Lauda / Königshofen

Leserbrief Zur augenblicklichen Coronakrise

„Rückkehr zur ,Normalität’? So sicher nicht“

Ich bin seit vielen Jahren in der ambulanten Pflege unterwegs und verzichte somit generell alle 14 Tage Wochenende und viele Ostern, Weihnachten und andere Feiertage darauf, Zeit mit Familie und Freunden zu verbringen – auch in Coronafreien Zeiten- und ich mache das gerne- auch, wenn es nicht immer leicht fällt.

Wenn ich aber in den Medien höre, „das Kontaktverbot wird weitestgehend eingehalten“, kann ich nur den Kopf schütteln. Sicher ist es nicht einfach, bei dem schönen Wetter der letzten Tage zu Hause zu bleiben, aber es trüge nun mal zu unserer aller Gesundheit bei.

Zugegeben, die Fußgängerzone ist wie ausgestorben, dafür sehe ich oft Leute stehen und (auch auf meinem Rückweg noch) lange plauschen, wenn sie, aus verschiedenen Richtungen kommend, ihre Runde um den Block drehen – ohne Mindestabstand und Mundschutz! So verbreitet sich das Virus munter weiter, denn das macht es schon, bevor der Überträger Symptome zeigt und überhaupt weiß, dass er das Virus trägt. Wenn ich an Spazier- und Fahrradwegen vorbeikomme, finde ich es noch gravierender. Ich habe nicht den Eindruck, dass da weniger Menschen unterwegs sind als vor Corona. Wir haben im Taubertal viele schöne (Rad)-Wege, die oft parallel zu den Straßen führen, die regelrecht dazu einladen, rauszugehen. Alleine oder zu zweit hat da ja auch niemand was dagegen, aber bitte dann auch Rad fahren oder laufen und nicht immer wieder stehen bleiben und ein Schwätzchen halten – und dann noch ohne Mundschutz!

Oft sehe ich auch, dass diese Grüppchen sich ins Gras setzen, was vermuten lässt, dass es länger dauert, bis sie weitergehen. Oder braucht ihr den angekündigten Regen (oder schlimmeres Sauwetter), damit ihr zu Hause bleibt? Dann nehme ich ihn gerne, auch für längere Zeit in Kauf, selbst wenn es mir das Arbeiten dadurch nicht leichter macht. Hauptsache wir bekommen bald wieder alle mehr Lebensqualität, denn das ist für mich Zeit mit Freunden und Familie zu verbringen – und ich vermisse es sehr. Mittlerweile müsste doch wirklich jeder begriffen haben, dass Corona kein Spaß und die Kontaktbeschränkungen keine Willkür oder Machtgehabe der Regierung sind – oder etwa nicht?

Auch die vielen Autos mit auswärtigen Kennzeichen, die ich auf meinen Wegen durch die Orte sehe, machen mich nachdenklich und teilweise wütend. Ich habe meine Eltern und Geschwister mit Familien auch viele Wochen nicht gesehen und einige Familienfeiern (auch „Runde“ – sowie, wenn es noch länger dauert, auch mein Geburtstag) fallen in die vergangenen und kommenden Wochen und wurden und werden dann nicht, wie lange geplant, zu fröhlichen Familientreffen, weil wir uns gegenseitig schützen möchten. Ist das denn zu viel verlangt, dass alle vernünftig handeln? Feiern kann man nachholen, eine ruinierte Gesundheit oft nicht!

Und mir kann niemand erklären, dass er über Ostern Besuche machen muss, „damit Oma nicht verhungert“. Es gibt überall Initiativen, die das Einkaufen für Alte und Kranke übernehmen. Die jeweiligen Rathäuser geben gerne Auskunft. Bitte tragt alle dazu bei, das Virus nicht weiter zu verbreiten. Ich möchte auch bald wieder meine Familie und Freunde treffen und ohne Mundschutz usw. arbeiten können. Er erschwert nämlich auch die Kommunikation mit vielen oft hochaltrigen, schwerhörigen Menschen, da sie meine Worte nicht mehr von den Lippen ablesen können. Ich bin gerne für euch da, bitte bleibt ihr für uns alle zu Hause. Danke.

Noch eine kleine Bitte an die Radfahrer: Wenn (auf beiden Seiten der Straße) Radwege vorhanden sind, nutzt diese auch, damit ich schnell zu den Menschen komme, die auf mich warten und meine Hilfe benötigen. Ich fahre ja auch nicht mit dem Auto auf dem Radweg. Übrigens der Mundschutz hindert auch die kleinen lästigen Mückchen im Fahrtwind daran, euren Mund und Nase zu besuchen. Nun hoffe ich, dass jeder den Ernst der Lage begriffen hat und wir es bald gemeinsam gut überstanden haben werden. Dann darf ich endlich wieder mit viel Freude und ohne Angst meine Lieben in die Arme nehmen – Juhu.

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