Lauda / Königshofen

Fest im kleinen Rahmen Kleinod nahe der katholischen Stadtkirche wieder seiner Bestimmung übergeben / Dr. Gerhard Wobser machte sich sehr verdient

Kiliansbrunnen sprudelt nach Durststrecke wieder

Archivartikel

Lauda.Ein großes Fest in kleinem Rahmen dokumentierte: Es ist erreicht. Der Kiliansbrunnen bei der katholischen Stadtkirche „lebt“ wieder nach langer Durststrecke; er sprudelt zur Freude der Vorübergehenden und allen, die auf dem langen Weg zum Erfolg alle „Stolpersteine“ geduldig wegräumten und jetzt den Erfolg feiern können.

Dr. Gerhard Wobser, maßgeblicher Geldgeber, begrüßte die Gäste, darunter Hausmeister Lotter von der katholischen Kirchengemeinde, „der mit großem Interesse die Arbeiten am Brunnen verfolgt und mich mit interessanten Informationen zum Brunnen versorgt hat. Er hat auch 2011 den Brunnen in Eigeninitiative gereinigt, mit Blumenkästen geschmückt und im Jahr darauf zu Ostern mit Eiern geschmückt, die von den Kindern der Laudaer Kindergärten bemalt wurden.“

Dr. Wobser erinnerte an lange zurückliegende Zeiten in der „Vita“ des Brunnens und kündigte weitere Beiträge über Brunnengeschichte und zurückliegende Arbeiten an. Er gab eine Erläuterung für den mit seiner Frau gefassten Entschluss zur Finanzierung; man stehe hier nämlich auf einem nicht nur für Lauda, sondern auch für die Firma Lauda historischen Platz, mit den Worten: „Quasi im Schatten der Kirche stehen die Ursprungsgebäude der Firma. Hier startete mein Vater 1956.“

Mit der Erinnerung an den auch damals schon sprudelnden Kiliansbrunnen reifte in ihm der Gedanke, die Wiederbelebung zu initiieren und zu finanzieren. Hinweise von Karl Lotter und dem HKV-Vorsitzenden Werner Hellinger auf die Bürgerstiftung brachten „den Stein ins Rollen“; Wobser entschied sich, die Sache in die Hand zu nehmen, Ex-Bürgermeister Maertens und Pfarrer Walterspacher anzuschreiben, wo er große Begeisterung für den Plan fand und die Finanzierung durch eine zweckgebundene Spende an die Bürgerstiftung veranlasste.

Dank sagte Wobser „Wegbereitern“, Planern und „Machern“, ehe Werner Hellinger als Vorsitzender des Heimat- und Kulturvereins (HKV) die Geschichte des Brunnens „aufblätterte“, vom ursprünglich kirchlichen Garten an über die Stiftung der Figur des „Frankenapostels“ Kilian anlässlich der Mission 1891, die Umgestaltung des Kirchplatzes bis in die Gegenwart: Und es gab eine Rückschau auf die jüngere Vergangenheit, begonnen mit der Abschaltung des Brunnens 2004 und seiner langen Trockenperiode, deren Beendigung 2012 zum Thema in der Stadtverwaltung wurde. 2013 bei der Mitgliederversammlung des HKV nutzte Klaus Vierneisel die Gelegenheit, ihn darauf anzusprechen und zu bitten, sich mit dem HKV der Sache anzunehmen.

Erste Gespräche mit Stadtbaumeister Blessing führten nach der Frostperiode im April 2014 zum Start eines Probebetriebs; ein immenser Wasserverlust von zehn Kubikmetern in zwei Tagen machte eine neue Stilllegung notwendig. Ohne komplette Sanierung des Innenlebens gab es keine Möglichkeit zur Aktivierung. Geschätzte Kosten zum damaligen Zeitpunkt: 15 000 Euro.

Durch die Initiative von Dr. Gerhard Wobser wurde, wie Werner Hellinger feststellte, dem Projekt wieder Leben eingehaucht. Es war die Initialzündung, viele zogen an einem Strang.

Präzise schilderte Arno Würzberger die Schäden am Brunnen: Starker Wasserverlust des Schwallwasserbehälters, undichte Rohrleitungen zu den Düsen, undichte Brunnenschale; sie alle waren Ursache für den hohen Wasserverlust, der zur Stilllegung des Brunnens führen musste. Und er stellte fest: „Aufgabenstellung war eine technische Sanierung der Brunnenanlage ohne sichtbaren Eingriff in die Brunnenbasis und -statik.“

Um den Aufwand hierfür sichtbar zu machen, kann hier nur Würzbergers Aufzählung der notwendigen Schritte stehen: Erneuerung des Schwallwasserbehälters mit einem Speichervolumen von 1,5 Kubikmeter, zusätzlicher Einbau eines Technikschachtes, in dem alle Leitungen zusammenlaufen, geregelt und gesteuert werden, neue Zuleitungsverrohrung mittels Kernlochbohrung durch die bestehende Brunnenschale, um jede Brunnendüse durch eine eigene Leitung zu versorgen, Schaffung einer zusätzlichen zeitgesteuerten Beleuchtung für die Morgen- und Abendstunden – und auch für die Wintermonate, in denen wetterbedingt der Brunnen „außer Betrieb“ ist, und für die Dichtigkeit der Brunnenschale das Aufbringen einer mehrschichtigen Flüssig-Folienbeschichtung mit Vliesverstärkung. Mit dem Hinweis auf die Restaurationsarbeiten an Brunnenfigur und Brunnen durch Restaurator Eckert schloss Arno Würzberger.

In einer Vita stellte Eckert „Brunnengestalter“ Julius Seitz aus Külsheim vor. Als Ältester von zehn Kindern des Vergolders Georg Seitz 1846 geboren, besuchte er in Tauberbischofsheim das Gymnasium und ging danach bei seinem Vater in die Lehre. Weitere Stationen waren der Darmstädter Hofvergolder Büttner, die Maxschule Würzburg, die Mayersche Hofkunstanstalt München - bis zum Bildhauerstudium an der Münchner Kunstakademie. Seitz schuf Werke in Wien, Rom, Bad Kissingen und Freiburg, wohin er 1884 umzog. Sein erster großer Auftrag kam 1876 aus Lauda: Der Ölberg auf dem Laudaer Kirchplatz, dem bereits 1879 der Kiliansbrunnen folgte.

Nach den Grußworten des stellvertretenden Vorsitzenden der Bürgerstiftung, und den Worten von Lauda-Königshofen Bürgermeister Dr. Lukas Braun über die „Punktlandung“ der Eröffnung genau in der „Kilianswoche“ war es soweit: Pfarrer Walterspacher spendete, nicht ohne den Hinweis auf die Bedeutung der Brunnen bereits im Alten Testament, den kirchlichen Segen für den Kiliansbrunnen. irg

Zum Thema