Lauda / Königshofen

Vortrag des stellvertretenden Kreisforstamtsleiters Karlheinz Mechler erörterte die Auswirkungen der trockenen Sommer in den vergangenen Jahren

„Unser Wald steckt in einer kritischen Situation“

Lauda-Königshofen.Über die aktuelle Situation des Waldes referierte beim Symposium „Unser Wald braucht Hilfe“ des Kreisverbandes Main-Tauber der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald der stellvertretender Leiter des Kreisforstamts Main-Tauber, Karlheinz Mechler.

„Wir haben sowohl aufgrund des relativ warmen und trockenen Klimas, als auch der Bodenarten mit teilweise wenig Wasserspeicherkapazitäten keine wuchskräftigen Rahmenbedingungen für Bäume und Wälder, um aus dem Vollen schöpfen zu können“, erklärte Mechler eingangs. „Diese Rahmenbedingungen haben bis dato lediglich die Produktivität des Waldes beeinträchtigt. Ansonsten ging es den Bäumen nicht schlechter als andernorts und ihre Existenz war nur in Einzelfällen gefährdet“.

Fichtenbestände beeinträchtigt

Gleichzeitig sei den Förstern immer bewusst gewesen, dass die Fichtenbestände natürlich bedingt außerordentlich gefährdet seien. Durch die Art der Bewirtschaftung habe man jedoch potenziellen Schädlingen keinen Raum zur Entwicklung gegeben und soweit möglich, Fichten im Rahmen des Nachhaltigkeitshiebsatzes eingeschlagen sowie deren Anteil reduziert. Vor allem Fichtenbestände im südlichen Taubertal seien von dem extrem heißen und trockenen Sommer 2003 durch Dürre und Insektenschäden beeinträchtigt worden.

Im Stadtwald Bad Mergentheim zum Beispiel sei der Fichtenanteil innerhalb von 40 Jahren von 23 auf acht Prozent sowie im Gemeindewald Igersheim von 31 auf 13 Prozent gesunken.

Schäden im Kreis

Ebenfalls 2003 habe es auch einige Dürreschäden bei alten und exponiert stehenden Buchen, besonders an der Hangkante des Taubertals zwischen Bad Mergentheim und Creglingen gegeben.

Als absoluten Schwerpunkt der Schäden im Kreis nannte Mechler den Raum Bad Mergentheim bis Harthausen im Norden und in Richtung Jagsttal im Süden. In anderen Kreisteilen gebe es mehr kleinräumige Schäden zum Beispiel entlang des Taubertals, im Baulandgebiet und auch auf der Külsheimer Höhe.

Nicht überrascht habe die Dynamik des Absterbens von Fichten durch Dürre und Käferbefall, allerdings hingegen das flächige Absterben alter Buchen vor allem im Bad Mergentheimer Raum sowie die Schädigung vermeintlich Trockenheit ertragender Baumarten wie zum Beispiel Waldkiefer, Schwarzkiefer, Weißtanne und Douglasie, was 2003 nicht der Fall gewesen sei. Erschwerend komme das immer häufigere Absterben von Eschen durch eine bisher unbekannte Pilzkrankheit hinzu.

„Klimastabile Baumarten“ gefragt

Die durch den massiven Ausfall von Fichten ohne bereits bestehende Naturverjüngung entstehenden Kahlflächen müssten neu angepflanzt werden, wobei aufgrund der Überfüllung des Marktes die Preise für Fichtenholz nicht einmal mehr die Aufarbeitungskosten decken könnten. Buchenbestände weisen in der Regel eine Naturverjüngung auf, so dass dort keine Wiederaufforstung notwendig sei.

Bei der Frage, ob absterbende Altbuchen stehen bleiben sollten oder abgeräumt werden müssten, komme es auf Aspekte insbesondere der Verkehrssicherheit und der Waldhygiene an.

Deshalb werden bei der Artenwahl für eine neue Waldgeneration werden dementsprechend möglichst „klimastabile“ Baumarten verwendet. Dazu zählen heimische Begleitbaumarten des Traubeneichenmischwaldes oder aus Süd- und Südosteuropa stammende Baumarten wie etwa Nussbaum, Esskastanie und Schwarzkiefer und auch nordamerikanische Arten wie zum Beispiel Douglasie und Roteiche. „Wichtig ist, durch kleinflächige Mischungen das Risiko zu streuen“, betonte Mechler.

Unabdingbar für die Entwicklung junger Wälder sei zudem die Mithilfe der Jäger, um Wildverbiss zu reduzieren.

Während die skizzierten Maßnahmen uneingeschränkt für den betreuten öffentlichen Wald gelten, seien viele Privatwaldbesitzer mit der aktuellen Situation und überfordert.

„Die Forstverwaltung unterstützt auch die die privaten Waldbesitzer“, versicherte er. „Unser Wald steckt in einer kritischen Situation. Die Belastungsfähigkeit des Waldes als auch der Besitzer und Förster ist erreicht“, bilanzierte Mechler.

Netzwerk sinnvoll

„Es sollten sich alle Beteiligten zu einem Netzwerk zusammenfinden, nur dann können wir unserem Wald helfen. Darüber hinaus benötigen wir finanzielle und personelle Unterstützung“, forderte der stellvertretende Kreisforstamtsleiter.

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