Lauda / Königshofen

Leserbrief Zur geplanten Information über den Runden Tisch in der Gemeinderatssitzung am kommenden Montag

„Vernunft muss walten“ oder „Konsens statt Nonsens“

Am Montag steht eine kommunalpolitisch bedeutsame Sitzung des Gemeinderats bevor. Der Runde Tisch zur sogenannten Bodenverbesserungsanlage in Gerlachsheim stellt seine Folgerungen aus dem Beratungsprozess der Öffentlichkeit vor. Lange haben viele Menschen darauf gewartet und sind auf die Präsentation gespannt.

Der Erfolg des Runden Tischs wird, wahrscheinlich von der Mehrheit der Befürworter und Gegner, an konkreten Ergebnissen gemessen werden; ob es einen alternativen Standort oder Konzepte zur Verkehrsberuhigung gibt, ob es 50 000 Tonnen oder 150 000 Tonnen werden.

Die alleinige Bewertung aufgrund dieser Kriterien ist jedoch sehr kurzsichtig und eindimensional.

Für mich bestand der Erfolg schon darin, wieder anzufangen, miteinander und nicht nur über einander zu reden. Nur so konnte sich die Chance eröffnen, Lösungen zu entwickeln. Das Beharren auf absoluten Positionen kann nicht zielführend sein.

Bundespräsident Steinmeier hielt Anfang März, anlässlich der Fritz-Stern-Lecture in der American Academy Berlin, eine sehr beachtliche Rede. Darin setzte er sich mit einem der Hauptgedanken des Historikers Fritz Stern auseinander; der Vernunft. Fritz Stern war der tiefen Überzeugung, dass mit dem Verlust der Vernunft auch die Demokratie und die Freiheit selbst auf dem Spiel stehen. Große Worte eines großen Denkers. Wie passt das nach Lauda-Königshofen? Man kann und muss diesen großen Gedanken letztlich auf jede politische Ebene herunterbrechen.

Mit dem Streben nach Vernunft wäre, bei dem oben genannten Projekt, so manches nicht so gewaltig in die Hose gegangen. Aber mit viel Vernunft bekam man vorerst noch einmal die Kurve. Mit viel Vernunft wurde der Runde Tisch ins Leben gerufen, wie man vernimmt, wurde er wohl auch mit Vernunft geführt. Man begegnete sich endlich wieder mit Vernunft.

Ein weiterer bemerkenswerter Punkt in Steinmeiers Rede ist die Wahrheit. „Das Wichtigste an einer Debatte ist nicht der persönliche Bezug zu einem Thema“, so Steinmeier. Er führte weiter aus: „die persönliche Erfahrung eines Einzelnen ist ein Argument, aber noch nicht die ganze Wahrheit.“ Dies bedeutet, dass die für mich eigene Wahrheit lediglich ein Argument in der Debatte ist, nicht jedoch eine allgemein gültige Wahrheit. Das klingt alles hoch philosophisch, ist es aber nicht.

Für den Anlieger an der Straße ist der tägliche Lärm und Dreck seine Wahrheit. Für den Pendler, der jeden Tag das Wohnzimmer des Anliegers passiert, ist seine Wahrheit, dass er natürlich zu seinem Arbeitsplatz kommen muss, um seine Familie zu ernähren. Für den Unternehmer ist die Zufahrt zum Gewerbegebiet die Wahrheit. Für die Verwaltung der Gemeinde sind Gewerbesteuer und Arbeitsplätze Wahrheit. In der Gesamtdebatte sind dies alles einzelne Argumente, die ohne Zweifel ihre persönliche Berechtigung haben.

Und hier kommt die Vernunft wieder ins Spiel. In einem Prozess der von Vernunft geprägt und gesteuert ist, muss die Politik und die Gesellschaft einen Rahmen schaffen, welcher sich primär einmal am Gedanken des Gemeinwohls orientiert.

Die Belange der Anlieger, Unternehmer, der öffentlichen Hand und Pendler sind hierbei gleichwohl zu berücksichtigen. Sie sind einzelne Teile eines Gemeinwohls, das jedoch in seiner Gesamtheit über den Einzelinteressen stehen muss. In der nun folgenden Debatte, um die Folgerungen aus dem Bericht des Runden Tischs, kann sich keine der Fraktionen im Gemeinderat wegducken und davonstehlen. Eine eventuell falsch verstandene Nibelungentreue oder der Kommentar, der Platz sei verbrannt, sind keine Grundlage für vernünftige Lösungen.

Alle Fraktionen sind gemeinsam gefordert, seitab von irgendeinem Wahlkampfgeplänkel, in einen von Vernunft geprägten Diskurs zu gehen und eine Lösung auf Basis des Runden Tischs herbeizuführen.

Es bleibt zu hoffen, dass die eingezogene Vernunft nicht wieder schlagartig abhanden kommt und die Kombattanten wieder in Stellung gehen.

Gegenseitige Anfeindungen, Unterstellungen, Fake News und Anschuldigungen sollten der Vergangenheit angehören. Dies wäre, nach diesem Prozessverlauf, ein unnötiger Rückfall in längst vergessen geglaubte Zeiten.

Die Losung heißt jetzt: Konsens statt Nonsens!