Lauda / Königshofen

Diskurs mit Kommunen Petra Jouaux vom Wirtschaftsbeirat Badisch-Franken auf Dialog-Tour

Für attraktive kommunale Gremienarbeit

Archivartikel

Odenwald-Tauber.Im Rahmen ihrer Dialog-Tour hält die Sprecherin des Wirtschaftsrates Badisch-Franken und Unternehmerin Petra Jouaux den kommunalen Austausch zu Verwaltungsspitzen der Region Badisch-Franken. Ziel ist es, neben dem fachlichen Austausch, kommunale Herausforderungen sowie Anliegen aus der regionalen Wirtschaft politisch zu vernetzen. Der Auftakt fand als offene Diskussions- und Gesprächsrunde mit Dr. Lukas Braun, Bürgermeister der Stadt Lauda-Königshofen und der Sektionssprecherin beim Unternehmen „For.um“ im interkommunalen Gewerbegebiet Industriepark ob der Tauber in Grünsfeld statt.

Thematisiert wurde die finanzielle Lage sowie Herausforderungen zur Digitalisierung der Kommune, Corona und die Auswirkung auf das Wirtschaftsgeschehen, Wirtschaftsförderung, die Stadtentwicklung sowie aktuelle wirtschaftliche Themen und gesetzliche Vorgaben mit Kommunalbezug.

„Unsere Verwaltung, nicht nur in Lauda-Königshofen, muss zukunftsfähig gemacht werden“, ist Dr. Braun überzeugt. In nahezu jedem gesellschaftlichen Bereich werden Geschäfte und Belange online abgewickelt. Das sollte künftig auch für Behördengänge noch mehr möglich sein. „Mit Hilfe von Informations- und Kommunikationstechnologien und deren Ausbau können wir die Effizienz und die Leistungsfähigkeit der Verwaltung erheblich erhöhen“, erläutert Braun. Eine solche Aufgabe erfordere gute, strukturierte Abläufe, sowohl bei der Informationstechnologie als auch bei der Organisationsgestaltung. Als weiteren Benefit könne, auch im Bereich Bürokratieabbau, eine bessere Transparenz sowie Zeitersparnis bei Behördengängen für die Bürger und Unternehmen folgen.

„Dennoch kann eine Verwaltungsmodernisierung nur gelingen, wenn ein Bewusstseinswandel auf allen Ebenen stattfindet“, erläutert Braun. Eine Vernetzung gelte auf der gesamten, behördlichen Ebene der EU, bei Bund und Ländern, in Kreis- und Stadtverwaltung als auch in der Arbeit des Gemeinderates.

Mehr Frauen und junge Menschen in politischen sowie wirtschaftlichen Ämtern wünscht sich Petra Jouaux. „Leider haben Frauen und junge Menschen oftmals keine Lust auf leere Versprechungen, Parteiengezänk und langwierige Sitzungen“ ist sie aus eigener Erfahrung überzeugt. „Doch Demokratie lebt vom Mitmachen und Einmischen“ fügt die Sektionssprecherin hinzu. Dr. Braun äußerte sich in ähnlicher Weise: „Wir müssen die kommunale Gremienarbeit attraktiver machen. Für Frauen und junge Berufstätige sehe ich dabei vor allem die zeitliche Inanspruchnahme als Stellschraube. Sitzungen müssen effizienter werden und Hintergrundinformationen für Gemeinderäte sollten digital verfügbar sein“.

Auch im Bereich Wirtschaftsförderung passiere zu wenig, mahnte die Sektionssprecherin das Stadtoberhaupt an. Braun pflichtete bei und kündigte an bei der städtischen Wirtschaftsförderung in Zukunft personell nachbessern zu wollen. „Die Wirtschaftsförderung kommt in der Stadtverwaltung von Lauda-Königshofen derzeit zu kurz. Eine Stadt dieser Größe braucht zumindest eine Mitarbeiterin oder einen Mitarbeiter, der sich auf diese Aufgabe konzentrieren kann“, sagte Braun.

„Vordingliche Aufgabe von Wirtschaftsförderung ist, den Puls in Unternehmen mitzubekommen“ ist Jouaux überzeugt. Auch müsse, insbesondere in der Krise, eine Kommune bei Auftragsvergaben genauer hinschauen und versuchen, die eigenen Unternehmen in ihrer Region zu stärken.

Schließlich sollten die Unternehmen Praktika für Schüler und Studenten als auch Ausbildungsplätze und Arbeitsplätze zur Verfügung stellen. Das funktioniere nur, wenn auch hier eine gute Zusammenarbeit möglich wäre. „Das Potenzial der Unternehmen in Badisch-Franken ist vorhanden – es muss nur wohlwollend auch abgerufen werden“ ist Jouaux überzeugt. „Ich würde es begrüßen, wenn diese Sichtweise auch in der Verwaltung ankommt und verstanden wird“ richtete sie ihren Appell an den Bürgermeister.

Als weiteres Thema brannte dem Stadtoberhaupt die Infrastruktur von Lauda-Königshofen unter den Nägeln. Aus seinem Empfinden heraus wurden in der Vergangenheit bei der Planung die Verkehrsprobleme zu isoliert voneinander betrachtet.

„Die Ortsdurchfahrten beider Stadtteile, die Landesstraße 511 in Lauda und die Bundesstraßen 290 und 292 in Königshofen, sind letztlich kommunizierende Röhren. Wenn wir über eine neue Bahnunterführung in Lauda sprechen, müssen wir auch über eine Lösung für die andauernd geschlossenen Bahnschranken in Königshofen reden“, sagte Braun. Andernfalls würden dauerhafte Verkehrsverlagerungen angereizt.

Beide Engstellen seien für den Wirtschaftsstandort wie auch für die Bürgerinnen und Bürger ärgerlich. Er setze daher auf ein gesamtstädtisches Verkehrskonzept. Dabei sei die Stadt aber auf die Unterstützung von Land und Bund als zuständige Straßenbaulastträger angewiesen. Dem Gespräch schloss sich ein Betriebsrundgang an.

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