Lauda / Königshofen

Gelungenes Projekt Zehn Jahre „BürgerEnergie Tauberfranken“ und „Solarpark Heckfeld“

Leuchtturmprojekt und Vorzeigemodell

Lauda-Königshofen.Den zehnten Geburtstag begingen 2020 die regionale „BürgerEnergie Tauberfranken“ und deren Freiflächensolarpark auf Gemarkung Heckfeld.

Sowohl die Form dieser Energiegenossenschaft als auch deren Fotovoltaik-(FV-)Freiflächenanlage galten und gelten als „Leuchtturmprojekte“ und zählten damals zu den ersten in der Region Tauberfranken.

Ziele waren und sind vor allem, regionale lokaler Projekte zur Erzeugung erneuerbarer Energien zu initiieren und zu fördern sowie Bürger aus der Region an diesen Projekten und den erwirtschafteten Erträgen zu beteiligen.

„Wir wollen nicht, dass Projekte an Investoren auf der ganzen Welt verteilt werden und somit keine Möglichkeit der Mitsprache gegeben ist“, lautete das Credo der beiden Initiatoren und Vorstandsmitglieder der Energiegenossenschaft „BürgerEnergie Tauberfranken“, Joachim Thees aus Gerlachsheim und Konrad Breuner aus Distelhausen.

Im Juli 2010 erfolgten bei einer öffentlichen Versammlung im „i-Park Tauberfranken“ die offizielle Gründung einer entsprechenden Genossenschaft und ein sehr gut besuchter Infoabend im Rathaussaal der Stadt Lauda-Königshofen. In den nächsten Wochen und Monaten fanden in weiten Teilen des Main-Tauber-Kreises weitere Infoveranstaltungen statt.

Gelungener Projektstart

Einen ausgesprochen gelungenen Projektstart vermeldeten die Vorstandsmitglieder im November bei der ersten Generalversammlung in Lauda. Der „Solarpark Heckfeld“ an der A 81 wurde Anfang Mai 2011 fertiggestellt, so dass ab Mitte Juni die Erträge der Anlage der Genossenschaft gutgeschrieben wurden.

Seit ihrer Gründung umfasst die Genossenschaft kontinuierlich rund 170 Mitglieder, deren insgesamt 4300 Anteile ein Geschäftsguthaben von 858 000 Euro einbrachten. Damit entwickelte sich „BürgerEnergie Tauberfranken“ bereits im ersten Halbjahr nach ihrem offiziellen Start zu einer der größten Energiegenossenschaften in Baden-Württemberg.

Kooperationspartner waren oder sind Gehrlicher Solar, die Stadt Lauda-Königshofen, die Energieagentur des Main-Tauber-Kreises, die Bioregion Hohenlohe-Odenwald-Tauber, der Netzwerk Energiewende und die Sparkasse Tauberfranken. Zudem zählt der Solarpark Heckfeld zu den Erzeugungsbetrieben der im Herbst 2020 gestarteten Initiative „Heimatstrom“ des Stadtwerks Tauberfranken mit ausschließlich im Main-Tauber-Kreis erzeugtem „Grünen Strom“.

„Wirtschaftlich sind die vergangenen zehn Jahre seit Projektstart sehr erfolgreich verlaufen“, bilanziert Joachim Thees zufrieden. So wurden die laut jeweiligen Wirtschaftlichkeitsprognosen kalkulierten Dividenden jedes Jahr übertroffen.

Sie betrug beispielsweise anstelle der ursprünglich erwarteten 6,5 (2018) und sieben Prozent (2019) in diesen beiden Jahren jeweils 7,5 Prozent. „Wir verbessern besonders durch ein professionelles Vertrags- und Finanzmanagement die wirtschaftliche Situation“, nennt Thees als wesentliche Gründe.

In anderen Hinsichten hat sich der Solarpark „Heckfeld“ gleichfalls zu einem Leuchtturmprojekt und Vorzeigemodell entwickelt: Seit Jahren kommen immer wieder im Zusammenhang mit Projekten des Landesumweltministeriums Busse vor allem mit Mitgliedern von Naturschutzverbänden zu Besuch, die besonders die Entwicklung von Natur und Landschaft des Areals besichtigen wollen. Zusätzlich wurden 2019 drei Hektar Laubwald – vor allem Stieleichen inklusive zwei Inseln mit Douglasien – als naturschutzfachliche Ausgleichsmaßnahme für andere Projekte aufgeforstet. Speziell in technischer Beziehung ist die Anlage für junge Berufsnachwuchskräfte von Interesse: Mehrmals waren bereits Rahmen von EU-Austauschprogrammen beispielsweise Elektriker-Auszubildende für eine Visite zu Gast.

Entgegen ursprünglichen Absichten betreibt die „BürgerEnergie Tauberfranken“ jedoch nur den Solarpark Heckfeld, da die Intentionen, mehrere Projekte unter einer Genossenschaft laufen zu lassen, revidiert werden mussten. Insofern wurden in den Folgejahren die gleichsam erfolgreichen BürgerEnergie Tauberfranken 2 (Solarpark Dittwar), BürgerEnergie Tauberfranken 3 (Solarpark Oberlauda) und „BürgerEnergie Abtsgmünd“ (Ostalbkreis/Solarpark Lutstrut) gegründet.

Hohe Degression

„Die Fotovoltaik wird auch zukünftig weitergehen, wir vermissen allerdings eine Verbesserung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Genossenschaften bei neuen Projekten.

Durch die relativ hohe Degression der Energievergütungen im EEG in den vergangenen Jahren sind inzwischen Vergütungssätze für FV-Freiflächenanlagen erreicht, die für uns ein neues Projekt nicht weiter profitabel gestalten lassen würden“, beschreibt Thees die aktuelle Marktsituation.

Setze man dennoch bei dem derzeitigen Vergütungsniveau auf neue Anlagen, werde man nicht umhinkommen, an der Qualität zu sparen, was wiederum zum Beispiel höheren Wartungs- und Reparaturaufwand sowie kürzere Haltbarkeit von Komponenten zur Folge hätte. „Dies wäre nicht mit unseren Nachhaltigkeitsgedanken vereinbar“, resümiert er.

„Positiv ist, dass eine Erweiterung der Flächenkulisse für FV-Freiflächen durch Verdoppelung des zulässigen Korridors entlang Autobahnen und Bahnlinien vorgesehen ist“, nimmt Thees zu der für 2021 in Kraft tretenden EEG-Novelle Stellung.

Aufgrund der Coronakrise sowie den entsprechend gesetzlich verordneten Auflagen und Einschränkungen wurden zum einen im Dezember die turnusgemäßen Generalversammlungen jeweils lediglich virtuell und online abgehalten.

Zum zweiten bestand darüber hinaus keine Möglichkeit, den zehnten Geburtstag der „BürgerEnergie Tauberfranken“ und des Solarparks „Heckfeld“ wie eigentlich beabsichtigt in Gerlachsheim gebührend zu feiern.

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