Lauda / Königshofen

Leserbrief Zum Bericht „Unternehmen weiter kompromissbereit“ (FN, 14. Oktober)

„Mit weiterer Gegenwehr der Betroffenen ist zu rechnen“

Bau der Aufbereitungsanlage – „Übergangslösung“ auf dem Weg zum alternativen Standort oder „Dauerlösung Pfützenäcker“?

Nun ist es soweit. Und viele haben es so kommen sehen, nämlich alle diejenigen, die vielleicht lange schon nicht mehr an bürgernahe Behörden glauben können. Die dürfen sich nun voll bestätigt fühlen.

Jene, die den Glauben an Demokratie und Vernunft (noch) nicht verloren gaben, wurden vom Behörden-Handeln tief enttäuscht. Wie es nun aussieht, hat all der Widerstand weiter Teile der Gerlachsheimer Bürgerschaft – und darüber hinaus – nichts gebracht, außer kalte Abweisung und über 30 000 Euro (solidarisch getragener) Gerichtskosten.

Wir können noch immer nicht begreifen, wie es überhaupt zur Planung eines solchen gigantomanischen Vorhabens direkt hinter dem Ort, nur wenige Meter entfernt von einem neu erschlossenen Wohngebiet kommen konnte. Schon der Gedanke daran erscheint abwegig.

Und 50 000 Tonnen – das sind mit Abtransport 100 000 Tonnen – am vorgesehenen Standort für genehmigungsfähig zu halten, widerspricht jeder Vernunft. Da hat sich schon bei der Bebauungsplanung der gesamte Gemeinderat (bis auf eine Gemeinderätin) mit schönen Versprechen („Boden verbessern“, nur Erde, zu erwartende Gewerbesteuer, „nur“ 20 Fahrten täglich) übern Tisch ziehen lassen.

Viele Gemeinderäte (außer die der CDU) wachten auf, als aus dem Landratsamt plötzlich die BImSch-Genehmigung von 155 000 Tonnen – das sind mit Abtransport 310 000 Tonnen – auf den Tisch flatterte. Aber da war es, wie sich jetzt herausstellt, schon zu spät. Einmal auf den Weg gebracht, ließ sich, auch mit höchstem Einsatz aus der Bürgerschaft und aus Teilen des Gemeinderates, dieses Vorhaben nicht mehr stoppen.

Die Firma meint nun, bauen zu müssen – und lässt sich nicht mehr bremsen.

Die Folgen für den Ort Gerlachsheim und die anwohnenden Menschen (Lärm, Staub, Erschütterungen, Abgase und eine enorme Verkehrsgefährdung) werden ausgeblendet, wiegen in deren Abwägung weniger schwer als der attraktivere zu erwartende Gewinn.

In ihrer Pressemitteilung gibt sie sich zwar geschmeidig, was das weitere Vorgehen anbelangt. Wer aber genau hinschaut, sieht: Die Aussagen sind so formuliert, dass – egal wie die Suche nach einem alternativen Standort ausgeht – man sich nichts vergibt.

Nebenbei: Fünf Jahre die Abfall-Tonnage nicht über 50 000 Tonnen steigen zu lassen, ist kein Zugeständnis im Sinne eines echten Kompromisses. In ihren FAQs auf der Konrad-Bau-Website hat die Firma bis vor kurzem die Bevölkerung damit zu beruhigen versucht, dass in den ersten fünf Jahren ohnehin nicht mehr als 50 000 Tonnen verarbeitet werden könnten.

Und was den alternativen Standort betrifft, da lässt Geschäftsführer Köhler es vollständig im Vagen, ob er die Anlage dann wirklich zu verlegen bereit ist, oder ob er nicht doch lieber den neuen Standort annimmt und (vielleicht auf niedrigerem Niveau) das Abfallaufbereitungsgeschäft am Standort „Pfützenäcker“ doch weiterlaufen lässt.

Leider sieht es so aus, dass die Anlage an der vom Landratsamt genehmigten Stelle nun nicht mehr zu verhindern ist.

Die Ergebnisse des so hoffnungsvoll und aufwendig inszenierten „runden Tisches“ sind leider unter dem Amtsvorgänger von Dr. Braun nicht so konsequent verfolgt worden, dass ein für alle Parteien attraktiver alternativer Standort jetzt schon in erfolgversprechender Aussicht wäre.

Aber: Lässt sich auf Dauer eine solche Anlage mit dem massenhaften Schwerlastverkehr erfolgreich betreiben gegen den Widerstand der örtlichen Bevölkerung? Die fünf Jahre des Widerstandes sollten auch der Firma Konrad Bau gezeigt haben, dass mit weiterer Gegenwehr der betroffenen Gerlachsheimer Einwohner zu rechnen ist, so lange bis die Anlage aus dem Gewerbegebiet Pfützenäcker weg verlegt sein wird.

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