Lauda / Königshofen

Geburtstag Die 100-jährige Herta Butterlin ist auch im hohen Alter noch sehr aktiv

Kunst und Musik verbunden

Archivartikel

Lauda-Königshofen.Fast täglich sitzt sie am Keyboard und musiziert – nichts kann Herta Butterlin die Freude an der Musik und dem gesamten Spektrum „Kunst“ wie auch ihrer Reiselust nehmen. Auch ihren Haushalt hat sie noch selbst „im Griff“. Am 28. Oktober feiert sie ihre 100. Geburtstag.

Eigene Kunstwerke, gemalt in den verschiedensten Techniken, schmücken ihre Zimmer. Im persönlichen Gespräch erzählt Butterlin von Reisen in die Ferne, Begegnungen mit Freunden, für die sie auch immer noch Bilder malt und weiteren Höhepunkten ihres bewegten Lebens, das 1919 in Danzig begann.

Schon in der Schule malte und zeichnete sie bevorzugt Porträts. Hier zeigte sich bereits ihre künstlerische Ader. Im Rahmen des „Winterhilfswerkes“ war es nahezu das gesamte Werk Wilhelm Buschs, das sie „reproduzierte“. Die Versteigerung der Zeichnungen verhalfen der „Winterhilfe“ zu einer guten Einnahme. Auch dem Turnverein gehörte sie bereits mit sechs Jahren an. Das Leben in Danzig, sagt sie, war angenehmer als „im Reich“, wohin es die Danzigerin nie zog. Hertas Butterlins Großvater aus der Schweiz hatte dort eine Käserei, die Eltern führten in Danzig ein Milchdelikatessengeschäft, wo es sogar Hummer gab. Auch die Tochter trat nach Abschluss der Mittleren Reife die Lehre im elterlichen Geschäft an.

1940 heiratete sie Rudolf Butterlin, 1941 kam die gemeinsame Tochter Gudrun zur Welt. Ende 1942 fiel Rudolf Butterlin im Krieg. 1945 musste die Jubilarin vor dem Einmarsch der Russen fliehen, konnte noch mit dem allerletzten Zug Danzig verlassen. Am 25. Januar 1945 kam sie nach abenteuerlicher Flucht auf Umwegen, zuletzt über Würzburg, mit Tochter Gudrun nach Lauda, wohin sich auch später Vater Heinrich Wilhelm durchschlug. Mit einer Lizenz der Militärregierung konnte er 1947 das erste Milchgeschäft in Lauda eröffnen, das Herta Butterlin bis 1970 mit ihren Eltern zusammen führte.

Die Liebe zum Klavierspiel ließ Herta Butterlin nicht los: Es dauerte nach der Ankunft in Lauda nicht lange, bis Vater und Tochter – als Ersatz für das von den Russen „requirierte“ Instrument – in Würzburg ein Klavier erstanden. So konnte sie selbst endlich wieder musizieren.

Musikalisch hat Herta Butterlin in Lauda einiges bewegt: Als für die Musikkapelle „Lyra“ ab 1947 eine Klavierspielerin gesucht wurde, war sie sofort dabei. Bis zu ihrer Auflösung 1957 war die Musikkapelle sowohl im Rügersaal als auch wöchentlich einmal in der Bahnhofsgaststätte präsent.

Noch heute ist die Jubilarin „Vorturnerin“ für eine Frauengruppe, die wie sie selbst eisern durchhält. Auch im Kunstkreis ist das Gründungsmitglied an den jährlichen Gemeinschaftsausstellungen beteiligt.

Die Fränkischen Nachrichten schließen sich allen guten Wünschen an. irg

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