Lauda / Königshofen

Schule für Musik und Tanz im Mittleren Taubertal Online-Unterricht wird gut angenommen / Raumnutzungskonzept war Herausforderung

Motivation der Musikschüler gestiegen

Archivartikel

Unter eingeschränkten Bedingungen wird in der Corona-Zeit Unterricht an der Schule für Musik und Tanz im Mittleren Taubertal angeboten.

Lauda-Königshofen. „Nachdem die Zukunft des Musizierens in den allgemeinbildenden Schulen sehr unsicher ist, wird die Bedeutung der Musikschulen für die Zukunft des Musiklandes Baden-Württemberg, dem Musikland Nummer eins in Deutschland, umso höher werden“, hob Edgar Tempel, Leiter der gegenwärtig fast 800 Schüler zählenden Schule für Musik und Tanz im Mittleren Taubertal in Lauda-Königshofen, in einem Gespräch mit den FN hervor. Bisher ist man gut durch die Krise gekommen, doch blieben bereits einige öffentliche Vorstellungen, wie die Vorspiele zum Schuljahresende, auf der Strecke.

„Sehr bedauerlich sei, dass die sonst traditionell üblichen öffentlichen Vorspiele zum Schuljahresende wie zum Beispiel das große Jahresabschlusskonzert im Rathaussaal in Lauda nicht stattfinden können. Die Leistungsbereitschaft und Motivation der Schüler sei dennoch sogar um einiges höher als sonst um diese Zeit, weil dieses Jahr die üblichen „Ablenkungen“ wie etwa Ausflüge, Klassenfahrten und Grillfeste ausfallen müssten. Hinzugekommen sei die bislang nur mäßige Sommerhitze, was für den Musikunterricht vor allem in den Räumen im Dachgeschoss angenehme Begleiterscheinungen gezeigt habe, resümierte Tempel.Wir fürchten, dass wir im Schuljahr 2020/2021 einige Angebote ausfallen lassen müssen wie beispielsweise die Streicherklassen und Schulkooperationen“, prognostizierte er.

Erschwerte Bedingungen

„Wir haben gleich nach dem Shutdown mit Online-Unterricht begonnen“, schilderte Edgar Tempel, die Situation ab Mitte März. Zum einen seien vor allem die jüngeren Kollegen äußerst versiert damit umgegangen. Zusätzlich habe es einer gesonderten und freiwilligen Vertragsergänzung bei jeder teilnehmenden Lehrkraft bedurft. „Für die Lehrer bot sich damit trotz Lockdown die Chance, weiterhin zu arbeiten – zwar unter außergewöhnlichen und erschwerten Bedingungen, jedoch besser als ein Totalausfall“, betonte Tempel.

100 Prozent Auslastung

Zum zweiten seien die per online angebotenen Unterrichtseinheiten von den Schülern sehr zahlreich angenommen worden, bei manchen Lehrkräften mit sogar 100-prozentiger Auslastung. „Sowohl Schüler als auch Eltern haben das Engagement des Unterrichtspersonals eingehend gewürdigt“, unterstrich er.

Einer der Lehrer habe die Situation noch dazu für seine Bachelorarbeit genutzt, die er über das Thema „Musikunterricht online“ verfasste. „Einhergehend konnte er sein Expertenwissen an die Kollegen weitergeben“, berichtete der Musikschulleiter.

Bereits ab Anfang Mai konnte in Verbindung mit einem erstellten Hygienekonzept wieder mit Präsenzeinzelunterricht für bestimmte Instrumente wie etwa Klavier und Gitarre begonnen werden. Ab Juni seien Unterricht auch in Kleingruppen bei bestimmten Instrumenten sowie sowohl erst einzeln und dann ebenfalls in Kleingruppen bei Blasinstrumenten und Gesang möglich gewesen.

Eine speziell herausfordernde Aufgabe habe die Erarbeitung eines Raumnutzungskonzept nach den hygienebedingten Vorgaben und Anforderungen dargestellt, da neben den Einschränkung der Gruppengrößen in etwa 50 Prozent der Räume unter den gegebenen Voraussetzungen derzeit kein Unterricht möglich sei. Entsprechend der um die Hälfte reduzierten Raumanzahl mussten auch die Raumverteilung sowie die Unterrichtspläne modifiziert und zeitlich ausgedehnt werden.

Rückbesinnung aufs Musizieren

„Corona macht’s möglich“ – während sonst kaum Unterricht an Vormittagen stattfindet, stellt sich die Situation seit mehreren Wochen anders dar, nachdem an den Realschulen und Gymnasien zahlreich Unterricht ausfallen musste, was parallel dazu begünstigend ermöglicht und geholfen habe, den Unterricht an der Musikschule auf den ganzen Tag verteilen zu können. Dadurch beginne der Betrieb zurzeit teilweise bereits um 9 Uhr und dauere bis etwa 20 Uhr.

Abmeldungen aufgrund der Corona-Krise habe die Schule für Musik und Tanz im Mittleren Taubertal bislang kaum verzeichnen müssen, zeigte sich Tempel erfreut. „Die Schüler nehmen die Angebote sehr gerne an, weil viele andere Freizeitmöglichkeiten eingeschränkt sind. Insofern gibt es zugleich eine Rückbesinnung auf den Wert des Musizierens.“

Da der jährliche Tag der offenen Tür ausfallen musste, habe man bisher noch keine Werbung für das kommende Schuljahr anlaufen lassen können. Als Ersatz präsentiere sich die Musikschule in der letzten Ferienwoche vom Montag, 7. bis Mittwoch 9. September bei einer erneuten „Musizierinsel“ als Informationsveranstaltungen über bestimmte Unterrichtsangebote. An den ersten beiden Tagen gibt es im Erdgeschoss-Saal des Musikschulgebäudes Informationen über Angebote für Zupf-, Streich-, Tasten- und Schlaginstrumente, Gesang sowie Musikalische Früherziehung dreieinhalb- bis fünfjähriger Kinder. Am Mittwoch stehen im Gymnastiksaal der neuen Sporthalle in Lauda Jazzdance für Minis (drei bis sechs Jahre), Street-Jazzdance für Jungs im Grundschulalter und Ballett für Kinder ab fünf Jahre auf dem Programm.

„Da dieses Jahr unsere beliebte Musizierinsel nur unter schwierigen Bedingungen stattfinden kann und auch nicht alle Instrumente ausprobiert werden dürfen, werden Blasinstrumente nur online vorgestellt“, kündigte Tempel an. Ein entsprechender Link zu Blasinstrumentenvorstellungen des Nordbayerischen Musikbunds befindet sich auf der Homepage der Schule für Musik und Tanz im Mittleren Taubertal. Gleichfalls aufgrund Corona gibt es für jede Vorstellung lediglich eine begrenzte Anzahl an Plätzen, so dass zu allen Programmpunkten eine vorherige Anmeldung erforderlich ist.

Programm der „Musizierinsel“, Anmeldungen und weitere Infos gibt es bei der Schule für Musik und Tanz im Mittleren Taubertal, Telefon 09343/7097403 (Montag bis Donnerstag von 8 bis 12 Uhr), Fax: 09343/70974-30, sowie per E-Mail unter Info@musikschule-lauda.de.

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