Lauda / Königshofen

Historie Das Hohe Haus in Königshofen wurde vor 600 Jahren errichtet

Kleinod und Wahrzeichen der Messestadt

Archivartikel

Es ist ein echtes Wahrzeichen der Messestadt: Das Hohe Haus wurde vor 600 Jahren in Königshofen errichtet.

Königshofen. Viele Menschen kennen Königshofen nur „vom Durchfahren“, kennen vom Sehen die Randbereiche der B 290 und B 292, bestenfalls noch die Kirchstraße mit dem Goode und der dahinterstehenden Stadtpfarrkirche St. Mauritius. Das ist keine außergewöhnliche Erscheinung der heutigen Zeit.

Auch in den letzten Jahrzehnten des 19. und den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts war das ähnlich. Wie sonst lässt sich erklären, dass es von der Messestadt im mittleren Taubertal Dutzende alter Ansichtskarten gibt, auf denen die Hauptstraße mit ihren damals zahlreichen Gasthäusern und Ladengeschäften und eben die Kirchstraße mit den bekannten Motiven verewigt wurden? Bestenfalls konnte da zum Ende des 19. Jahrhunderts noch der Bahnhof mithalten, war doch die Eisenbahn das wichtigste Verkehrsmittel.

Abseits der Hauptachse

So blieb das eigentlich „größte Kleinod“ Königshofens, das sogenannte „Hohe Haus“, bei den Ansichtskartenverlegern und Fotografen der damaligen Zeit quasi auf der Strecke. Vielleicht war dies der Lage geschuldet. Abseits der Hauptstraße, am südöstlichen Rand, nur wenige Meter innerhalb der Stadtmauer. Das alte Zentrum des Städtchens befand sich im Mittelalter am Pendant der Ummauerung, im nordöstlichen Bereich, dem sogenannten „Ploo“ (Plan), dem Umfeld von Stadtpfarrkirche, Friedhofs und einiger prächtiger Fachwerkhäuser bis hinunter zum später erbauten Rathaus.

Dabei ist das Hohe Haus nicht nur das mit Abstand älteste Wohnhaus in Königshofen, es ragt auch aus der sonstigen Bausubstanz schon wegen seiner einzigartigen Höhe heraus. Ob der Name aus dieser Eigenschaft abgeleitet wurde oder weil es sich bei dem Gebäude um das Haus eines „hohen Herren“ handelte, ist spekulativ. Beide Deutungen sind irgendwie zutreffend. Die wechselhafte Geschichte, die Königshofen im Mittelalter und danach erlebte, hat das als eine Art „Wohnturm“ errichtete Gebäude nahezu schadlos überstanden. Wann es genau erbaut wurde und welche Teile tatsächlich noch aus der Entstehungszeit stammen, ließe sich wohl nur wissenschaftlich erforschen, wenn man es vollständig abtragen würde. In vergleichbaren Fällen konnten Archäologen bis zu zehn Entwicklungsperioden mit grundlegenden Veränderungen dokumentieren. Doch dafür ist dieses ortsbildprägende Wahrzeichen viel zu schade. Die Zusammenstellungen aus verschiedenen offiziellen und inoffiziellen Quellen datieren das Hohe Haus auf die Zeit zwischen 1420 und 1450. Damit kann es selbstbewusst nun seinen 600. Geburtstag feiern.

Gehobene Stellung

„Ein Haus mit einem steinernen Fuß und einem hohen Ziegeldach“ war im Deutschland des späten Mittelalters ein eindeutiger Hinweis auf eine bessere Stellung des Hausherren, oftmals Verwaltungsbeamte, Vögte oder Amtmänner, die für den jeweiligen „Eigentümer des Ortes“ die Steuern eintrieben und für das sorgten, was nach ihrer Einschätzung Recht und Ordnung bedeutete. Dass diese Herren meist eher unbeliebt waren, liegt auf der Hand. So wurde auch das Hohe Haus eher als Wehrgebäude, denn als Villa konstruiert.

Der steinerne Fuß hatte ursprünglich weder Fenster noch eine Eingangstür. Diese wurden erst wesentlich später in das massive Mauerwerk eingelassen, als man sich entschloss, den Erdgeschossbereich für Wohnzwecke nutzbar zu machen. Auch die Fenster in den Obergeschossen waren ursprünglich sehr klein. Das spärlich einfallende Licht erforderte täglich mehrere Stunden Beleuchtung in dem hauptsächlich genutzten Raum, der Wohnküche.

So wurde schon vor der grundlegenden Sanierung 1978/1980 in Absprache mit dem Landesamt für Denkmalpflege hier ein zeitgemäßes Fenster genehmigt. Bei der Renovierung legten die Handwerker das viele Jahrzehnte unter Putz versteckte Fachwerk frei und nach der Ausbesserung wurde es in der ursprünglichen Farbgebung gestrichen. Im Buch „Kunstdenkmäler des Amtsbezirks Tauberbischofsheim“ (u.a. Oechelhäuser 1898) wird dazu berichtet: „Als ältestes Haus im Orte gilt der hohe Fachwerkbau 122a in der Friedrichstraße mit seitlicher Freitreppe und drei überragenden Geschossen leider ganz verputzt. An einigen der geschnitzten Konsolen des Hauptgeschosses das Mainzer Rad und verschiedene andere Wappenschilde, alles überstrichen.“

„Mondsichelmadonna“

Die Freitreppe gehörte nicht zur ursprünglichen Ausstattung des Gebäudes. Und so musste sich das verwendete Holz nach Vorgabe des Denkmalschutzes farblich von den alten Fachwerkteilen abheben und in einem helleren Braunton gestrichen werden.

Bei der Renovierung des südlichen Anbaus einige Jahre später entdeckten die Hauseigentümer im Hauptgeschoss eine provisorisch verschlossene Öffnung, die ursprünglich als Eingang genutzt worden sein könnte. Auch die genannten Wappenschilde wurden – soweit möglich – von der Übermalung befreit und wieder in den Urzustand versetzt. Insbesondere das Wappen mit dem Mainzer Rad dokumentiert die lange Zugehörigkeit des „Marktfleckens“ Königshofen zu diesem Bistum. Nicht vergessen darf man in diesem Zusammenhang auch die an der Nordwand angebrachte, farbig gefasste „Mondsichelmadonna“, die um 1800 nach Königshofen gekommen sein soll.

Der Königshöfer Chronist Hans Schieb berichtet in seinen Aufzeichnungen von Renovierungskosten in Gesamthöhe von rund 180 000 Mark, die vom Denkmalschutz mit 60 000 Mark und von Landkreis und Stadt mit jeweils 10 000 Mark bezuschusst wurden. Ein deutliches Zeichen der Solidarität setzte die Freiwillige Feuerwehr Königshofen, die durch ein Straßenfest „Rund um das Hohe Haus“ ebenfalls 10 000 Mark erwirtschaftete und an die Witwe ihres während der Renovierungsarbeiten verstorbenen Kommandanten und Eigentümer des Hohen Hauses, Anton Schad, übergeben hatte. Trotz vielfältiger Unterstützung musste die Familie 90 000 Mark Eigenkapital aufbringen.

Die Verbundenheit der Königshöfer mit ihrem Wahrzeichen wurde in dieser Zeit auf einem Weinglas und auch mit einem Volkswanderorden des Turnvereins herausgestellt. Schließlich ziert das markante Gebäude auch den Jubiläumskrug der Herbsthäuser Brauerei zur 1250-Jahrfeier 1991.

Herausragend in jeglicher Hinsicht ist das rechtzeitig zum 600. Geburtstag fertig gewordene Modell von Roland Faulhaber. Der gebürtige Königshöfer, keine 100 Meter vom Hohen Haus aufgewachsen, hat sich in unzähligen Stunden diesem markanten Gebäude gewidmet und in handwerklicher Kunst, mit fachlichem Können, ein Modell (Maßstab 1:25) des altehrwürdigen Fachwerkbaus geschaffen, das dem Betrachter im ersten Moment die Sprache verschlägt. Mit enormer Liebe zum Detail hat Roland Faulhaber seine Erinnerung an das frühere Erscheinungsbild dieses Hauses, mit Holz, Gips, Leim, Sand und anderen Materialien nachgebaut.

Sagen ums Hohe Haus

Die Geschichte des Hohen Hauses wäre unvollständig, würde nicht auch der Hinweis auf die Sagen erwähnt. Der Königshöfer Heimatdichter und -forscher Franz Wolf wurde in Unterlagen der Eigentümer fündig. So soll der Vogt der Sage nach, einen Bauern vom Fenster im Hauptgeschoss aus mit einer Armbrust erschossen haben, als dieser beim Vorbeilaufen den heraushängenden Hut des Vogtes nicht gegrüßt habe. Die aufgebrachte Bevölkerung soll daraufhin das Gebäude gestürmt und den Vogt zum Fenster hinausgeworfen haben, wodurch dieser „den Tod fand“. Immer wieder wird auch von der Sage erzählt, dass es einen Geheimgang vom Hohen Haus zum Wartturm auf dem Turmberg gebe oder zumindest gegeben habe. Schon die Steilheit des Geländes, die große Entfernung sowie die Beschaffenheit der Gesteinsschichten stehen dazu im Widerspruch.

Zum Hohe Haus findet sich in der Liste der denkmalgeschützten Gebäude des Kreises nur der Hinweis: „Fachwerkbau mit Verblattungen und Halbwalm 15./16. Jh. Denkmalbuch.“ Es hat es zwei Weltkriege überdauert und es ist wohl einem glücklichen Umstand zu verdanken, dass es bei einem durch einen technischen Defekt ausgelösten Schwelbrand vor rund einem Jahr äußerlich keinen Schaden genommen hat. Der Innenbereich wurde durch Ruß und Rauchgase stark kontaminiert und die Kosten der Renovierung auf 100 000 Euro geschätzt.

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