Lauda / Königshofen

Leserbrief Zur Bürgermeisterwahl am 29. März

Welche Kompetenzen brauchen wir im Rathaus Lauda-Königshofen?

Zwei Kandidaten mit nenneswerten Aussichten bewerben sich weiterhin für das Bürgermeisteramt, nennen wir sie Kandidat „A“ und Kandidat „B“. Zur Entscheidung für einen der beiden Kandidaten sollten in erster Linie Daten und Fakten jedoch nicht Selbstdarstellung und Populismus den Ausschlag geben.

Fakten zur Berufsausbildung sind: Kandidat „A“ weißt keine abgeschlossene Berufsausbildung nach, denn mit maximal acht 8 Semestern hat man ein Jurastudium sicher eher abgebrochen als erfolgreich abgeschlossen? Kandidat „B“ hat ein abgeschlossenes Studium der Politikwissenschaften und war in seiner Studienzeit nebenberuflich journalistisch unter anderem für die FAZ tätig. Nach seinem Studium hat er erfolgreich promoviert.

Fakten zur Berufstätigkeit und -erfahrungen sind: Kandidat „A“ hatte nach dem vermutlich abgebrochenen Studium bei seinen ersten vier Arbeitgebern Verweildauern von unter einem Jahr bis maximal drei Jahre. Bis 11. März 2020 stand in seinem Linkedlin-Portal, dass er bis Januar 2020 bei Sodexo beschäftigt war. An diesem 11. März hatte ich ihn per Mail um Klarstellung über sein Beschäftigungsverhältnis gebeten. Er teilte mir daraufhin mit, dass ihn dieser Eintrag überrasche und er möglicherweise gehackt wurde.

Ab dem nächsten Tag war der Eintrag auf „Feb. 2007 - Heute“ geändert. Weiter hat er mir mitgeteil: „Gerne bringe ich Ihnen die entsprechenden Dokumente zur Kenntnis“, diese liegen mir allerdings leider bis heute nicht vor. Somit ist die aktuelle Beschäftigungssituation für mich immer noch unklar.

Kandidat „B“ war nach seinem abgeschlossenen Studium in der hessischen Staatskanzlei tätig und hat paralell dazu, promoviert. Seine weiteren beruflichen Tätigkeiten waren und sind seit 2014 im baden-württembergischen Landtag. Aktuell ist er dort in den Ausschüssen: Ländlicher Raum und Verbraucherschutz sowie für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft beratend tätig. Fakten zu den Herausforderungen der kurz- und mittelfristigen Haushaltssituation der Stadt Lauda-Königshofen sind: Kandidat „A“ ist auf diese gestellte Frage bei der Vorstellungsrunde im 10. März in der Stadthalle ausschließlich auf die Vergangenheit eingegangen und hat sich auch im persönlichen Gespräch nicht auf die Situation 2020 und ff. eingelassen, obwohl bereits für 2020 die Aufsichtsbehörde im Landratsamt die geplante Neuverschuldung wegen der Gefahr einer Überschuldung nur zu rund 60Prozent genehmigte und er hierüber sicher Kenntnis hat.

Kandidat „B“ hat sich hier für die Notwendigkeit einer klaren Priorisierung von geplanten Projekten ausgesprochen und solche beispielhaft auch benannt. Auch wenn diese diverse Einschränkungen zur Folge haben, sind sie notwendig, da, wie bereits erfolgt, bei einer drohenden Überschuldung die Aufsichtsbehörden immer mehr involviert werden müssen und somit die Handlungsfähigkeit und der -spielraum der Stadt nicht unerheblich eingeschränkt werden. Was schließen wir aus diesen Fakten? Möchten und brauchen wir in dieser Situation einen Bürgermeister, der keinerlei Ausbildungsnachweise vorlegen kann, jedoch für mich sehr stark in Selbstdarstellung und Populismus ist? Kontinuität, Ausdauer, Durchhalte- und Stehvermögen ist dieser Vita nicht zu entnehmen. Der Umgang mit den vorliegenden Fakten zur aktuellen und zukünftigen Haushaltssituation und die Weigerung, hierauf einzugehen, sind für mich keine vielversprechenden, positiven Voraussetzungen für dieses Amt.

Oder brauchen wir einen Bürgermeister mit einer soliden Ausbildung, einem kontinuierlichen beruflichen Werdegang der Fachkompetenz in der Verwaltung sowie den Themen des ländlichen Raums, dem Verbraucherschutz, dem Umwelt- und Klimaschutz, der Energiewirtschaft usw. nachweisen kann? Ist es nicht besser einen Bürgermeister mit einer guten Vernetzung in die Entscheidungsgremien im Regierungspräsidium, dem Parlament, den Behörden und dgl. zu haben, auch wenn dieser sich nicht selbst, sondern das Wohl der Stadt in den Mittelpunkt stellt?

Zu guter Letzt erscheint es mir ethisch fragwürdig und sicher nicht im Sinne Christi, wenn versucht wird, die aktuelle Covid-19 Situation im Wahlkampf für sich persönlich auszunutzen. Wir leben hier nicht in einer anonymen Großstadt sondern auf dem Land, wo jeder im persönlichen und/oder direkten Umfeld jemanden kennt, dem er gerne hilft oder der ihm gerne hilft. Zudem gibt es auch bei uns entsprechende gemeinnützige Einrichtungen hierfür und auch die Stadtverwaltung sollte sich hier in der Pflicht sehen. All diejenigen die in dieser Situation gerne helfen möchten, um sicherzustellen, dass es bei uns auch in absehbarer Zukunft noch ausreichend Lebensmittel gibt, mögen sich doch bei der bundesweit eingerichteten Jobbörse für Erntehelfer unter www.daslandhilft.de zum Einsatz melden.

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