Lauda / Königshofen

„Adonis flammea“ Zunächst ausgestorben, doch nach Erdumbruch wieder entdeckt

In Böden schlummern Überraschungen

Archivartikel

Königshofen.Noch vor 50 Jahren waren in den Wintergetreidefeldern neben Kornblumen auch die Adonisröschen als Begleitpflanzen in den Weizen- und Dinkelfeldern, meist als ungeliebte Pflanzen anzutreffen. Trifft man heute ein Stück Ackerfläche mit einem roten Streifen aus Klatschmohn an, handelt es sich dabei um einen Spritzfehler.

Gezielter Spritzmitteleinsatz in den letzten Jahrzehnten sorgte dafür, dass hierzulande fast alle Ackerwildblumen ausgestorben sind.

Doch der Samen vieler Pflanzenarten, besonders die ölhaltigen wie Mohn oder die, die mit einer harten Schale ausgerüstet sind, haben die Eigenschaft, auch nach Jahrzehnten, wenn sie im Erdreich liegend ans Tageslicht kommen, wieder zu keimen und zu blühen, wenn diese Ackerflächen nicht in der intensiven landwirtschaftlichen Nutzung sind.

Aber es gibt hin und wieder auch Naturwunder. Diese erlebt der Vogel- und Naturschutzverein Königshofen bei seinen Pflegearbeiten in den letzten 30 Jahren immer wieder. So wurden um 1990 auf einer Hochfläche im Gewann Blösberg ein Vereinsgrundstück eingeebnet und Mutterboden in den daneben liegenden Weinberg gebracht. Zwei Jahre später blühten in dieser Schotterlandschaft im Naturdenkmal Blösberg tausende Pflanzen der Felsennelke.

2009 wurde im Gewann Neuberglein nach dem Erwerb einer 60 Ar großen Fläche ein Erd- und Steinhügel am Wegrand liegend umgesetzt. Bestimmt über 50 Jahre schlummerte dort eine Pflanze, die im darauf folgenden Jahr, nachdem der Samen das Tageslicht erblickte, erstmals wieder blühte. Es waren Adonis aestivalis und Adonis flammea. Seit dieser Zeit wird diese Kleinfläche alljährlich im Herbst vom Verein beackert. Eine weitere Überraschung erlebte jetzt der Vogel- und Naturschutzverein unmittelbar neben dem Bienenhaus.

Um das Großbiotop besser maschinell, sprich mit dem Kreiselmäher bearbeiten zu können, wurde 2017 eine Hecke ausgestockt, danach ein Steinriegel umgesetzt und die Hügellandschaft mit einem Bagger im Herbst 2018 eingeebnet. Im Frühjahr wurden restliche Steine ausgegraben und die Fläche eingeebnet. Recht groß war die Überraschung vor ein paar Wochen. Es zeigten sich Pflanzen, die wohl über 50 Jahre dort im Erdreich als Samen schlummerten.

Mit Beginn der Blüte führte Theodor Schad die Bestimmung „Adonis flammea“ durch. Im Juni wird bei einer Naturwanderung des Vogel- und Naturschutzvereins Königshofen den Naturfreunden die in der Region als ausgestorben geltenden Pflanzen gezeigt. Der in den vergangenen Jahren vermehrte Samen wird gesammelt und vom Verein an die „Loki Schmidt Samenbank in Osnabrück“ geschickt. tsch