Lauda / Königshofen

Leserbrief Zu Windrädern

„Heckfelder Brexit“

Als ich vor 30 Jahren meine Ausbildung bei der Stadt begonnen habe, wurde ich oft angesprochen und gerügt, wie ich als Königshöferin bei der Stadt lernen kann. Da ich damals 16 Jahre alt war und mich wenig mit Politik beschäftigt habe, konnte ich diese Aussagen wenig nachvollziehen. Heute ist das anders. Nun lebe ich seit zwölf Jahren in Heckfeld – auch hier von vielen Unverständnis. Wie man nach „Badisch Sibirien“ ziehen kann? Oder es kommen Witze, ob die Mammuts noch durch Heckfeld laufen. Das hat uns nicht gestört. Uns war bewusst, dass es hier nichts gibt – außer Natur. Zumal die Bauplatzpreise günstig waren und die Grundstücke im Vergleich zu anderen Neubaugebieten eine vernünftige Größe haben. Was jetzt mit unserem Dorf gerade läuft, ist einfach eine Riesensauerei. Es spielt auch für mich keine Rolle, wer welche Gesetze und Vorgaben erlässt. Aber kein wirklich grüner Politiker nimmt in Kauf, dass drei Hektar Wald gerodet werden, um Windräder zu stellen. Auch das Abstimmungsergebnis von 28:1 gegen Herrn Sauer zeigt für mich als Bürger nur, dass die stimmenschwachen Gemeinden sowieso auf der Verliererseite stehen. Da nützt auch die größte Motivation nichts. Fair wäre gewesen, eine Freifläche im Stadtgebiet zu suchen, wo der Bau den wenigsten Schaden anrichten kann; und dann auch die Gemeinde entsprechend entschädigen. Wie als Beispiel die Hallensanierung oder das Tretfußbecken, das das Landratsamt wegen Wasserschutzzone 3 ablehnt hat, jedoch diesen Irrsinn dieser Windkrafträder, ohne mit der Wimper zu zucken, durchwinkt. Der letzte Investor hätte laut Vertrag den Weg zu seinen Windrädern (Richtung Dittwar) zurückbauen müssen. Aber klar, schnell einen Pachtvertrag, dem Bauern ein paar Euro gezahlt und ein paar Riesensteine draufgeknallt. Hier reagiert komischerweise keine Behörde.

Oder eine Entschädigung für alle, dass die Bürger von Heckfeld keinen Strom mehr zahlen müssen, keine Grundsteuer mehr. Es gäbe viele Möglichkeiten. Und wer sich die Mühe macht, sich die Bilanz des neuen Investors anzuschauen, wird feststellen, dass Geld genug vorhanden ist. Leider, wie so oft, geht’s nur ums Geld. Ich frage mich, was hat denn die Eingemeindung gebracht ? Das Einzige, was Heckfeld in den letzten zwölf Jahren als Zuwendung bekommen hat, waren einige Sitzbänke, die die Bürger aus Kostengründen selbst stellen mussten. Ach ja, der neue Spielplatz, der zum Großteil noch über Melap finanziert wurde. Hier gab es dann noch eine ganz tolle Feier, in der Herr Maertens uns als Bürgerinnen und Bürger von Gerlachsheim begrüßt hat.

Aussagen wie „Heckfeld hat perfekte windhöfische Höhenzüge, geografische Lage und Wirtschaftlichkeit“ können gerne getroffen werden. Schön, dass wir als betroffene Gemeinde kein atomares Endlager bekommen. Auch hier gäbe es dann Aussagen solcher Art, warum sich Heckfeld gut eignet. Aber warum bekommt die Stadt dann das Geld? Und die anderen Gemeinden sind sich dann auch nicht zu schade, sich einen Teil des Kuchens zu sichern, statt die Gelder ausschließlich der Gemeinde Heckfeld zukommen zu lassen. Die selbst entscheidet, was mit dem Geld passiert. Das wäre eine gemeinsame Politik. „Gesetze und Vorgaben sollen immer dem Wohl des Bürgers dienen“. „Nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen“. Das habe ich vor 30 Jahren in der Berufsschule gelernt. Aber diese Zeiten sind scheinbar vorbei. Schade, dass wir aufgrund unserer Geschichte so klein domestiziert wurden. Als Franzosen würden wir den gerodeten Wald nach Stuttgart fahren und dort in der Fußgängerzone abladen, dass jeder wirklich mal in der Realität sieht, wie grün unsere Regierung handelt!

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