Lauda / Königshofen

Fränkischer Abend Dr. Katharina Kemmer bot brillanten Überblick über die 800-jährige Vergangenheit des Deutschen Ordens mit regionalem Bezug zur Umgebung von Lauda

Profunde Kennerin der Geschichte

Archivartikel

Wechsel und Wandel im Laufe der 800 Jahre: „Helfen und Heilen“, dies gilt längst schon und nicht erst zum Jubiläum als Leitspruch des Deutschen Ordens.

Lauda. „Mal nachdenklich und besinnlich, mal heiter und beschwingt“: Somit allemal unterschiedlich, jedoch stets das Interesse auf breiter Ebene weckend erweise sich seit Anfang an das variabel offerierte Programm des Fränkischen Abends des Heimat- und Kulturvereines (HKV) Lauda, schickte der Vorsitzende Werner Hellinger grundsätzlich voraus. Und auch in diesem Jahr stieß die inzwischen bereits traditionelle Veranstaltung auf den gewohnt regen Zuspruch, fanden sich doch etwa 150 Besucher im Saal der historischen Pfarrscheune ein, um sich über gut zweieinhalb Stunden mit einem besonderen Jubiläum näher zu beschäftigen, das zuletzt ringsum die Schlagzeilen beherrschte:

„800 Jahre Deutscher Orden in Mergentheim mit regionalem Bezug zur Umgebung von Lauda“, so lautete das auserwählte 2019er-Thema, das die wissenschaftliche Mitarbeiterin der entsprechenden Forschungsstelle der Universität Würzburg, Dr. Katharina Kemmer, teilweise visuell unterstützt anschaulich und durchaus fesselnd behandelte. Natürlich sah sich die ausgewiesene Expertin aufgrund der umfangreichen Geschichte zu einer komprimierten Abhandlung gezwungen, die aber auf jeden Fall einen einordnenden Überblick vermittelte, am Schluss noch abgerundet durch vertiefende Antworten auf ergänzende Fragen aus den Reihen der Zuhörer.

Bei fetziger Umrahmung durch das achtköpfige Ensemble „Tauberbrass“ der Schule für Musik und Tanz im Mittleren Taubertal unter der Leitung von Jochen Rothermel sowie bei aufmerksamer Bewirtung seitens der Laudaer KjGler hatte der HKV-Vorsitzende zu Beginn im Beisein unter anderem der Vertreter benachbarter Heimatvereine wie Königshofen, Grünsfeld oder Sachsenflur kurz den Bogen von den zuletzt präsentierten Komplexen einmal Geistlicher Rat/Gymnasialprofessor Hans-Hubert Spönlein und andererseits Fürstbischof Julius Echter zum jetzigen Anlass der Zusammenkunft gespannt.

„Verbindung vor der Haustüre“

In den Mittelpunkt gerückt habe man ja eine immerhin nunmehr acht Jahrhunderte währende Verbindung „direkt vor unserer Haustüre“, fügte Werner Hellinger an, der mit einer Auflistung des Werdegangs von Dr. Katharina Kemmer gleichzeitig überleitete zur Referentin des Abends, die mit dem Wandel in Europa im Zeitraum vom 12. zum 13. Jahrhundert in die umfassende Thematik einstieg. Mit der Gründung des Deutschen Ordens während des Dritten Kreuzzuges 1190 vor Akkon habe nämlich „eine bis in die Gegenwart hinein andauernde Erfolgsgeschichte“ begonnen, wusste die Würzburgerin, die anmerkte, dass man nach dem völlig fehlgeschlagenen Vierten Kreuzzug von 1198 bis 1204 daraufhin gleich einen weiteren vorbereitete.

An diesem, auch als Kreuzzug von Damiette bekannt, wobei die von Papst Innozenz III. verfasste Bulle als Basis diente, habe ebenso der Deutsche Orden teilgenommen, 1198 zu einem geistlichen Ritterorden erhoben, und zwar als Jüngster neben den 1120 gegründeten Templern und den noch älteren Johannitern (um 1080), bekräftigte Katharina Kemmer, die vor Augen führte, dass das Heilige Land 1291 mit der Eroberung Akkons durch die Muslime endgültig verloren gegangen sei.

„Dies veranlasste den Deutschen Orden, sich daher an andere Standorte zurückzuziehen, wobei man den Hauptsitz zunächst nach Venedig und später auf die Marienburg an der Nogat verlegte“, erwähnte die Fachfrau, die auf eine weitere Ausbreitung im Mittelmeerraum und im Reichsgebiet abhob. Mit der Vergrößerung des eigenen Aktionsradius’ sowie einer bewundernswerten Flexibilität, auf die verschiedensten Ereignisse zu reagieren, sei es gelungen, eine über Jahrhunderte andauernde Herrschaft zu etablieren, bestätigte Kemmer, die sich im Anschluss vor allem den regionalen Strukturen zuwandte.

Ballei Franken ein wichtiger Bezirk

Zu einem der wichtigsten Bezirke des Ordens habe sich im 13. Jahrhundert die Ballei Franken entwickelt, wobei zu diesem Zeitpunkt gar schon 18 Kommenden – sprich Pfründe oder Komtureien – bestanden, von denen Würzburg und Mergentheim bekanntlich derzeit die Jubiläen der Gründung vor 800 Jahren feierten, bilanzierte die Uni-Mitarbeiterin, die an dieser Stelle die Frage aufwarf, wie es der Deutsche Orden schaffte, sich bis in die hiesige Region hinein auszubreiten. „Dies hängt höchstwahrscheinlich mit dem Kreuzzug von Damiette zusammen“, betonte die Vortragende, die den Fokus dann gezielt auf die Kommende und spätere Zentrale, (Bad) Mergentheim, lenkte.

Andreas von Hohenlohe aus der reich begüterten Adelsfamilie, außerdem notiert als Anhänger des staufischen Herrscherhauses, sei gemeinsam mit seinen beiden Brüdern Heinrich und Friedrich in den Orden eingetreten, womit an diesen zugleich erhebliche Besitzungen übergingen, rechtsgültig besiegelt am 16. Dezember 1219 vor dem Würzburger Bischof Otto I. von Lobdeburg, während die weiteren Geschwister Gottfried und Konrad im weltlichen Stand verblieben, so die Aussage zur stattlichen Grundlage als Ausgangsbasis für den Erfolg. Wie Katharina Kemmer zudem erläuterte, habe die Kommende danach ihren bisherigen Besitz massiv erweitert auf insgesamt 73 Ortschaften, wobei zahlreiche Schenkungen das Vermögen stetig anwachsen ließen.

„Mit der sich immer weiter verfestigenden Position des Deutschen Ordens in Mergentheim erstarkte auch zunehmend dessen Selbstbewusstsein“, äußerte die Referentin, die dazu etliche markante Beispiele aufzählte, ehe sie über die jeweilige Schutz- und Schirmfunktion seitens des Erzstifts Mainz und des Hochstifts Würzburg das Augenmerk gezielt auf Lauda richtete.

Ein Ort mit einer wechselvollen Geschichte, so die Kennerin der Szene zur Herrschaft derer von Lauda, der Grafen von Rieneck oder von Hanau, selbst Kaiser Ludwig IV. (der Bayer) tauche in den Annalen auf, nicht zu vergessen die Hohenlohe oder die Pfalzgrafen bei Rhein, während der Orden hier tatsächlich über keinerlei Besitz verfügt habe - „allerdings dennoch in Erscheinung trat“.

Nach ihrem Schlusssatz galt langanhaltender Applaus der Expertin aus dem benachbarten Unterfranken, verbunden mit einem Blumenstrauß und einem Bildstock-Band, je ausgehändigt durch den Vorsitzenden Werner Hellinger, der darüber hinaus die Herausgabe der „Brücke“ Nummer 18 vor Weihnachten ankündigte und den Erwerb des Kalenders für 2020 mit Bildern von Alt-Lauda im Querformat DIN A4 oder DIN A3 ans Herz legte (wir berichten noch jeweils).

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