Lauda / Königshofen

„Hilfe für Manuela“ Registrierung zur Online-Typisierungsaktion für Stammzellenspende ist angelaufen

Mund auf für die Chance auf das Leben

Archivartikel

Lauda.„Lebensretter gesucht“: Ihn zu finden, ist wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen – und dennoch die einzige Hoffnung von Manuela und ihrer Familie. Gemeinsam wollen sie den Krebs besiegen und einen passenden Stammzellenspender finden.

Leukämie ist eine weit verbreitete Krebserkrankung und kann jeden treffen. Als Manuela Ende September die niederschmetternde Diagnose AML (akute myeloische Leukämie) erhielt, war das für die Verkäuferin und für die gesamte Familie ein großer Schock.

Die lebenslustige Frau hatte in diesem Jahr schon zwei Schicksalsschläge zu verkraften. Erst starb ihr Schwiegersohn mit 37 Jahren und wenig später ihr Bruder, der mit 38 Jahren einen Schlaganfall erlitten hat. Manuelas 26-jährige Tochter lebt seitdem mit ihrer zweijährigen Enkelin bei ihr.

Mehrere Schicksalsschläge

In den vergangenen Monaten hatte sie sich schlapp gefühlt, war blass geworden. Manuela führte das auf die Anstrengungen zurück. Eine Kundin hatte sie angesprochen und ihr geraten, beim Arzt ein Blutbild machen zu lassen. Das tat die 48-Jährige sofort und bekam nur wenige Tage später die Mitteilung, dass sie an Blutkrebs erkrankt sei. Ihre Schwester Sonja Geier erzählt am Telefon von den wenigen Tagen, die das Leben der Familie aus der Bahn geworfen haben. Zunächst sei man davon ausgegangen, es handle sich um eine leichte Form. Doch eine weitere Untersuchung brachte die erschreckende Erkenntnis, dass man es mit einer aggressiven Variante zu tun hat.

„Werdet für Manu zum Lebensretter“, appelliert Sonja Geier. Um ihrer Schwester zu helfen, wurde rasch die DKMS (ehemals Deutsche Knochenmarkspenderdatei) für eine Patientenaktion kontaktiert. Bei der Organisation erfolgt die Registrierung von Stammzellenspendern, die Erkrankten die Chance auf ein neues Leben geben können. Sara Tege von der DKMS freut sich über das große Engagement von Familie, Freunden und der Einwohner Lauda-Königshofens. „Es ist beeindruckend, wie die ganze Stadt und die Region zusammenstehen. Das gibt auch der Patientin Mut und Kraft.“ Viele hätten bei der Spenderdatei angefragt, was man zur Unterstützung tun könne.

Typisierungsset online erhalten

Um der Laudaerin zu helfen, soll nun eine Online-Aktion erfolgen. Dazu wird von der DKMS eine Internetseite erstellt. Über www.dkms.de/manu können sich Interessenten registrieren lassen. Sie erhalten dann von der DKMS ein Set aus speziellen Wattestäbchen, eine Erläuterung, wie die Wangenschleimhaut zu entnehmen ist, und eine Einverständniserklärung. Ein Arztbesuch ist nicht notwendig.

„Jedes Wattestäbchen ist eine Minute lang innen an der Wange zu reiben“, erklärt Tege. In drei Minuten sei also alles vorbei. Die Wattestäbchen werden per Post zurückgeschickt. Das Set geht ins Labor, das die Speichelproben typisiert. Und anschließend wird der Spender in der Datenbank eingetragen.

Corona-bedingt kann keine Vor-Ort-Aktion zur Testung für die Stammzellenspender stattfinden. „Wir wissen nicht, wie viele Leute kommen würden, und wollen daher auf Menschenansammlungen verzichten.“ Eine Online-Aktion hat aus Teges Sicht noch einen weiteren Vorteil: Sie kann schneller anlaufen und über mehrere Wochen gehen, während eine Typisierung vor Ort in wenigen Stunden durchgezogen wird.

Sara Tege betont, dass alle 26 Spenderdateien miteinander kooperieren. „Wer bereits bei einer Datei eingetragen ist, muss sich nicht bei einer anderen registrieren.“ Das verursache nur unnötige Kosten, die dann für die Typisierung anderer potenzieller Spender fehlten.

Im Zentralen Knochenmarkspender-Register Deutschland, dem ZKRD, laufen alle Daten zusammen. Dort erfolgt die Suche nach einem passenden Spender aus ganz Deutschland. Täglich werden hier die Gewebemerkmale der Leukämie-Patienten mit denen der vorliegenden Spender verglichen, um so den am besten geeigneten Kandidaten zu finden.

Die Suche nach einem passenden Spender für Manuela ist bereits im Gange. Dazu würden rund acht Millionen Datensätze analysiert und die Gewerbemerkmal verglichen, so Tege. „Im besten Fall gibt es eine 100-prozentige Übereinstimmung.“ Und Sara Tege erklärt, dass neun von zehn Patienten in Deutschland die entsprechenden Stammzellen erhalten können.

„Jede Spende ist eine Chance für einen anderen Patienten“, sagt Sara Tege. Dieses Solidaritätsprinzip ist auch den Familien der Betroffenen wichtig. „Wer sich nicht typisieren lassen darf oder bereits registriert ist, kann auch Geld spenden“, unterstreicht die Mitarbeiterin der DKMS. Denn jede Analyse schlägt mit 35 Euro zu Buche, die hauptsächlich über finanzielle Zuwendungen zusammenkommen. „Für den Interessenten ist die Typisierung kostenlos.“ Teilnehmen kann jeder Gesunde zwischen 17 und 55 Jahren. Da junge Menschen bis 30 Jahre überdurchschnittlich häufig als Stammzellenspender zum Zuge kommen, appelliert sie an deren Hilfsbereitschaft.

Bürgermeister als Schirmherr

Unterstützung gibt es für die Aktion auch aus dem Rathaus von Lauda-Königshofen. Bürgermeister Dr. Lukas Braun hat die Schirmherrschaft übernommen. „Blutkrebs kann jeden treffen. Gerne unterstütze ich als Schirmherr die Suche nach einem geeigneten Stammzellenspender für Manuela und bitte um großherzige Unterstützung.“ Er appelliert an alle: „Machen Sie mit und werden Sie vielleicht durch ihr Engagement zum Lebensretter.“

„Wir hoffen, dass wir mit unserem Online-Aufruf eine Welle der Hilfsbereitschaft auslösen. Wenn Ihr Euch als Spender registriert, habt Ihr die einfache Chance, meiner Mutter und auch vielen anderen Patienten das Leben zu retten“, so Manuelas Tochter Sarah. Sonja Geier macht ihrer Schwester Mut, die immer für die anderen da war. „Die Hilfsbereitschaft von Vereinen und Privatleuten ist erstaunlich groß“, sagt sie und will die Hoffnung nicht aufgeben, dass der richtige Stammzellenspender gefunden wird.

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