Lauda / Königshofen

Leserbrief Zum Leserbrief „Monsteranlagen rund um Heckfeld“ (FN, 19. Mai)

„Heckfelder Windräder: Ein Drama in bisher sieben Akten“

Zur Einführung unseres neuen Bürgermeisters wurde von allen Seiten eindringlich appelliert, dass alle drei Fraktionen zukünftig eine offene, ehrliche und konstruktive Zusammenarbeit anstreben sollten. Ein konträres Verhalten dazu ist der Leserbrief „Monsteranlagen rund um Heckfeld“ der Stadträte Hess und Dr. Heinrich vom 19. Mai. Unter anderem steht hier: „Nun gilt es abzuwarten, ob der Gemeinderat die „Dollarzeichen“ sieht oder doch dem neuen Bürgermeister ein klares Zeichen auf den Weg gibt: So nicht!“.

Zur Wahrheit für den Bürger gehört der tatsächliche Ablauf des Geschehens:

Erster Akt: Im Jahr 2014/2015 wurde von der damaligen Landesregierung eine Priorisierung von Windkraftanlagen beschlossen. Den Gemeinden wurde lediglich das Recht eingeräumt, Vorranggebiete auszuweisen.

Zweiter Akt: Unter dem damaligen Bürgermeister Maertens wurde die Strategie „Verhinderung um jeden Preis“ statt einer Absprache mit den Nachbargemeinden verfolgt. Die Nachbarn reagierten schnell und erstellten jede Menge Windräder in Sichtweite der Heckfelder. Das Ergebnis ist knapp hinter der Gemarkung rund um Heckfeld zu besichtigen.

Dritter Akt: Als Notmaßnahme gegen „Wildwuchs“ von Windanlagen auf dem Stadtgebiet wurden vom Gemeinderat zunächst neun Vorranggebiete ausgewiesen. Alle Gebiete außerhalb der Heckfelder Gemarkung schieden dann nach eingehender Prüfung und aufgrund verschiedener „harter“ Kriterien aus.

Vierter Akt: Anschließend reduzierte der Gemeinderat in seiner Sitzung vom 22. Oktober 2018 mit 28:1 Stimmen (Gegenstimme: Tobias Sauer) diese auf das Gebiet 4.2 jenseits der Autobahn im Bereich um das „Heckfelder Kirchle“ mit dem Ziel, Heckfeld nicht durch Windräder „einzukreisen“. Dazu die Ausführungen von Dr. Heinrich, der laut Protokoll betonte, „dass man sich die Entscheidung nicht leicht gemacht und versucht habe, Flächen auszuweisen, die sowohl der Natur als auch der Bevölkerung am wenigsten schaden.“ Ähnlich äußerten sich damals auch Bürgermeister Maertens sowie die Stadträte Hess aus Oberbalbach und Kilb aus Oberlauda.

Fünfter Akt: Bürgermeister Maertens verhandelte ab Anfang Februar 2020 mit einem Windkraftbetreiber und übergab seinem Nachfolger als „Antrittsgeschenk“ ein weit vorangeschrittenes Verhandlungsergebnis zur Unterschrift für ein Windrad auf städtischem Gebiet. Für zwei der drei Windräder sind die Verträge auf dem „Staatswald“ des Landes fast in „trockenen“ Tüchern.

Sechster Akt: Die Gemeinderäte Hess und Dr. Heinrich profilieren sich in einem Leserbrief als „Weiße Ritter“ im Windkraft-Kampf gegen ihre eigenen Entscheidungen von 2018 . Offensichtlich haben beide mittlerweile ihre protokollierten Aussagen von 2018 verdrängt und geben jetzt im Leserbrief vom 19. Mai „doch dem neuen Bürgermeister ein klares Zeichen auf den Weg (..): So nicht!“ Dr.Braun hat übrigens gleich nach seinem Amtsantritt die Stadträte und den Heckfelder Ortschaftsrat über die vorliegenden Angebote informiert.

Siebter (letzter)Akt: Aufgrund der vorliegenden Flächenausweisungen können alle drei beantragten Windräder – wie vom Gemeinderat genehmigt – auf der Vorrangfläche 4.2 realisiert werden. Die Pacht kann ein privater Investor oder das Land kassieren, die Kommune ginge dann leer aus. Die Heckfelder schauen in die Röhre, statt wenigstens einen Teil der Pachteinnahmen der Stadt als Entschädigung für ihre eigene Dorfentwicklung zu reklamieren.

Ortsvorsteher Tobias Sauer: „Es ist mehr als bedauernswert, dass für diese drei Windkraftanlagen sehr große Waldflächen gerodet werden sollen, aber damals mussten wir leider aufgrund der staatlichen Vorgaben Flächen hierfür ausweisen. Wir haben alle Möglichkeiten ausgeschöpft, um so wenig als möglich an Flächen zur Verfügung stellen zu müssen. Das ist uns zumindest gelungen. Um einen gewissen Ausgleich zu erhalten, sollten die Heckfelder jetzt auch davon profitieren. Ich schlage vor, dass man mit dem Betreiber ein passendes Konzept erarbeitet, das der Stadt und vornehmlich dem Ortsteil Heckfeld zu Gute kommen sollte. Das wäre zumindest ein Kompromiss, um den Bürgern in Heckfeld deutlich zu signalisieren, dass das „Energiedorf Heckfeld“ nicht vernachlässigt wird.“

Hubert Segeritz: „Es geht nicht darum, ob die Anlagen dort gebaut werden, das ist bereits entschieden. Wir können nur über die Lage innerhalb des Vorranggebietes und die Zuwege mitreden und den uns zustehenden finanziellen Anteil des Kuchens annehmen oder verweigern!

Wir sollten jetzt endlich eine gemeinsame Stadtpolitik machen anstatt uns gegenseitig über die Medien anzugreifen!“

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