Lauda / Königshofen

Leserbrief Zu den beiden Artikeln „Ein sehr bewegtes Leben ging zu Ende“ und „Partei verliert einen profilierten Sozialdemokraten“ (FN, 26. und 30. Januar)

Heinz Kluss war ein großer Menschenfreund und Kommunikator

Ich danke dem FN-Redakteur Thomas Schreiner und dem ehemaligen SPD-Kreisvorsitzenden Siegfried Neumann für ihre ausführliche und faire Würdigung, die sie in ihren Nachrufen dem verstorbenen Luftwaffen- und MAD-Oberst a. D. Heinz Kluss aus Lauda (Kommandeur 1972 bis 1976) vorgenommen haben. Gemeinsame Erlebnisse und Erfahrungen mit ihm bis zu seinem Todestag am 17. Januar knüpfen nahtlos an diese Nachrufe an.

1977 war ich, damals junger Reporter in Köln, mit Oberstleutnant i. G. Heinz Kluss bekannt geworden, nachdem er gerade in den Militärischen Abschirmdienst (MAD) in der Domstadt eingetreten und Pressesprecher und Lagebearbeiter im Amt für Sicherheit der Bundeswehr (ASBw), geworden war. Daraus erwuchs bald eine vier Jahrzehnte lange enge Freundschaft bis zu seinem viel zu frühen und völlig überraschenden Tod. Noch am Todestag hatten wir wegen seiner nunmehr unvollendeten Autobiografie und eines langen druckreifen Fachartikels mehrfach miteinander kommuniziert.

Heinz Kluss, der Menschenfreund und große Kommunikator, hatte vier Heimaten, fühlte sich schnell an den zahlreichen neuen Dienstorten im In- und Ausland wohl. Der Grund: Er war fachlich anerkannt, humorvoll, gesellig, kontaktfreudig, Menschenfischer, anpassungsfähig, tolerant gegenüber anderen Meinungen, nicht oberflächlich, vielseitig interessiert und belesen, zeigte Interesse am Gegenüber, hörte aufmerksam zu und bewies Mitgefühl und Vertrauen. Er war ab 1962 bis zum Todestag auch ein renommierter Militärpublizist.

Noch Jahrzehnte später erzählte er gern im Freundeskreis voller Stolz, wie er bei der Wahl zum neunten Deutschen Bundestag 1980 als SPD-Gegenkandidat des langjährigen CDU-„Platzhirsches“ im Wahlkreis 181 (Odenwald-Tauber), Dr. Karl Miltner, das SPD-Ergebnis gegenüber 1976 um 2,0 Prozent verbessert hatte, während sich das der CDU von 1976 (63,1 Prozent) auf 57,9 Prozent 1980, also um 5,2 Prozent verschlechterte.

Bundesweit bekannt wurde der MAD-Oberst 1983/84 zweimal bei spektakulären politischen Ereignissen, bei denen ich ihn und andere MAD-Mitarbeiter als Reporter und Pressefotograf begleitet hatte: Am 1. September 1983, dem Antikriegstag, demonstrierte er in Zivil bei brütender Hitze in Mutlangen gegen die Sitzblockade der Friedensbewegung vor der US Air Base und diskutierte stundenlang mit zahlreichen Prominenten. Als im Radio gemeldet wurde, dass am Vortag ein sowjetisches Kampfflugzeug vor Ostsibirien einen zivilen koreanischen Jumbojet Boeing 747 mit 269 Menschen an Bord abgeschossen hatte, brach der Ex-Pilot Kluss fast zusammen.

Im Februar 1984 geriet Heinz Kluss, seit 1981 bis 1985 Kommandeur der für Nordrhein-Westfalen zuständigen MAD-Gruppe III in Düsseldorf, unverschuldet in den schlagzeilenträchtigen Wörner-Kießling-Skandal. Bundesverteidigungsminister Dr. Manfred Wörner (CDU) hatte Ende 1983 zu Unrecht vorzeitig den Viersternegeneral bei der NATO, Dr. Günter Kießling, unwürdig entlassen, ohne die von Kluss geforderten weiteren MAD-Ermittlungen, ohne Anhörung zum Vorwurf homosexueller Kontakte und ohne Großen Zapfenstreich. Einen Monat später musste der Minister Kießling reaktivieren, und Oberst Kluss und andere hochrangige MAD-Angehörige sagten vor dem Bundestags-Untersuchungsausschuss aus.

Sein Freund, der Brigadegeneral a. D. der Luftwaffe und Ex-MdB der SPD, Manfred Opel, schrieb der Familie und mir: „Heinz hatte fünf herausragende Eigenschaften, die seine persönliche Größe ausmachen: absolute Ehrlichkeit, Gerechtigkeitssinn, Friedenssehnsucht, Fürsorge und Fleiß. Er war in der innersten Seele ein Friedenspolitiker im Geiste unseres großen Vorbildes Willy Brandt.“

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