Lauda / Königshofen

Bus und Bahn Der neue Verkehrsvertrag des Landes Baden-Württemberg wird auch Auswirkungen auf den Ländlichen Raum an Neckar, Main und Tauber haben

„Vollknoten“ in Lauda wünschenswert

Archivartikel

Der Kreisverband Main-Tauber des Verkehrsclubs Deutschland beleuchtet die zu erwartende Angebotsentwicklung auf der Schiene und welche Änderungen die Nutzer des Nahverkehrs erwartet.

Lauda-Königshofen/Odenwald-Tauber. Wenn in gut drei Monaten mit dem Wechsel zum Fahrplan für das Jahr 2020 der neue Verkehrsvertrag des Landes Baden-Württemberg an den Start geht, wird das Auswirkungen auch auf den Ländlichen Raum an Neckar, Main und Tauber haben. Augenscheinlich werden moderne Fahrzeuge im einheitlichen Landesdesign in den Farben weiß, gelb und schwarz eine frische Optik auf die Schiene bringen. WLAN, Klimatisierung und begreifbare Fahrgastinformationen in Echtzeit werden den Fahrkomfort verbessern.

Eine vom Land definierte Zugbegleiterquote sorgt für individuelle Kommunikation und Kameras für mehr Sicherheit. Dies ist eine Säule der Verkehrswende, die die Fahrgastzahlen in der nächsten Dekade auf der Schiene bzw. im ÖPNV verdoppeln soll. Stundentakt auf allen Linien an Werktagen und weitgehend Bedienung aller Halte. Was erwartet die Fahrgäste mit ihren unterschiedlichen Mobilitätsansprüchen?

Wichtig ist, nach Ansicht von Oliver Roßmüller vom VCD Main-Tauber, dass nach wie vor der Schüler- und Auszubildendenverkehr mit seinen Schnittstellen Bus-Schiene eine gute Erreichbarkeit der Ausbildungsstätten ermöglicht. Die übrigen Fahrplanlagen werden vereinheitlicht, damit je Zustiegsort gleiche Abfahrts- und Ankunftsminuten die Fahrpläne übersichtlicher machen und gute Verbindungen sich ganztägig wiederholen, auch mit Umstiegen gleichermaßen. Dennoch: Sachzwänge wie die Eingleisigkeit im Dieselnetz der Westfrankenbahn und die überregionalen Schnellzüge, deren Abfahrten und Ankünfte auf die Fernverkehrsknoten in Stuttgart und Würzburg ausgerichtet sind, geben die Zugpassagen in unseren regionalen Schienenknoten Lauda und Osterburken weitgehend vor und lassen eine flexible Planung nur bedingt zu.

In Osterburken verfestigt sich der Taktknoten stündlich auf die Minute 30. Bisher galt das nur für die Linie 1 der S-Bahn Rhein-Neckar. Ab Dezember werden auch alle anderen dort einmündenden oder passierenden Linien darauf getaktet werden. In so einem Idealfall können Reisende zwischen allen Zügen umsteigen.

Situation in Lauda ungelöst

Sowohl Aufgabenträgerschaft (allgemein: das Land für die Schiene, der Landkreis für die Busse) als auch Fahrgastverbände sind sich weitgehend einig darüber, dass ein Vollknoten wie in Osterburken auch in Lauda wünschenswert wäre. Ab dem kommenden Fahrplanwechsel wird es immerhin werktags auf der Frankenbahn zwischen Würzburg, Lauda und Osterburken zwei Züge pro Stunde, nämlich eine Regionalbahn für alle Halte zusätzlich zu dem dann auf Stundentakt verdichteten Expresszug geben.

Auch auf dem Abschnitt der Tauberbahn zwischen Bad Mergentheim und Tauberbischofsheim werden ab Fahrplan 2020 werktags am Nachmittag halbstündlich Züge verkehren. Die Passagenzeiten der meisten Züge werden in Lauda etwa wie bereits heute zu den Minuten 10 und 50 plus/minus liegen.

Ideal wäre nach Ansicht des VCD aber Minute 15 und 45, um mit den erforderlichen Fahrzeiten auf der Tauberbahn zwischen Lauda und den Kreuzungsbahnhöfen Tauberbischofsheim und Bad Mergentheim (bzw. auch Markelsheim) und den veranschlagten vier Minuten Umstiegszeit in Lauda einen Taktfahrplan für die Tauberbahn einzurichten, der In Lauda die Erreichbarkeit aller Anschlüsse ermöglicht.

Lange Übergangszeiten

Tatsächlich bleiben die langen Übergangszeiten zwischen Bad Mergentheim/südlicher Tauberbahn und dem Schnellzug Richtung Osterburken von nahezu 30 Minuten weiter bestehen. „Das mag für den gelegentlich Reisenden unerheblich sein, für den täglichen Pendler, ob zur Arbeit oder zur Ausbildung, ist das durchaus ein Kriterium, das über die Verkehrsmittelwahl entscheidet“, ist ein Kritikpunkt, den Oliver Roßmüller, der für den Verkehrsclub Deutschland (VCD) das Angebot analysiert, feststellen muss.

„Ob das befristete Ergänzungsangebot Lauda – Osterburken im Regionalbahnverkehr, für das Bürger auf die Straße gegangen sind und dessen mediales Echo noch gut in Erinnerung ist, zum langfristigen Erfolg führt, hängt nicht zuletzt davon ab, ob alle (!) Zulaufverkehre auf Lauda optimal abgestimmt sein werden“, so Roßmüller weiter. Aus/nach Richtung Wertheim und dem Maintal ist das nach aktueller Planung nicht der Fall: Mehr als 40Minuten beträgt hier die Wartezeit beim Umstieg, und zwar ganztägig und in beide Richtungen. Zur Nachbesserung hat der engagierte Verkehrsclub gegenüber der Aufgabenträgerschaft vorgeschlagen, zumindest einige der Verdichterzüge über Tauberbischofsheim hinaus bis Wertheim und dem Maintal durchzubinden, um die Fahrzeiten deutlich attraktiver zu machen. Die Planer des Landes haben jetzt diese Aufgabenstellung mit nach Stuttgart genommen.

„Ich hoffe mit Unterstützung des Landkreises auf Umsetzung ab Fahrplan 2021“, zeigt sich Roßmüller optimistisch. olr/vcd

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