Lauda / Königshofen

Leserbrief Zum Bericht „Sporthaus MuM zieht in die Kurstadt“ (FN, 25. Januar)

Sind die „Waldenburger Beschlüsse“ noch zeitgemäß?

Nicht nur Herr Strambace, Geschäftsführer des Sporthauses „MuM“, fühlt sich seit Jahren allein gelassen. Auch die Königshöfer Bürger fühlen sich seit dem Amtsantritt von Bürgermeister Maertens von diesem wie auch von einem Großteil der gewählten Bürgervertreter aller Fraktionen vernachlässigt und wenig unterstützt, insbesondere weil die versprochene Ansiedlung neuer Märkte in Königshofen durch die Stadt gemeinsam mit dem Regionalverband verhindert wurde.

Wie „MuM“ hatte auch die Firma Funke aufgrund der versprochenen Ansiedlung weiterer Märkte ihr Haushaltswarenfachgeschäft von Lauda nach Königshofen verlegt. Der frühere Bürgermeister Heirich war bestrebt, in Königshofen auf dem jetzigen Grundstück des Autohauses Lademann einen Lebensmittelvollsortimenter mit 1200 Quadratmeter anzusiedeln sowie einen Elektrofachhandel. Der damalige Gemeinderat hatte diesem Projekt bereits zugestimmt.

Der Plan scheiterte jedoch, weil der Regionalverband Heilbronn-Franken auf die strikte Einhaltung des Regionalplans pochte. Wichtig: In Lauda darf ein Lebensmittelmarkt mit 1200 Quadratmeter Verkaufsfläche ansiedeln, nicht aber in Königshofen! Hier ist die Verkaufsfläche für einen Lebensmittelmarkt auf 800 m² beschränkt, was für einen Vollsortimenter viel zu wenig ist und für Investoren keinen Anreiz bietet.

Auch das vom Gemeinderat genehmigte Projekt „Aldi-Edeka-Weber“ scheiterte an dem noch amtierenden Bürgermeister und dem Regionalverband. Es entstünden „nicht einschätzbare Risiken für die bestehenden Einzelhandelsbetriebe in der Stadt“ (FN, 25. Oktober 2007).

Für diejenigen, die heute nichts mehr davon wissen wollen: Die Stadtverwaltung war bei der Erstellung des Regionalplans 2006 mit einbezogen worden!

Es ist durchaus nicht so, wie einige Stadträte gerne zur Rechtfertigung ihrer Entscheidung behaupten, dass der Stadt die Aufteilung der Gesamtfläche für Einzelhandelsbetriebe vom Regionalverband aufgezwungen wurde.

Vielmehr ging der Entscheidung, wie die Gesamtfläche für Einzelhandel zwischen Königshofen und Lauda aufzuteilen ist, eine „Anhörung“ der Stadt bzw. des Bürgermeisters voraus. Das Ergebnis und die negativen Folgen für Königshofen sind bekannt. Ein „mea culpa“ kommt aber weder für den Bürgermeister in Frage noch für die ihn unterstützenden Stadträte.

Stadt und Gemeinderäte, selbst Königshöfer Gemeinderäte, berufen sich heute noch auf die „Waldenburger Beschlüsse“ anno 1993 ohne zu hinterfragen, ob diese noch zeitgemäß sind. Damals gab es in Königshofen außer Aldi noch Kupsch, Schlecker, mehrere Bäckereien und Metzgereien.

Gesetzte Ziele können geändert werden, wenn man erkennt, dass diese längst überholt sind. Die strukturelle Situation des Einzelhandels in Königshofen ist heute eine völlig andere. Darüber nachzudenken, würde sicher auch dem drastischen Einwohnerschwund in Königshofen entgegen wirken, der sich in keinem anderen Stadtteil so negativ entwickelt hat.

Wie unwichtig dem Bürgermeister der Stadtteil Königshofen ist, zeigt nicht nur der Artikel der FN zu Sporthaus „MuM“ vom 25. Januar, sondern auch folgendes Beispiel:

Ende Januar 2019 sollte der Gemeinderat der fünften Bebauungsplanänderung „Wöllerspfad“ mit noch mehr Nachteilen für Königshofen zustimmen. Daher baten wir gemeinsam mit einem Investor Ende November 2018 Herrn Bürgermeister Maertens um einen Gesprächstermin.

Auf Nachfrage Anfang Januar ließ uns der Bürgermeister wissen, er habe keine Zeit und verwies auf den Stadtbaumeister. Dieser hatte in den vier Wochen vor der entscheidenden Gemeinderatssitzung ebenfalls keinen freien Termin für uns.

Das (ergebnislose) Gespräch mit Stadtbaumeister Blessing fand dann am 31. Januar 2019 statt, drei Tage nach dem Gemeinderatsbeschluss, der Königshofen das endgültige „Aus“ für einen Vollsortimenter bescherte. So läuft das bei uns im Rathaus!

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