Lauda / Königshofen

Ortsgeschichte Verein KulturGut erstellt Ratgeber für kulturellen Dorfrundgang / In drei Sprachen erhältlich / „Schlangentötermadonna“ und „Buchlerhaus“ sind Höhepunkte

Mit Gerlachsheims Broschüre kann man „Barock erleben“

Archivartikel

Gerlachsheim.Mit einer handlichen Broschüre können Bürger und Touristen bei einem Rundgang in Gerlachsheim „Barock erleben“ – so der Titel der neuen Publikation. Was den Stadtteil so sehenswert macht, wurde bei einem Besuch im Buchlerhaus mit den Projektbeteiligten und Bürgermeister Dr. Lukas Braun deutlich.

Auf 28 Seiten im kompakten Format liefert „Barock erleben“ Inspirationen für einen kulturellen Dorfrundgang. Das bebilderte Heft befasst sich unter anderem mit den Bildstöcken in Gerlachsheim. Die um das Jahr 1700 entstandene „Schlangentötermadonna“ stellt darunter eines der bekanntesten Kleindenkmale dar. Sie wurde von Hanns David Buchler gestiftet und ist ein steinernes Zeugnis für die starke Verbindung der Weinhandelsdynastie Buchler mit dem Weinort Gerlachsheim. Durch regen Handel erlangte die Familie Wohlstand und großes Ansehen. Weitere Zeugen dieses Reichtums sind die beiden barocken Weinhandelshäuser, genauer gesagt das sogenannte Buchlerhaus in der Würzburger Straße 40, und das Buchlersche Weinhandelspalais direkt gegenüber. Für alle Kulturinteressierten hält die neue Broschüre viele Informationen über die beiden markanten Gebäude bereit.

Aber auch die Klosteranlage des Prämonstratenserordens, die Grünbachbrücke und weitere Sehenswürdigkeiten kommen darin nicht zu kurz. Mit einem Besuch aus Boissy fing alles an. Josef Seubert vom Verein KulturGut erinnert sich, wie es zu dem Projekt kam: „Als unsere deutsche Ausgabe der Barockbroschüre bereits im Endstadium ihrer Erstellung war, stand Besuch aus Boissy-Saint-Léger an. Die damalige Vorsitzende des Partnerschaftskomitees Frau Schneider fragte an, ob wir den Franzosen für einen Besuch in Gerlachsheim den Text zur Verfügung stellen könnten. Das taten wir sehr gerne.“ Für die neue Broschüre habe man alles noch einmal überarbeitet, verbessert und einiges aktualisiert. „Für manche Formulierung mussten noch sämtliche Fremdsprachenlehrkräfte des Gymnasiums eingespannt werden“, so Seubert. Für ausländische Touristen sei die Broschüre eine attraktive Möglichkeit, den Stadtteil Gerlachsheim und sein kulturelles Kleinod kennenzulernen, gespickt mit vielen wissenswerten Informationen, die akribisch vom Verein zusammengestellt worden seien, meinte Bürgermeister Dr. Lukas Braun.

Fleiß und Tatendrang

Im Anschluss an die Präsentation der neuen Broschüre erhielt das Stadtoberhaupt die Chance, ein ganz besonders außergewöhnliches Gebäude, das unter bürgerschaftlicher Beteiligung renoviert wurde, in Augenschein zu nehmen: das Buchlerhaus. Das aufwendige Projekt begann im November 2004, als der Verein KulturGut als gemeinnützige Gesellschaft zum Erhalt historischer Gebäude gegründet wurde.

Anlass war, dass das historische Gebäude in der Würzburger Straße 40, das sogenannte „Buchlerhaus“, zum Verkauf stand. Um es vor weiterem Zerfall zu retten, fanden sich einige engagierte Gerlachsheimer Bürger zusammen, die in den folgenden Jahren mit großem Fleiß und Tatendrang das Gebäude liebevoll herrichteten.

Zunächst war die aufwendige Entrümpelung und Entsorgung zahlreicher Materialien angesagt, ehe 2005 die Begehung durch die Denkmalbehörde erfolgte.

Die Treppe zum Gewölbekeller und die Südmauer wurden freigelegt, der Hauskeller auf die ursprüngliche Tiefe ausgehoben, die Dachrinne repariert, das Gebäude entwässert und außerdem ein Restaurator hinzugezogen, der sich gewissenhaft der Ausstattung annahm. Ein weiteres Erfolgserlebnis konnte 2007 erreicht werden, als das wieder geöffnete und neu aufgebaute Kellerfenster einen Eindruck vom damaligen Zustand ermöglichte. Mit dem Einziehen einer Betondecke, um den Keller zu stabilisieren, nahm dann auch das Kellerhaus neue Formen an. Zur Gerlachsheimer 800-Jahr-Feier wurden die Türen geöffnet. Mehr als 5.600 Arbeitsstunden, die bis dahin geleistet wurden, belegen die großen Ausmaße des Projekts. stv

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