Lauda / Königshofen

Besonderer Tag Bruno Simon feiert 90. Geburtstag / Verkaufsleiter bei Frankonia-Buch der Fränkischen Nachrichten

Kulturlandschaft der Region bereichert

Archivartikel

Königshofen.Bruno Simon hat die Kulturlandschaft über Tauberfranken hinaus bereichert. Nun feiert der ehemalige Verkaufsleiter im Verlag der Fränkischen Nachrichten seinen 90. Geburtstag.

Am 22. Juni 1930, einem Sonntag, kam der Jubilar in Rybnik, zwischen Ratibor und Gleiwitz im östlichen Oberschlesien, zur Welt. Das Städtchen kam nach dem Ersten Weltkrieg zu Polen. Die großbürgerliche Familie Simon sprach zuhause nur deutsch. Aber dem Gesetz nach musste jedes zweite deutsche Kind von Anfang an die polnische Schule besuchen. Das traf den Buben hart. „Man prügelte mir die fremde Sprache ein. Später, als ich meine Vaterstadt mehrmals besuchte, war ich froh darüber. Ein polnisch sprechender Bundesrepublikaner war eine rare Respektsperson.“ Dazu kam, dass seine Urgroßmutter den Baugrund der St. Antoniuskirche der katholischen Gemeinde Rybnik vermacht hatte. Zur Hundertjahrfeier der neugotischen Kirche waren Bruno Simon und seine Schwester als Ehrengäste geladen.

Flucht aus der Heimat

Am 27. Januar 1945 musste die Familie mit dem Pferdeschlitten und ein paar Habseligkeiten aus der schon fast völlig von den Sowjets eingekreisten Heimatstadt flüchten. Vorgespannt war das Reitpferd des Buben. Ab Ratibor ging es mit Lastkraftwagen und Pferdewagen weiter bis Bremen zu Verwandten. „Die Stadt war ein einziger Schutthaufen“, erinnert sich der Jubilar.

Mit einem gleichaltrigen Freund arbeitete Simon in einem Verpflegungsmagazin der US-Armee. Einem Mastersergeanten, wohl Deutschamerikaner, fielen die beiden gewitzten Fünfzehnjährigen auf, und er erwirkte für sie einen der heißbegehrten Plätze an der Handelsschule. Ein Zufall führte Simon auf einer Betriebsbesichtigung mit dem Chef einer Vorzeige-Druckerei zusammen. Dort lernte er die schwarze Kunst Gutenbergs, erst drei Jahre Schriftsetzer, dann ein Jahr als Drucker, einschließlich der Buchproduktion, von der Pike auf.

Schriftsetzer und Drucker

Mit 20 Jahren ging es dann zur Fränkischen Gesellschaftsdruckerei nach Würzburg. Dort leitete er bald die Ausbildung der Schriftsetzer. Sein erstes Buch hieß „700 Jahre Kilianeum“. Weihbischof Bauer gab ihm danach den Auftrag, für die Kapelle des Instituts eine Montur zu entwerfen. „Weil Sie immer so korrekt gekleidet sind“, hieß es damals.

Nach einem Zwischenspiel bei Weitprecht in Stuttgart und der Konsolidierung zweier Würzburger Druckereien wechselte der Musterschüler Gutenbergs 1978 als Verkaufsleiter zum Verlag Fränkische Nachrichten nach Tauberbischofsheim. „Nach vier Jahren hatte sich der Umsatz vervierfacht. Wir waren fast so was wie die Hofdruckerei von Fichtel & Sachs.“

Bald erhielt er die Prokura. Und kaum war er Anfang 1994 in den Ruhestand gewechselt, stand der Verlagsdirektor vor der Tür und bat um Rückkehr – er hatte den Nachfolger eben gefeuert.

Zuletzt war Simon als Kundenberater für Akzidenzdruck und Buch tätig, ehe er nach 22 Jahren FN endgültig ausschied.

Wenn der früherer Landrat Georg Denzer ihn als „den Kulturträger der Fränkischen Nachrichten“ und damit der ganzen Region vorstellte, so meinte er den Büchermacher Bruno Simon, der die Unternehmenssparte Frankonia Buch aufgebaut hat. An die hundert, oft dickleibige, Manuskripte hat er, meist nach Feierabend, mit spürbarer Liebe, einfallsreich, mit Pfiff zum Druck gebracht und ausgestattet.

Anfangs waren es meist Nachdrucke vergriffener Standardwerke zur Geschichte Tauberfrankens, dann kamen Autoren wie Heinz Bischof, Carlheinz Gräter, Gottlob Haag, Werner Krug, Helmut Lauf, Bruno Rottenbach, Hans Dieter Schmidt, Hans Werner Siegel, Elmar Weiß, Wolf Wiechert, um nur eine Handvoll zu nennen. Die Themen? Es waren kulturhistorische Sammelwerke, Ortschroniken, Landschaftsbilder, Gedichtbände sowie Aufträge vom Hotelführer bis zur Regimentsgeschichte. Er hat das nie dokumentiert.

Öffentliche Ehrungen gab’s für den Jubilar, der im Haus am Königshöfer Hexenstock, wohlumsorgt von Frau Hedi, lebt. Und kaum ein Besucher wundert sich, dass selbst der Putto im Garten ein Buch aufgeschlagen hat. Die Fränkischen Nachrichten schließen sich allen guten Wünschen an.

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