Lauda / Königshofen

Musik Unterbalbacherin Brigitte Ihl spielt jeden Montagnachmittag vor der Laudaer Friedenskirche bekannte Volkslieder zum Mitsingen

Lebensfreude in schwieriger Zeit schenken

Archivartikel

Brigitte Ihl ist Akkordeonspielerin aus Leidenschaft. Seit ihrem zwölften Lebensjahr greift sie bei vielen Gelegenheiten zu ihrem geliebten Handzug-instrument und gibt ihr Können zum Besten.

Lauda-Königshofen. Normalerweise begleitet Brigitte Ihl aus Unterbalbach die „Teestunde“ im Bürgertreff Mehrgenerationenhaus mit ihrem musikalischen Talent. Gelernt hat sie das einst bei dem bekannten Musiker Friedrich Sebastian Zubrod aus Lauda.

Dem Alltag entfliehen

Immer montags treffen sich Jung und Alt bei einer gemütlichen Tasse Tee oder Kaffee, um Geschichten zu hören, Lieder zu singen und für zwei Stunden dem Alltag zu entfliehen. Die Seniorin ist bekannt dafür, dass sie mit ihrem Akkordeon stets gute Stimmung in den Bürgertreff bringt, denn das Musizieren fasziniert sie schon seit ihrer Kindheit.

Doch da die städtische Einrichtung derzeit aufgrund der aktuellen Coronaverordnung vorübergehend geschlossen ist und die „Teestunde“ deshalb entfällt, kam Brigitte Ihl spontan auf die Idee, eine Straßenecke weiter ihr Akkordeon auszupacken und dort beherzt einige Liedklassiker zu spielen. Wer nun bei gutem Wetter an einem Montagnachmittag an der Friedenskirche in Lauda vorbeiläuft, der darf sich mit etwas Glück auf ein Straßenkonzert der außergewöhnlichen Art freuen.

Das Repertoire der Unterbalbacherin besteht dabei überwiegend aus beliebten Volksliedern, die den meisten Zuhörern bestens vertraut sind. „Die Vogelhochzeit“ und „Nun will der Lenz uns grüßen“ gehören beispielsweise dazu, ebenso „Die Gedanken sind frei“ oder „Im Märzen der Bauer“. Nicht selten singt Brigitte Ihl dabei gekonnt mit und zaubert dabei den umstehenden Zuhörern, die mit fortschreitender Spieldauer immer zahlreicher werden, ein Lächeln ins Gesicht.

Balkontüren öffnen sich

In der Regel dauert es dann nicht lange, bis sich die Balkontüren und Fenster des benachbarten Altenpflegeheims Johann Bernhard Mayer öffnen. Schließlich warten viele Bewohner des Heims schon voller Vorfreude auf Brigitte Ihls Auftritt. Sogar Liedwünsche nimmt die rüstige Akkordeonspielerin selbstverständlich und gerne entgegen. Da sie viele Stücke auswendig beherrscht, erfüllt sie die meisten davon.

Als am Ostersonntag keine öffentlichen Gottesdienste in den Kirchen von Lauda-Königshofen gefeiert werden durften, hat Brigitte Ihl den Senioren den Feiertag mit einem musikalischen Ostergruß versüßt. Sie hat eben ein Gespür dafür, was den Menschen Lebensfreude und Zuversicht bringt.

Freundschaft ist ihr wichtig

Gefragt nach ihrem Lieblingslied, muss die Unterbalbacherin nicht lange überlegen: „Wahre Freundschaft will nicht wanken“, ein Volkslied, das um das Jahr 1750 entstanden ist. Einst sei sogar eine zusätzliche Strophe hinzukommen, die ihren Ursprung in Oberlauda hat, berichtet Brigitte Ihl. Schon alleine aufgrund dieses Bezugs zur Heimat habe das Stück für sie eine ganz besondere Bedeutung. Außerdem sei es insbesondere bei Heimatvertriebenen besonders beliebt, da es bleibende Werte wie Freundschaft und Zusammenhalt in schwierigen Zeiten vermittle.

Gerne ergänzt Brigitte Ihl das traditionelle Volkslied daher um die zusätzliche Strophe, die sie selbstverständlich – ebenso wie die übrigen Strophen – im Kopf hat: „Freundschaft ist die schönste Blume. Sie dorret und welket nicht. Ein jeder möchte sie haben, doch leider sie finden sie nicht.“ Kaum ist die Strophe verklungen, da kommt auch schon eine gute Freundin von Brigitte Ihl vorbei, mit der sie seit mehr als 60 Jahren herzlich verbunden ist.

Es bewahrheitet sich eben oft: „Wahre Freundschaft will niemals wanken.“ Und nach einem kurzen Plausch stimmt Brigitte Ihl schon das nächste Lied auf ihrem Akkordeon an und besingt den Frühling auf ihre unverwechselbare Weise. stv

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