Lauda / Königshofen

Leserbrief Zum Artikel „FF Taubertaler Fleisch & Wurst schließt“ (FN, 4. Januar)

Firma nimmt große Rolle im modernen Bewusstsein der Menschen ein

Mit Bestürzung und Empörung habe ich den Artikel über die Schließung des Fleischbetriebes Förster in Lauda gelesen. Ich möchte mit allen Mitteln versuchen, noch etwas gegen diese Entscheidung zu tun!

Die Firma Südfleisch und später Förster steht in unserer Region für viele Werte, die im modernen Bewusstsein der Menschen eine sehr große Rolle spielen: „Aus der Region für die Region“. Daran hängen viele äußerst aktuelle Begriffe.

Nachhaltigkeit: Der Ankauf und die Verarbeitung in der Region „erzeugter“ (was für ein Unwort), also aufgezogener Tiere sichert die Existenz vieler landwirtschaftlicher Betriebe in der Region. Das Verschwinden dieser Möglichkeit zwingt die Landwirte, sich dem „Weltmarkt“ zu stellen mit allen negativen Preis-, Produkt- und wirtschaftspolitischen Konsequenzen.

Letztendlich wird das wiederum die Aufgabe vieler landwirtschaftlicher Betriebe zur Folge haben. Und das hat eventuell zur Folge, dass die Flächen von überregionalen oder sogar ausländischen Großunternehmen übernommen werden, was heute schon in den nordöstlichen Regionen Deutschlands mit großer Sorge betrachtet wird. Sicher wird dadurch ein großes Stück einheimischer Kultur verloren gehen; und auch die Möglichkeit der naturverbundenen Bewirtschaftung der Flächen durch ansässige Familien, die sich ihrer Heimat verpflichtet fühlen.

Energieeffizienz: Die Politik, länderübergreifend Rohstoffe, Futtermittel, Tiere und Nahrungsmittel weltweit umherzutransportieren, um möglichst viele Subventionen im Entstehungsgang eines Produktes abzugreifen, ist nicht mehr zeitgemäß.

Durch den überwiegend regionalen Einkauf von Tieren, die möglichst auch mit überwiegend regionalen Futtermitteln „erzeugt“ wurden und deren Produkte auch überwiegend regional vermarktet werden, ist ein effektiver Weg aus dieser bestehenden Praxis.

Inwieweit das in der Firma Förster stattfand, wäre zu recherchieren, eventuell wäre das der „Aufhänger“, um doch noch Kräfte zu aktivieren, die der Schließung entgegenwirken könnten; eine Weiterführung des Betriebes mit entsprechenden Vorgaben – das könnte überregional Signalwirkung haben!

Tierwohl: Außer jeder Frage und Diskussion steht, dass die regionale Schlachtung mit möglichst kurzen Transportwegen die schonendste und am meisten anzustrebende Version der Nutzung der Tierbestände darstellt. Unter diesem Gesichtspunkt ist die Schließung der Fleischerei ein Schlag ins Gesicht für alle, denen die Tiere und der Tierschutz am Herzen liegen.

Da werden Gesetze und Verordnungen und Forschungsgelder in Massen investiert, um das Leben der Tiere, die wir nutzen, erträglicher zu gestalten – und zugleich jetzt die Möglichkeit, auch einen wenig qualvollen Tod zu finden, vernichtet.

Regionale Arbeitsplätze: Ich weiß nicht, wie viele Mitarbeiter der Betrieb beschäftigt, die fachlich gut ausgebildet sind und mit ihren Familien in der Region ansässig sind. Eine bestehende Firma, die sich nichts zuschulden kommen ließ (immer meines geringen Wissens) auszuradieren, um „städtebauliche Maßnahmen“, die in dem Artikel nicht näher erläutert werden – vielleicht wohlweislich? – durchzusetzen, ist für meine Begriffe mit irgendetwas zwischen gleichgültig und bösartig zu beschreiben.

Wertschätzung des Regionalen: Genau, sich abzugrenzen gegenüber der Globalisierung, die eigenen Werte der ländlichen Region zu erhalten und hoch im Bewusstsein der Menschen zu halten, finde ich einen äußerst erstrebenswerten Weg. Die Dörfer nicht wegen Landflucht aussterben zu lassen und der jungen Generation Arbeit, Erwerb, Familienleben und Kultur in ihrer angestammten Umgebung zu ermöglichen erscheint mir viel wichtiger, als die erwähnten „städtebaulichen Maßnahmen“.

Qualität der Nahrung: Produkte aus dem heimischen Umland erwerben zu können und sich regional ernähren zu können, ist ein Privileg, das wir in unserer Region genießen. Wie viele Milliarden von Menschen sind darauf angewiesen, plastikverpackte Industrieprodukte, die mit wenig qualitätsvollen Nährstoffen, dafür aber mit um so mehr Aufwand an Ressourcen zum Verbraucher gebracht werden, zu konsumieren! Und wir schmeißen dieses Privileg weg…zugunsten was?

Es lassen sich sicherlich noch mehr relevante Punkte zu diesem Thema finden. Ich bin bereit, mich für die oben erläuterten Werte einzusetzen.

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