Lauda / Königshofen

Leserbrief Zum Artikel „CDU will neuen Versuch starten“ (FN, 6. März)

Schulden schränken Handlungsfähigkeit ein

Der Fraktionsvorsitzende der CDU, Marco Hess, begründete seinen Antrag zur Einführung einer „BürgerApp Lauda-Königshofen“ mit den Worten: „Unser Ziel als CDU ist es, dass wir den Sprung und Transfer schaffen, (…) dem Zeitgeist der Gesellschaft entgegen zu kommen“.

Wer außer den ewig Gestrigen kann da nicht zustimmen?

Zu den Fakten: In der Sitzung vom 21. Oktober 2019 stand dieser Antrag schon einmal auf der Tagesordnung des Gemeinderats und wurde nach eingehender Beratung zunächst nicht weiterverfolgt.

Die Gründe: Die Erfahrungen aus der Universitätsstadt Tübingen zeigen bisher selbst dort nur eine geringe Inanspruchnahme der Gesamtbevölkerung.

Die in Tübingen vorgesehenen Abstimmungen über aktuelle Projekte geben ein Stimmungsbild der App-Nutzer und damit nur eines geringen Teils der Bevölkerung wieder und laden zum Missbrauch ein. Eine aufwändige Abstimmung (wie vor einigen Jahren zur Windkraft!) kostet der Stadt jedes Mal Zehntausende Euro!

Die App des Main-Tauber-Kreises kann bereits jetzt für viele Bereiche genutzt werden. Warten wir doch erst deren Erfahrungen ab.

Die Einrichtung und die Wartungsgebühren einer eigenen App verursachen nur die geringsten Kosten, hinzu kommen zusätzliche Personalkosten bei der Stadt für die Betreuung.

Über die Homepage unserer Stadt (www.lauda-koenigshofen.de) kann bereits heute jeder Bürger Aktuelles aus unserer Stadt erfahren und mit allen Behörden Kontakt aufnehmen.

Seit Jahren fordert die Freie Bürgerliste (FBL) ein in vielen Gemeinden bereits bewährtes Ratsinformationssystem für die Bevölkerung. Hier kann man über eine Abfragefunktion zum Beispiel alle Beschlüsse des Gemeinderats zu verschiedenen Themen erhalten.

Gewiss kann zu einem späteren Zeitpunkt auch eine „BürgerApp Lauda-Königshofen“ angedacht werden.

Derzeit scheint der erneute Antrag aber eher wie eine Werbeaktion für einen neuen Supermarkt, der hinter dem Eingang noch viele leere Regale hat.

In der Sitzung vom 21. Oktober 2019 wurde (kostengünstig!) vereinbart, über die Schulen Jugendliche zu Themen aus ihrem Bereich zu gewinnen, damit deren Anliegen gemeinsam Vertretern des Gemeinderats diesem vorgelegt werden.

Das ist zwar nicht so spektakulär wie eine „Bürger-App“, kann aber im Sinne einer echten Mitbeteiligung auch auf Vertreter anderer Altersgruppen ausgeweitet werden.

Aufgrund der massiv steigenden Verschuldung unserer Stadt wurde vor kurzem unsere Handlungsfähigkeit bereits von der Aufsichtsbehörde eingeschränkt. Wir müssen uns daher im Gemeinderat endlich bei den Ausgaben auf eine Prioritätenliste einigen, statt mit immer neuen kostenträchtigen Vorschlägen uns kurzfristig bei der Bevölkerung anzubiedern.

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