Lauda / Königshofen

Leserbrief Zu den Bauernprotesten und dem Besuch von Agrarminister Peter Hauk

„Lasst es auf Randstreifen wieder blühen“

Nach knapp 20 Jahren Tätigkeit in der Landwirtschaftsverwaltung, 15 Jahren in der Naturschutzverwaltung und jahrzehntelanger Arbeit im privaten Naturschutz erlaube ich mir eine Stellungnahme zu den Bauernprotesten, denen ich in vielen Punkten zustimmen kann.

Ich möchte hier auf die Bereiche eingehen, die keine landwirtschaftlichen Nutzflächen sind, aber große Bedeutung im Artenschutz haben, also an Nutzflächen angrenzende Gehölzstrukturen, Randstreifen und Feldraine.

Immer wieder wird massiv in Gehölzbestände, die oft gesetzlich geschützte Biotope sind, eingegriffen.

Mittels Frontladerschaufel lassen sich auch große Gehölze mühelos umdrücken und entwurzeln. Jüngstes Beispiel ist etwa einen Kilometer südlich von Hof Uhlberg im Bereich der Felsen zu sehen. Hier wurden Dutzende große Sträucher, darunter viele Holunder, auf diese Art beseitigt.

Tausende Blüten sind für Insekten verloren, im Herbst fehlen Früchte für Vögel. Der Verursacher hat darüber sicher keine Sekunde lang nachgedacht. Wie so oft wurde auch hier in fremdes Eigentum eingegriffen.

Sobald die Wegränder zu blühen beginnen, wird mit Schleppern und Mulchgeräten ausgerückt, um kilometerweit innerhalb kürzester Zeit die Vegetation niederzumachen. Die bodennahe Bearbeitung zerstört nicht nur Blüten, sondern zahlreiche Insekten und andere Kleinlebewesen. Auch Flächen, die nicht an Ackerland angrenzen, werden gleich mitbearbeitet. Glatt rasierte Flächen scheinen das ehrgeizige Ziel zu sein. Hier wird makellose Optik mit intakter Natur verwechselt.

Bei der Bevölkerung stößt dies auf Unverständnis. Subventionierte Blühflächen sind kein Ausgleich dafür.

Ich spreche sicher vielen Naturschützen und Erholungssuchenden aus dem Herzen, wenn ich die Landwirte um folgendes bitte: Verschont die wenigen in der Feldflur vorhandenen Gehölzstrukturen und lasst es auf Randstreifen und Feldrainen wieder blühen.

Es wäre ein wichtiger Beitrag zum Artenschutz, ganz ohne ein Programm.

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