weite Ferne gerückt“, meint Claudia Heidrich.

Dennoch werde die Partnerschaft nach wie vor von vielen einzelnen engen Kontakten getragen, und auch in Zeiten des Lockdowns pflege man die Freundschaften. „Ich bin zuversichtlich, dass wir auch im Jubiläumsjahr passende Formate entwickeln können, die eine interkommunale deutsch-französische Kooperation möglich machen.

Vielleicht müssen wir erst einmal in virtuellen Formaten denken. Auf ein persönliches Wiedersehen mit unseren Freunden aus Boissy freuen wir uns aber jetzt schon“, betont die Vorsitzende des Partnerschaftskomitees.

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