Lauda / Königshofen

Leserbrief Zum Bericht „Entlastung angehen“ (FN, 5. Dezember)

„Stärke gefragt, wo der Schuh drückt“

Sehr geehrter Herr Professor Dr. Reinhart, als ich den Artikel in den FN vom 5. Dezember gelesen und Ihre Anzeige gesehen hatte, dachte ich, Landtagswahlen stehen an und jedes Thema wird irgendwie genutzt, um sich in der Presse zu präsentieren. Wie schön wäre es doch, wenn es nicht nur bei diesen Anzeigen und diesen für sich werbenden Pressetexten bliebe.

Wie wäre es, wenn Sie sich ganz persönlich um Menschen in Ihrem Landkreis kümmern würden, die – unabhängig von Parteizugehörigkeit – jahrzehntelang ihr Ehrenamt aktiv leben? Sich zu präsentieren, wo gefeiert wird, bei Ehrungen, Geburtstagen, Jubiläen und Einweihungen, ist ein Leichtes. Aber da zu sein, wo der Schuh drückt, wo es „brennt“, wo Menschen sich fragen, warum soll mein ehrenamtliches Engagement so sinnlos gewesen sein, da ist Stärke gefragt.

Beginnen dürfen Sie beim Verein „KulturGut“ in Gerlachsheim. Über 15 Jahre haben engagierte Bürger tausende Stunden ihrer Freizeit für diesen Verein eingebracht. Dieses ehrenamtliche Engagement hat bewirkt, dass ein unter Denkmalschutz stehendes barockes Kleinod im Main-Tauber-Kreis, das Weinhandelshaus Buchler, gerettet, gesichert und schon teilweise restauriert wurde. Dieses jahrelange Engagement, zahlreiche Spenden und auch öffentliche Gelder stehen nun auf dem Spiel, da die Abfallaufbereitungsanlage der Firma Konrad Bau hier in Gerlachsheim gegen den langjährigen Widerstand der Bevölkerung offensichtlich nun doch gebaut wird.

Nicht nur dieses Gebäude wird die Beschädigung durch den zu erwartenden Lkw-Verkehr auf Jahre nicht überleben, sondern auch das den Ort schmückende Weinhandelspalais.

Herr Dr. Reinhart, Sie erinnern sich sicher an die stimmungsvollen Hoffeste, die jährlich dort stattgefunden haben. Oder haben Sie diese Erinnerungen verdrängt, weil es da in Gerlachsheim ein Problem gibt, mit dem Sie nichts zu tun haben wollen? Was nützt Ihr Dankeschön in Ihrer Wahlkampfanzeige zum Tag des Ehrenamtes, wenn durch den Betrieb der Abfallaufbereitungsanlage denkmalgeschützte Häuser der Zerstörung preisgegeben werden und damit auch viele Jahre ehrenamtlicher Tätigkeit sinnlos würden?

Zum Thema