Lauda / Königshofen

Unternehmen Wegen des Ausfalls einer hohen Forderung muss nach der Konzernmutter Lingl-Gruppe auch das Unternehmen in Lauda diesen Schritt gehen

Insolvenzantrag von Trafö-Förderanlagen

Wegen des Ausfalls einer Millionenforderung muss die Firma Trafö-Förderanlagen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens stellen. Der Geschäftsbetrieb läuft aber weiter.

Lauda. Wegen des insolvenzbedingten Ausfalls einer Forderung in Millionenhöhe musste die Geschäftsführung der Trafö-Förderanlagen, ein international renommierten Spezialisten für automatische Lagersysteme, nun Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens stellen. Der vom Amtsgericht Mosbach bestellte vorläufige Insolvenzverwalter und Sanierungsexperte, Rechtsanwalt Marc Schmidt-Thieme (Kanzlei Hoefer Schmidt-Thieme), will den Betrieb vollumfänglich fortführen, wie er in einer Pressemitteilung informiert.

Die rund 50 Mitarbeiter des seit über 70 Jahren bestehenden Unternehmens wurden bereits informiert, die Vorfinanzierung des ihnen zustehenden Insolvenzgeldes ist auf dem Weg.

„Wir haben uns bereits vor Ort einen Überblick verschafft und sind in Gesprächen mit den Kunden und Lieferanten, um den Geschäftsbetrieb zu stabilisieren. Nach unseren ersten Eindrücken sehen wir gute Sanierungschancen, wenn die laufenden Projekte finanziert werden können und die Kunden dem Unternehmen weiter die Treue halten“, so Marc Schmidt-Thieme in einer ersten Stellungnahme.

Der Anlagenbauspezialist war durch die Insolvenz der Konzernmutter, der Lingl-Gruppe, ebenfalls in einen Liquiditätsengpass geraten, so dass nun die Zahlungsunfähigkeit drohte. „Da Corona-bedingt in den letzten Monaten viele für uns maßgebliche Messen und damit auch wichtige Geschäftsanbahnungen ausgefallen sind, waren wir in letzter Zeit vor allem als verlängerte Werkbank für unsere Muttergesellschaft tätig. Als diese Anfang Oktober Insolvenzantrag stellte, fielen damit fest eingeplante Einnahmen weg. Um eigenständig Sanierungschancen für unseren im Kern gesunden Betrieb nutzen zu können, haben wir daher am 9. Oktober ebenfalls Insolvenzantrag gestellt. Uns war dabei auch wichtig, dass wir mit Marc Schmidt-Thieme einen vorläufigen Insolvenzverwalter an die Seite gestellt bekommen, der viel Erfahrung mit Unternehmen im Anlagenbau hat und über ein großes Netzwerk zur Investorensuche verfügt“, begründet Geschäftsführer Rainer Bolz den Schritt.

Trafö-Förderanlagen hat sich in über 70-jähriger Tätigkeit zu einem hochspezialisierten Anlagenbauer für automatische Lagersysteme bzw. die vollautomatische Materialbereitstellung entwickelt. Mit seinen kundenindividuellen Produkten, Software und Services zählt man zu den fünf größten Unternehmen der Branche in Deutschland und ist auch international technologisch führend. Zu den Kunden zählen agrartechnische und metallverarbeitende Betriebe genauso wie die Automobil-Industrie und Luft- und Raumfahrtunternehmen.

Zuletzt erwirtschaftete das Unternehmen mit den rund 50 Mitarbeitern am Standort Lauda-Königshofen einen Umsatz von über zehn Millionen Euro.

„Wir haben einige Projekte in der Pipeline. Unsere Kunden wollen uns die Stange halten und weitere Aufträge platzieren. Daher sehe ich gute Zukunftsperspektiven für unseren Betrieb und gehe fest von der Fortführung aus“, so die Einschätzung von Geschäftsführer Rainer Bolz.

„Von Vorteil für die Investorensuche ist auch, dass Trafö-Förderanlagen die Löhne und Gehälter für September noch gezahlt hat. Von daher können wir den vollen Insolvenzgeldzeitraum von drei Monaten bis Jahresende nutzen, um potenzielle Interessenten anzusprechen und eine Fortführungslösung zu erarbeiten“, ergänzt der vorläufige Insolvenzverwalter Marc Schmidt-Thieme abschließend.

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