Lauda / Königshofen

Wald Karlheinz Mechler, Leiter des Kreisforstamts, informierte über den Zustand des städtischen Forstes

Gut für den Klimawandel gerüstet

Archivartikel

Den Wald in seiner Artenvielfalt und Aufenthaltsqualität fit für die Zukunft zu machen, wollen die Fachleute. Derzeit leiden die Bäume aber unter der Trockenheit.

Lauda-Königshofen. Etwa 28 Prozent der Gemarkungsfläche von Lauda-Königshofen sind mit Wald bedeckt. Daher hat sich Bürgermeister Dr. Lukas Braun mit Forstrevierleiter Ulrich Stier, dem Leiter des Kreisforstamtes in Tauberbischofsheim Karlheinz Mechler und seinem Kollegen im höheren Forstdienst Michael Laible über den Zustand des städtischen Waldes in Zeiten extremer Trockenheit informiert.

„Der Wald ist nicht nur ein wichtiger Lebens- und Erholungsraum. Dem regional verfügbaren und treibhausgasneutralen Rohstoff Holz kommt eine ganz zentrale Funktion beim Klimaschutz zu“, findet Bürgermeister Dr. Lukas Braun. Wer die Klimaschutzziele ernst nehme, müsse den Wald nachhaltig bewirtschaften und heimisches Holz nutzen. Auch um den Stadtwald in seiner Artenvielfalt und Aufenthaltsqualität zu fördern und ihn für Klimaveränderungen fit zu machen, wird einiges getan.

Die Waldbegehung begann zunächst am Naturlehrpfad Eisbergweg, einem beliebten und ganzjährig stark frequentierten Waldgebiet oberhalb der Ortslage von Lauda. Wanderer und Spaziergänger, aber auch Jogger und Mountainbiker schätzen das Naherholungsgebiet für seine idyllische Natur. Doch wer genauer hinsieht, entdeckt an so manchem Baum ein ungefähr fußballgroßes Nest.

„Hier zeigt sich der Lebensraum des Eichenprozessionsspinners besonders deutlich“, erklärte Karlheinz Mechler, Leiter des Forstamtes in Tauberbischofsheim. Und er fügte hinzu: „Wo es – so wie hier – hell und warm ist, bilden sich ideale Voraussetzungen zur Ausbreitung der gefährlichen Raupe.“ Die feinen Brennhaare, die sich bei Berührung der Raupen oder der Gespinstnester lösen, können bei Hautkontakt schmerzhafte Entzündungen hervorrufen.

Auch wenn sich die Raupen im August bereits gehäutet hätten und somit unschädlich geworden seien, gelte dennoch besonderes Augenmerk auf die Eichenprozessionsspinner, erläuterte der Experte. „Doch solche Schädlinge hat es im Verlauf der letzten Jahrzehnte und Jahrhunderte immer gegeben und sie wird es auch weiterhin geben“, so Mechler. Bei geringem Vorkommen sei der Eichenprozessionsspinner für den Wald durchaus verkraftbar.

Sorgen bereitet das in Europa seit Jahren voranschreitende und von einem schädlichen Pilz verursachte Eschentriebsterben, das vermutlich nur wenige Exemplare dieser Baumart überleben werden. Ebenso haben die verschiedenen Borkenkäferarten den heimischen Wäldern in den vergangenen Jahren verstärkt zugesetzt, da die zunehmende Trockenheit die Abwehrkräfte der Bäume schwächt. Der Wald der Stadt Lauda-Königshofen sei aber von seiner Baumartenzusammensetzung her vergleichsweise gut für den Klimawandel gerüstet, erläuterte Mechler. Wichtig sei, dass man mit einer breit aufgestellten Baumartenvielfalt auf solche äußeren Gefahren reagiere.

Der stadteigene Wald von Lauda-Königshofen umfasst eine Fläche von insgesamt 988 Hektar und bietet aufgrund der gemäßigten Jahresdurchschnittstemperatur von rund 9 Grad Celsius und den für Deutschland eher niedrigen Jahresniederschlägen von etwa 700 Millimeter ein relativ trockenes Klima. Gefürchtet sind trockene Jahre und Perioden mit wenig Regen in der Vegetationszeit und Spätfröste. Deshalb waren insbesondere die letzten drei Sommer, die von einer sehr starken Trockenheit geprägt waren, für den Wald sehr strapaziös.

Nachhaltige Bewirtschaftung

„Der Stadtwald steht dennoch gut da und wird im Hinblick auf die nächste Generation nachhaltig bewirtschaftet. Er ist Lebensraum, Erholungsoase und Kohlenstoffspeicher zugleich“, erklärte Förster Ulrich Stier, der für den gesamten Bereich im Stadtgebiet zuständig ist. Durch das vergleichsweise hohe Aufkommen klimastabiler Baumarten ergebe sich ein risikoarmes Gefüge, so dass Ausfälle ganzer Baumarten gut abgefangen werden können. Der Anteil an Nadelbäumen in Höhe von 29 Prozent sei markant für Lauda-Königshofen. Mit elf Prozent Douglasien verfüge der Stadtwald über eine immer beliebter werdende Baumart, die sich darüber hinaus gut in das aktuelle Klima einfüge.

Damit der Stadtwald fit für die Zukunft ist, hat der Gemeinderat 2015 bestimmte Ziele für die Bewirtschaftung erörtert und beschlossen. Sie legen fest, dass der Wald gleichermaßen der Produktion des Rohstoffes Holz, als Lebensraum für eine vielfältige Tier- und Pflanzenwelt und als Erholungsraum für den Menschen dienen soll. Grundsätzlich sollte der Wald alle sinnvollen Aufwendungen seiner Bewirtschaftung durch den Holzverkauf finanzieren.

Derzeit befinden sich an einigen Bäumen des Stadtwaldes farbige Markierungen, die den Waldarbeitern im Herbst die Fällungen erleichtern. „Die Krone ist der Motor eines Baumes“, hob Förster Ulrich Stier hervor. Nur wenn ein Baum an seiner Spitze frei stehe, könne er sein volles Wachstumspotenzial entfalten. Der Einschlag fördere das Wachstum der qualitativ besten Bäume und ermögliche eine nachhaltige Bewirtschaftung.

Förster Ulrich Stier sieht den Wald gut aufgestellt. Man müsse Wirtschaftlichkeit und waldbauliche Ziele unter einen Hut bringen und immer wieder nachjustieren, wenn sich beispielsweise eine Baumart als weniger geeignet erweise als eine andere. „Letztlich bietet unser Wald ein reich sortiertes Warenlager und verfügt über mehrere Standbeine. Das macht den Wald ökologisch stabil, streut das Risiko und ermöglicht es, bei der Holzbereitstellung das Angebot der Nachfrage anzupassen.“

Das Stadtoberhaupt bedankte sich bei den Experten für die informative Begehung und versprach, sich auch weiterhin für die naturnahe Forstwirtschaft mit ihren vielfältigen Funktionen einzusetzen. stv

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