Lauda / Königshofen

Leserbrief Zum Artikel „Gibt es einen Weg aus der Sackgasse?“ (FN 21. September)

Schnelle Umsetzung auf Kosten der Bürger

Die Aussagen von Eberhard Köhler, Geschäftsführer von Konrad Bau, und seiner Tochter beim Pressegespräch mit den FN sind sehr aufschlussreich.

Ton und Vorgehensweise zeigen: die Firma ist nicht gewillt, die berechtigten Belange der Bevölkerung zu berücksichtigen. Es geht ihr ausschließlich darum, ihr Bauvorhaben so schnell wie möglich umzusetzen in der genehmigten Größe und am genehmigten Ort – komme was wolle, auf Kosten der Lebensqualität in Gerlachsheim. Der Firma geht es offenkundig nur ums Geschäft.

Sackgasse selbst verschuldet

Die Sackgasse, in der Geschäftsführer Köhler sitzt, ist aber doch auch selbst verschuldet. Von Anfang an hat er nur auf den Standort Pfützenäcker gesetzt und gar keine Alternativen in Erwägung gezogen, was doch notwendige Voraussetzung gewesen wäre, um den wirklich besten Standort zu finden. An den Alternativvorschlägen, die „eher aus Verzweiflung“ erfolgt seien, und die er damit abqualifiziert, hat er denn auch notgedrungen selbst mitgearbeitet.

Nun sollen „Recht und Gesetz“ die eigenen Versäumnisse gegen die Bevölkerung zu“recht“rücken.

Ergebnis wird ignoriert

Geschäftsführer Köhler ignoriert und torpediert das Ergebnis des auch auf seinen Vorschlag hin und sogar unter seiner finanziellen Beteiligung zustande gekommenen „Runden Tisches“. Dieser blieb – natürlich aus Köhlers Sicht – „unter seinen Möglichkeiten“, hat er doch eine für ihn überraschend widrige Erkenntnis gebracht:

Auftrag des Gemeinderats

„Der aktuell vorgesehene Standort in Gerlachsheim ist aus bekannten Gründen für die geplante Anlage der Firma Konrad-Bau nicht geeignet, zudem politisch nicht mehr vermittelbar.“ In Umsetzung der Empfehlungen des Runden Tisches beauftragte der Gemeinderat die Stadtverwaltung „...unabhängig vom Ausgang der anhängigen Verfahren, Verhandlungen mit der Firma Konrad-Bau aufzunehmen, mit dem Ziel, auf die Errichtung einer Abfallaufbereitungsanlage am Standort Gerlachsheim zu verzichten.“

Den von Konrad Bau ins Spiel gebrachten Sofort-Standort in Königshofen hat der „Runde Tisch“ übrigens bei den Standorten eingereiht, „die sogenannten K.o.-Kriterien nicht standhalten“.

Beschluss zu eigen machen

Statt sich diesen Beschluss der zuständigen kommunalpolitischen Ebene in demokratischer Gesinnung zu eigen zu machen, schiebt er es beiseite und geht vor Gericht.

Sein Antrag auf sofortige Vollziehung der Baugenehmigung richtet sich gegen das Land Baden-Württemberg, das vor Gericht vertreten wird just durch eben dieses Landratsamt, das auf höchst unsensible Weise und offensichtlich gegen die Interessen der Gerlachsheimer Bevölkerung die Genehmigung mit der bekanntlich mehr als verdreifachten Materialmenge (155 000 Tonnen) erteilt hat. Und dieses Landratsamt ist gar nicht gewillt, daran auch nur im mindesten etwas zu verändern.

Sonst hätte man die Widersprüche von 14 Personen und eines Vereins gegen die Immissionsschutzrechtliche Genehmigung ernstgenommen und sie nicht an das Regierungspräsidium zur Bearbeitung weitergeschoben.

Landratsamt nicht interessiert

Und gleich zur Beruhigung von Herrn Köhler hat der Amtsleiter des Bauamts dem Verwaltungsgericht Stuttgart per Stellungnahme die Richtigkeit dieser Baugenehmigung bescheinigt. Damit zeigt er, dass auch das Landratsamt sich nicht um die gravierenden negativen Auswirkungen der Anlage auf die Bevölkerung schert.

Bleibt nur zu hoffen, dass das Gericht in Stuttgart uns nicht im Regen stehen lässt und unsere Anliegen, und im Gegensatz zu Konrad Bau, auch den Beschluss des Gemeinderates berücksichtigt.

Diese Abfallaufbereitungsanlage darf da, wo sie geplant ist, nicht gebaut werden. „Zwischenlösungen“ und falsche „Kompromisse“ sind (aus Sicht der Gerlachsheimer Bürger) nicht akzeptabel.

Die Gerlachsheimer Bevölkerung wird sich weiter entschieden querlegen!

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