Lauda / Königshofen

Historie In der Oberen Mauerstraße wurden einige Gebäude direkt aneinander gebaut

„Scheuregasse“ mit einem ganz besonderen Charme

Archivartikel

Königshofen.Bunte Vielfalt statt grauer Eintönigkeit: Damit lässt sich die Entwicklung der Fassaden im südlichen Abschnitt der Oberen Mauerstraße treffend beschreiben. Denn die Eigeninitiative einiger Gebäudeeigentümer gibt der „Scheuregasse“ – wie dieser Teil der Straße bei den Einheimischen genannt wird – nach und nach den Charme vergangener Tage zurück.

Die zwischen 1583 und 1595 um Königshofen erbaute Stadtmauer führte nur wenige Meter entfernt parallel zu einer aus lauter aneinandergebauten Scheunen bestehenden Front von der südöstlichen Ecke herunter zur heutigen Hauptstraße und dem Mergentheimer Tor. Die Stadtmauer existiert hier schon lange nicht mehr. An ihrer Stelle stehen nun Wohnhäuser.

Warum eine ganze Häuserreihe bestehend nur aus Scheunen? Wenn man sich die noch vorhandenen Restbestände der Stadtmauer vor Augen führt und dabei nicht nur den Teil entlang der Tauber, sondern insbesondere den zwischen Häusern und Gärten versteckten Teil im Norden, so kann man sich einen Reim darauf machen.

Dort ist die Stadtmauer – obwohl teilweise eingekürzt – noch über sieben Meter hoch und man kann ermessen, dass auch ohne Wehrgang dieses Bollwerk den größten Teil der Sonneneinstrahlung und damit des Lichtes und der Wärme in der „Scheuregasse“ geschluckt hat.

Außerdem dürfte es auch zu einer Erhöhung des Sicherheitsgefühls der Bewohner beigetragen haben, den Wohnteil ihres kleinen Gehöftes zur Stadtmitte hin, zur heutigen Friedrichstraße, auszurichten. So war die Anordnung für alle eine praktische Angelegenheit.

Mit den Fuhrwerken konnte man von beiden Seiten durch das Anwesen fahren, musste also nicht aufwändig rangieren und die Richtung wechseln.

Praktisch war auch, dass die Scheunen in einer Flucht verlaufen, denn das Abladen, insbesondere von Futterrüben und Kartoffeln, die die Landwirte in die großen Gewölbekeller unter den Scheunen über eine Lore hinunterkullern ließen, war dadurch für jeden eine unkomplizierte Angelegenheit.

Noch sind nicht alle Scheunenfassaden renoviert. Doch das Beispiel der Nachbarn und der Zuspruch aus der Bevölkerung, sollte den letzten Impuls geben, dass man bald bei einem Gang durch die Scheuregasse in Königshofen – sie dürfte in ihrer Art einmalig im mittleren Taubertal sein – den oft zitierten „Wow-Effekt“ bekommt. bege

Zum Thema