Lauda / Königshofen

Hier hat der Leser das Wort Zum Leserbrief „Unternehmen sind das Fundament unseres Wohlstandes“ (FN, 21. November)

„Unternehmen haben auch eine soziale Verantwortung“

Archivartikel

Sehr geehrte Herren Kilb und Breitenstein, gestatten Sie uns, auf Teile Ihres Lesebriefs vom 21. November einzugehen.

Unserer Erfahrung nach schätzen die Gerlachsheimer Bürger weder Herrn Köhler gering, noch das von ihm geleitete Unternehmen. Wir sind uns auch in Gerlachsheim bewusst: Unternehmen sind das Fundament unseres Wohlstandes. Darüber hinaus appellieren wir jedoch auch an die soziale Verantwortung von Unternehme(r)n, die weit über den Kreis der eigenen Beschäftigten hinausgeht.

Auch die Sinnhaftigkeit des Bauvorhabens und sein Zweck für die Umwelt werden nicht in Frage gestellt: massiv in Frage gestellt wird lediglich der Standort Pfützenäcker, weil er die Lebensqualität in Gerlachsheim beeinträchtigen wird – auch in der nächsten Generation. Daher kann und darf dieser Standort nicht „schön“ geredet werden.

Es geht nicht nur um die Wettbewerbsfähigkeit eines ortsansässigen Unternehmers, sondern vor allem um eine lebenswerte Zukunft in diesem Ort. Es ist unsere feste Überzeugung, dass der Firmengründer, Herr Heinrich Konrad Senior, als ein Element seines unternehmerischen Weitblicks sehr wahrscheinlich auch das Wohl der Bürger im Blick gehabt und seinem Ort, in dem er selbst gewohnt hat, eine solche Anlage nicht zugemutet hätte; um der Lebensqualität und des sozialen Friedens willen, übrigens auch hinsichtlich der ihm anvertrauten Gerlachsheimer Beschäftigten einschließlich deren Familie.

Es gelte also der Grundsatz: „Wettbewerbsfähigkeit herzustellen unter Wahrung der Lebensqualität“. Falls beides nicht parallel an einem Ort möglich ist, muss eines weichen. Der Unternehmer kann seine Wettbewerbsfähigkeit auch an anderer Stelle sichern; der Ort kann nicht umziehen.

Zudem wünschen wir uns Kommunalpolitiker, die eine Politik so gestalten, als ob sie und ihre Familien selbst, bis hin zur Enkelgeneration, davon betroffen wären. In anderen Worten: wir erwarten eine ausgewogene Güterabwägung zwischen Unternehmerinteresse und Gemeinwohl.

Tatsächlich aber ist der Eindruck eines einseitigen, unternehmens-nahen Handeln entstanden. Dies ist eine Folge davon, wie die Repräsentanten des Unternehmens und der Stadtverwaltung bisher handeln bzw. ihr Handeln rechtfertigen – und nicht eine Folge des Handelns von Gerlachsheimer Bürgern.

Dabei ist es uns wichtig, zwei Sachen festzuhalten: Erstens: nicht die handelnden Personen selbst, vielmehr ihr Handeln in dieser Angelegenheit ist kritikwürdig, weil es „ursächlich“ ist für die Situation, in der wir uns jetzt befinden. Übrigens unabhängig davon, wie erfolgreich ihr Wirken andernorts gewesen sein mag. Hinsichtlich „Pfützenäcker“ haben alle den umfassenden Weitblick vermissen lassen. Wir werben für Verständnis dafür, dass dies bei der Bewertung aus Gerlachsheimer Sicht im Vordergrund steht.

Zweitens: dass die Anlage schwierig „unterzubringen“ ist, liegt nicht am Protest der Gerlachsheimer Bürger, sondern an der Charakteristik der Anlage, die am besten in einem Industriegebiet aufgehoben ist, das eine entsprechende Infrastruktur (Umweltschutz und Verkehrsanbindung) besitzt und Ortsdurchfahrten nicht zusätzlich belastet.

Wir meinen: Stadt und Landkreis haben die Aufgabe, nach Lösungen zu suchen, und zwar aktiv, unter Ausnutzung aller Spielräume. Da, wo keine Spielräume sind, sind solche zu schaffen. Das erfordert den Mut, politisch und juristisch Neuland erschließen zu wollen, auch mal gegen den Strom zu schwimmen, um Fehlentwicklungen zurückzudrehen und unsere Dörfer wieder lebenswerter zu machen. Am besten im Rahmen der Planungshoheit einer örtlichen Kommune, zum Wohle von Unternehmen und Bürgern!

Es mag aus weltlicher Sicht nicht um „Gut oder Böse“ gehen. Aber es geht um so etwas wie „Der Zweck heiligt nicht die Mittel!“ und „Es ist sinnvoll, dass Mächtige, obwohl sie alle Mittel hätten, ihren Wunsch durchzusetzen, sich durch Vernunft leiten lassen, falls Andere dadurch in unwiederbringlicher Weise benachteiligt würden.“

Und was den „Kreuzzug“ anbetrifft: wir alle werden unsere Knie einmal vor einem noch Mächtigeren beugen müssen. Und da scheint uns ein emotionaler Leserbrief das geringere Problem zu sein.

Für die Steuergruppe der Bürgerinitiative

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