Lauda / Königshofen

„Herz-Jesu-Bild“ im Marbacher Weinberg Die 300 Kilogramm schwere Christusstatue wurde einer umfangreichen Renovierung unterzogen

Kleinod blickt wieder hinunter ins Tal

Archivartikel

Marbach.Seit über 100 Jahren steht sie nun in den Weinbergen von Marbach und blickt auf den Ort herab, die Christusstatue. Bei den Marbachern wird sie „Herz-Jesu-Bild“ genannt.

Wind und Wetter haben ihr enorm zugesetzt, so dass sie dringend einer Restaurierung bedurfte. Sie ist im Privatbesitz von Gerhard und Erika Dietz.

1886 ließ sie Ferdinand Ludwig von der Königshöfer Steinmetzfirma Hofmann errichten. Er war als Laienbruder in einer Missionsstation in Afrika tätig und ließ nach seiner Rückkehr das „Herz-Jesu-Bild“ im Weinberg seiner Familie aufstellen.

Die Figur befindet sich weithin sichtbar auf einer Weinbergsmauer. Sie besitzt einen Sockel aus rotem Sandstein mit der Inschrift: „Sieh’ an dieses Herz, welches die Menschen so sehr geliebet hat!“

Die Statue besteht aus einem hellen Sandstein. Sie ist etwa 1,80 Meter groß und wiegt 300 Kilogramm. Jesus deutet mit der rechten Hand auf das brennende Herz und hält mit der linken Hand den Saum des Überwurfs. Beide Hände sind mit Wundmalen versehen.

Das Team Peter Haggenmüller und die Gemeinderätin Annette Vogel, die den umfangreichen Schriftverkehr übernahm, nahmen nun die notwendigen Vorarbeiten hierfür in Angriff. Vorher wurde die Erlaubnis der Besitzer für die Restaurierung eingeholt.

Nachdem das Landratsamt Main-Tauber-Kreis die denkmalschutzrechtliche Genehmigung erteilt hatte, wurde das Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart, in Esslingen kontaktiert. Ende Februar 2019 kam der für dieses Projekt zuständige Peter Huber nach Marbach. Peter Haggenmüller führte ihn zu der Christusfigur und erläuterte ausführlich ihre Geschichte und Entstehung. Infolgedessen wurde die Statue als Denkmal anerkannt.

Auszug aus dem Bericht

Hierzu ein Auszug aus dem Bericht des Denkmalamtes: „Die schlicht gehaltene, aber dennoch sehr qualitätsvoll gearbeitete Statue bezeugt die anwachsende Verbreitung des Herz-Jesu-Kultes in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, die einherging mit der Einführung des Hochfestes Heiligstes Herz Jesu für die gesamte katholische Kirche 1856. Zudem erreichte die Herz-Jesu-Verehrung in Deutschland einen enormen Aufschwung durch den eskalierenden Kulturkampf zwischen der Regierung des Deutschen Kaiserreiches und der Katholischen Kirche in den Jahren 1871 bis 1878. Die Aufstellung einer Herz-Jesu-Figur anstelle der sonst üblichen Weinberg-Patrone Urban oder Maria stellt eine Besonderheit dar, welche im Kontext mit der Popularität der Herz-Jesu-Bewegung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert. zu sehen ist. Die Figur besitzt aufgrund von volkskundlichen und religionsgeschichtlichen Gründen wissenschaftliche Bedeutung. Ihre Erhaltung liegt wegen ihres dokumentarischen und exemplarischen Wertes nach § 2 Denkmalschutzgesetz Baden-Württemberg im Interesse der Allgemeinheit.“

Auf der Grundlage von Ortsbesichtigung, Literaturrecherche und Hinzuziehung von Fachleuten wurde das Objekt als förderungswürdig bewertet, das heißt das Amt übernimmt die Hälfte der Renovierungskosten. Einen nicht unerheblichen Betrag müssen nun die Besitzer aufbringen. Auch die Stadt Lauda-Königshofen beteiligt sich an den Kosten für die Restaurierung.

Wegen der Steillage war es nicht einfach, eine geeignete Firma für das Projekt zu finden. Die Steinmetzfirma Fleck, Tauberbischofsheim, wurde für die Restaurierungsarbeiten gewonnen . Da die Herz-Jesu-Figur in einem äußerst kritischen Zustand war, wurde sie nicht an Ort und Stelle restauriert. Sie wurde mit Manneskraft abtransportiert und wochenlang in einem Bad mit Kieselsäureester verfestigt. Anschließend wurden die Risse mit Epoxidharz verpresst und mit BL-Mörtel verschlossen. Moos und Algenbewuchs wurden mechanisch entfernt. Nach all diesen Arbeiten wurde die Statue wieder an ihrem alten Platz verdübelt.

Nun ist die Herz-Jesu-Statue sicher für die nächsten 100 Jahre wieder hergestellt und schaut nach auf Marbach. Sie ist ein Kleinod, das es wert war, es zu restaurieren und für die Nachwelt zu erhalten. peh

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