Lauda / Königshofen

Caritasverband Die Wohngemeinschaft für Senioren besteht seit zehn Jahren mitten in Lauda

Selbstverantwortung bis ins hohe Alter

Wohngemeinschaften sind nicht nur etwas für Studenten. In Lauda besteht seit zehn Jahren eine Senioren-WG mitten in der Stadt.

Lauda. Die Gruppe sitzt um den Tisch und schmiedet Pläne. Sieben Ideen haben sie bereits zusammengetragen. Und das reicht für die ganze Woche. Schließlich machen sie zusammen mit Elke Wülk den Speiseplan. „Linsensuppe und Spätzle esse ich gerne“, freut sich Oskar Zenkert schon auf seine Leibspeise. Natürlich mit Wiener, sagt der 93-Jährige. Elsbeth Sauer schaut in der Zwischenzeit nach, was für morgen im Topf ist und rührt kräftig um. Die beiden sind zwei von derzeit elf Bewohnern der Seniorenwohngemeinschaft in Lauda. Vor zehn Jahren hat der Caritasverband im Tauberkreis diese Wohnform für ältere Menschen ins Leben gerufen.

„Unsere Mieter genießen das Zusammensein mit den Mitbewohnern“, erzählt Silvia Spinner. Die Koordinatorin der Gruppe, die zudem die Leitung des angrenzenden Johann-Bernhard-Mayer-Pflegeheims hat, schaut regelmäßig vorbei und ist Ansprechpartnerin bei Fragen. „Diese Wohnform ist eine Möglichkeit, die Selbstbestimmung und Selbstständigkeit der älteren Menschen zu bewahren.“ Jeder hat ein Zimmer als Rückzugsraum, kann Möbel oder Erinnerungsstücke von zuhause mitbringen. Küche und Gemeinschaftsraum werden von allen genutzt. Silvia Spinner spricht bewusst von ihren Mietern, die so ihre Lebensqualität erhalten können. Die Gemeinschaft organisiere sich sehr gut.

Neues Zuhause gefunden

Gegründet wurde die Gruppe für Senioren, die in Gemeinschaft mit anderen leben wollen, aber noch soweit fit sind, um sich größtenteils selbst zu versorgen. Denn jeder kümmert sich um sein eigenes Reich, putzt das Zimmer und wäscht seine Wäsche selbst. Damit werde auch der Vereinsamung vorgebeugt, unter der einige vorher zu leiden hatten, betont Spinner.

Ein neues Zuhause hat Gudrun Hjordt in Lauda gefunden. Die 85-Jährige, die vor vielen Jahren schon einmal in der Region gelebt hat, wagte den Schritt, aus dem Allgäu ins Taubertal zu ziehen. Sie wollte näher bei ihren Kindern sein. Auch Karl-Dieter Köllner (79) und seine Frau Doris sind 2011 wegen der Familie von Mainz nach Lauda gezogen. Ihre Mietwohnung war nicht ebenerdig, das Treppensteigen wollten sich die beiden ersparen. Für Hans Wachter (92), Arthur Stang (82) und Hildegard Schattmann (89) war die räumliche Umstellung nicht ganz so groß. Die drei Laudaer haben ihre gewohnte Umgebung behalten. Und für die anderen ist sie zur neuen Heimat geworden.

„Wir sind hier im Zentrum der Stadt. Geschäfte, Banken, Apotheke und Ärzte sind schnell zu erreichen“, betonen sie die für sie perfekte Lage in Nachbarschaft der evangelischen Kirche und des Pflegeheims. Denn wenn jemand Kurzzeitpflege benötigt, könne man die Möglichkeiten dort nutzen. Elfriede Heuberger kennt das. „Aber ich wollte wieder zurück in die WG“, erzählt sie. Hier habe man immer einen Gesprächspartner. 2014 ist sie nach dem Tod ihres Mannes eingezogen. „Hier gefiel es mir sofort und ich bin seitdem seelisch ruhiger geworden.“

Unterstützung möglich

Barrierefrei ist das Haus eingerichtet, ganz auf die Bedürfnisse der älteren Menschen, freut sich Jana Bönsch, deren Füße „nicht mehr so wollen“. „Hier wird aufeinander geschaut, die Bewohner helfen sich gegenseitig“, ergänzt Silvia Spinner. Und wer zusätzliche Unterstützung benötige, könne Leistungen des Pflegeheims oder der Sozialstation buchen.

„Nur Nachtpflege oder 24-Stunden-Pflege kann in der WG nicht geleistet werden“, so Spinner. Dann sei ein Umzug in ein Pflegeheim unvermeidbar. Dass bei bis zu zwölf möglichen Bewohnern auch Konflikte auftreten können, weiß die Fachfrau. Schwierigkeiten versuche man bei den wöchentlichen Runden und bei Gesprächen aus dem Weg zu räumen und Kompromisse zu finden.

Vieles wird gemeinsam von den Mietern unternommen. Man trifft sich zu den Mahlzeiten, macht Spaziergänge oder bummelt durch Lauda. Und wenn jemand eine Besorgung macht, wird gefragt, ob man anderen etwas mitbringen kann. Auch wer neu in die WG einziehen darf, wird in der Gruppe entschieden. Interessierte Bewerber stellen sich vor und verbringen einen Tag in den Räumen. „Man muss schauen, dass der neue Bewohner zur Gruppe passt.“ Nicht immer harmoniere dies, weiß Spinner.

Mit einem Strahlen im Gesicht erzählen die Senioren vom Kochen. Gerichte, die allen schmecken, werden ausgesucht, viel Gemüse ist auf dem Speiseplan. „Gekocht wird immer frisch“, betonten sie und legen Wert darauf, dass auch die Reste stets verarbeitet werden. Allerdings müssen die Senioren nicht am Herd stehen – außer sie wollen es. Eine von drei Alltagsmitarbeiterinnen ist vier Stunden täglich in der Einrichtung, kümmert sich ums Kochen und Einkaufen und übernimmt auch die Reinigung der Gemeinschaftsräume. „Die Senioren helfen aber mit, soweit sie können“, so Silvia Spinner.

Jeder hat seine Aufgabe

In der WG in Lauda hat jeder seine Aufgabe. Karl-Dieter Köllner kümmert sich um die Spülmaschine, Werner Hepp deckt den Tisch und sorgt dafür, dass immer genügend Getränke da sind. Und Elsbeth Sauer wird von allen als der „gute Geist“ bezeichnet. Sie ist oft mit dem Besen in der Hand anzutreffen.

Der Speiseplan für die nächste Woche steht. Elsbeth Heuberger freut sich schon auf die Spätzle. „Die machen wir selbst“, sagt sie und würde am liebsten gleich loslegen. Vorher muss aber der zehnte Geburtstag der Wohngruppe gefeiert werden: Passend zur Jahreszeit haben sich die Senioren Federweißen und Zwiebelkuchen gewünscht.

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