Lauda / Königshofen

Stadtführung Trotz Corona-Krise ließen sich zahlreiche Interessierte den Rundgang durch die Altstadt nicht entgehen

Viele Perlen in einer reichen Historie

„Perlen“ der Altstadt von Lauda konnten Einheimische und Touristen am Samstag bei einem spannenden und kurzweiligen Rundgang kennenlernen.

Lauda. An sich erscheinen Stadtführungen nicht außergewöhnlich, allerdings mussten aufgrund der Corona-Krise auch in Lauda ab Mitte März alle Führungen entfallen. Seit Kurzem kann die Stadt jedoch unter Berücksichtigung der aktuell geltenden Regelungen wieder geführte Rundgänge anbieten und durchführen. So am Samstagvormittag – zum zweiten Mal nebst einer Beschränkung der Teilnehmerzahl auf maximal 16 Personen.

Zwar im Freien ohne Mund-Nasen-Schutz, hielten sich die ein Dutzend angemeldeten Teilnehmer durchweg an die geltenden Hygiene- und Abstandsregungen. „Gerade nach dem Lockdown und der weiterhin währenden Corona-Krise ist es sehr schön, dass eine Stadtführung stattfinden kann, zumal ansonsten Veranstaltungen sowie Festivitäten und andere Angebote gänzlich abgesagt werden mussten oder nur sehr eingeschränkt durchgeführt werden können“, betonte exemplarisch eine aus Lauda stammende Teilnehmerin.

Insofern schien weder die eingeschränkte Teilnehmerzahl oder Abstandsregelung noch die Erfordernisse, nur nach vorheriger Online-Anmeldung und mit einem entsprechenden Ticket dabei sein zu können, ein Hindernis für die Beteiligten. Darunter waren einige wenige Touristen sowie zumeist Einheimische oder Besucher aus der nähren Region. Allesamt nutzen sie, unter Leitung von Alfons Radlmair, Stadtführer aus Oberlauda, sowohl trotz Corona-Krise die Gelegenheit eines geführten Spaziergangs durch Alt-Lauda als auch, dabei die dortige Fülle wertvoller kultureller und historischer Sehenswürdigkeiten zu entdecken und kennenzulernen sowie erläutert zu bekommen.

Treffpunkt war auf dem Marktplatz vor dem jetzigen Rathaus, das bis 1983 für rund 13 Millionen Mark errichtet wurde, wie Radlmair nach einer Einführung in die Stadthistorie erörterte. Vormals habe sich an dieser Stelle das repräsentative Gebäude des „Stettenberger Hof“ befunden, der 1976 bei einem Großbrand zerstört wurde. Gleichsam im Blickfeld standen der 1989 fertiggestellte Rathausbrunnen und das Marktplatzkreuz, das 1893 für Kosten in Höhe von 1000 Reichsmark geschaffen wurde, was damalig dem Wert von etwa 10 000 Liter Wein entsprochen habe.

Nächste Station war das Obere Tor, das 1496 mit dem Wappen des Grafen Asmus von Wertheim errichtet wurde, der die Stadt in Richtung Westen erweiterte. Dereinst habe es in Lauda nur zwei Tore gegeben, nämlich zu dem am Ende der heutigen Pfarrgasse noch das Tauberbischofsheimer Tor. Wie das historische Lauda zumindest in etwa aussah, ließ sich einem Wandbild auf der Außenfassade eines Gebäudes in der Oberlaudaer Straße quer gegenüber des Oberen Tores entnehmen. Darauf beispielsweise erkennbar, war Alt-Lauda von zwei Wassergräben entlang der Stadtmauer umschlossen.

Der Reichtum der Stadt im 15. und 16. Jahrhundert, der vor allem aus dem Weinhandel resultiert habe, konnte vielen alten, noch erhaltenen Bauwerken angesehen werden, so zum Beispiel einer typisch fränkischen Hofanlage und späterem Weinhaus oder dem jetzigen Heimatmuseum, ein Weinbauernhaus aus der Renaissancezeit von 1551 und Geburtsstätte des Agrarreformers Professor Dr. Philipp Adam Ulrich.

Jüdische Gemeinde verschwand

Interessant war für die Teilnehmer der Blick in Geschichte auch in Bezug auf die jüdischen Mitbürger. Um 1300 lebten in Lauda zahlreiche Juden, die danach jedoch sukzessive verschwunden seien – auf ein Dekret des Erzbischofs im Jahr 1748 hin sogar ganz, erklärte der Stadtführer. Von der jüdischen Historie in Lauda zeugen namentlich noch die mittelalterliche Judengasse als auch der 1988 wiederentdeckte und freigelegte „Judenbrunnen“ nahe der ehemaligen, bis Mitte des 17. Jahrhunderts bestehenden Synagoge mitsamt deren erhaltener Torbogen des Kellereingangs. In der Judengasse waren unter anderem die erstmals 1300 als „Kapelle zum Heiligen Grab“ urkundlich erwähnte und 1683 neu errichtete Blutskapelle Besichtigungsorte sowie der ehemalige Zehnthof, der heute das letzte erhaltene Amtsgebäude der früheren Oberamtsstadt Lauda ist.

Auf die wechselhafte Geschichte der das Ortsbild prägenden katholischen Stadtkirche St. Jakobus ging Radlmair ebenso ein wie an weiteren Stationen unter anderem auf die Geschichte des heute als katholisches Pfarrzentrum dienenden historischen Pfarrhauses und der Pfarrscheune nebst einem mächtigen Gewölbekeller, die ehemaligen Rathäuser, an der Marien-/Pfarr-/Rathausstraße sowie anderer epochaler Fachwerkhäuser und Gebäude.

Besonders beeindruckend und teilweise sogar überraschend sei, wie vor allem ortskundige Teilnehmer äußerten, dass prägende Zeitzeugen der Geschichte der Kernstadt Laudas sogar an abgelegenen und schier versteckten Orten zu finden seien. So konnten sich die Besucher speziell sogar zu Corona-Zeiten anhand vielzähliger Beispiele ein Bild davon machen, dass Alt-Lauda durch eine Fülle wertvoller kultureller und historischer Sehenswürdigkeiten besticht.

Die nächsten Termine des Stadtrundgangs sind am 8. und 22. August jeweils um 10 Uhr. Eine Anmeldung mit Namen und E-Mail-Adresse ist erforderlich.

Zum Thema