Lauda / Königshofen

Kabarett Matthias Tretter feiert die Vorpremiere seines neuen Programms „Sittenstrolch“ am 18. September in Königshofen

Neidisch auf Komiker in Diktaturen

Königshofen.Matthias Tretter kommt am Freitag, 18. September, um 20.30 Uhr zur Vorpremiere seines neuen Programms „Sittenstrolch“ in die kleine TV-Turnhalle nach Königshofen.

Da die Räumlichkeiten im Kulturschock Königshofen aufgrund der Corona-Hygiene-Verordnung zu klein sind, hat der TV Königshofen freundlicherweise seine Räume zur Verfügung gestellt.

80 Sitzplätze

Die eigentlich als Messe-Kabarett geplante Veranstaltung kann nun unter Einhaltung der Hygieneverordnung mit 80 Sitzplätzen doch noch stattfinden.

Die Reservierung von Karten kann aber lediglich online unter der Adresse www.kulturschock-koenigshofen.de in wenigen einfachen Schritten erfolgen.

Dass man das neue Programm von Mathias Tretter gesehen haben muss, ist keine Frage. Darum gleich mal eine andere: Wer erinnert sich an den herrlichen Satz „Der ist bei der Sitte“?

Kein ernstzunehmender Krimi kam früher ohne sie aus: die Sitte. Ein beherzt verlebter Polizist in Zivil, der zur Lösung eines Falles nicht das Geringste beitrug, sich aber derart ölig an eine Theke schmierte, als würde er selbst keine Perversion je verschmähen.

Diese Zeiten sind vorbei. Inzwischen sind Hunderttausende bei der Sitte – und das ganz ohne Krimi und Polizei, ja meist gar ohne Sex. Die Moral in Deutschland ist so gut bewacht wie nie zuvor. Hätte das Land gleich viele Theken wie Sittenpolizisten, es wäre Tschechien. Aber leider: Sie schmieren sich jetzt an Bildschirme statt Bars und berauschen sich nicht mehr an Prosecco und Prostitution, sondern einzig an sich selbst.

Vier Fünftel aller Tweets werden aus sittlicher Überlegenheit getippt, die andere Hälfte kommt mit der Moralkeule daher und das dritte Drittel schwärzt die Mörder an, die während einer Pandemie ein Buch auf einer Parkbank lesen.

Klima für Satire

Welch ein fantastisches Klima für Satire. Das meint zumindest Tretter, der sein Glück kaum fassen mag: „Ich war immer neidisch auf Komiker in Diktaturen – wenn jeder Witz dein letzter sein kann, fühlst du dich gebraucht. Soweit ist es zwar noch nicht; aber die schiere Anzahl ehrenamtlicher Bedenkenträger zeigt mir doch: Selten war ein Strolch so notwendig wie heute.“ Man ahnt: Das kann ja heiter werden – so sehr, dass danach wieder getwittert wird. Oder nochmal Tretter: „Sittenstrolch, mein siebtes Solo. Das erste mit Humor.“

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