Lauda / Königshofen

Im Rahmen der Visite Positionspapier der Tafeln an MdB Alois Gerig und Bürgermeister Dr. Lukas Braun überreicht

Finanzielle Unterstützung nötiger denn je

Archivartikel

Main-Tauber-Kreis/Lauda-Königshofen.Einhergehend mit dem Besuch von MdB Alois Gerig und Bürgermeister Dr. Lukas Braun, überreichten Volker Herm, Fachbereichsleiter der Tafeln des Diakonischen Werks im Kreis, und Wolfgang Pempe, Geschäftsführer des Diakonischen Werks im Kreis, beiden ein vierseitiges Positionspapier des Tafel Deutschland mit Forderungen einer staatlichen Grundfinanzierung der Tafelarbeit.

Unter dem Motto „Lebensmittel retten– Menschen helfen“ seien die aktuell 948 Tafeln in Deutschland seit über 27 Jahren im Einsatz und leisten mit der Weitergabe von 265 000 Tonnen Lebensmitteln jährlich einen maßgeblichen Beitrag zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung als auch zur Armutsminderung, unterstreicht dieses Positionsschrieben.

Auch wenn die Tafeln sich selbst als Unterstützungsangebot sehen, sei die Arbeit der bundesweit 60 000 zu 90 Prozent ehrenamtlich Tafel-Engagierten für viele der 1,65 Millionen Nutzer der Tafeln existenziell. Über die Weitergabe von Lebensmitteln hinaus seien die Tafelläden wichtige soziale Begegnungsorte mit Vermittlungs- und Lotsenfunktionen für von Armut betroffenen Menschen. „Besonders die wirtschaftlichen Folgen der Covid-19-Pandemie in Deutschland haben die Systemrelevanz der Tafeln bundesweit sichtbar gemacht“, betont dieses Statement. Der bislang fast ausschließlich von Privatspenden und Sponsoring finanzierte Tafelbetrieb stehe vor großen Herausforderungen, die teils von den Auswirkungen der Corona-Krise dramatisch verstärkt würden wie etwa wachsende Anzahl von Kunden, eine dringend notwendige Umstellung der Lebensmittelspendenlogistik sowie Rückgänge oder sogar Ausfälle ehrenamtlicher Mitarbeiter und Helfer.

„Zur Umsetzung ihrer wichtigen sozialen und ökologischen Arbeit benötigen die Tafeln daher finanzielle Unterstützung bei der Grundfinanzierung auf Lokal-, Landes- und Bundesebene“, lautet eine zentrale Forderung des Tafel Deutschland die von Pempe und Herm bekräftigt wurde.

Ziel der Politik und Verantwortlichen müsse es sein, einerseits allen Menschen ein würdiges Auskommen zu geben und andererseits Lebensmittelüberschüsse zu reduzieren. Dies stehe jedoch in keinerlei Widerspruch, sondern im ergänzenden Einklang mit den Tafeln. Denn gemeinsam sei es möglich, sowohl dem Ziel der Stärkung sozialer Gerechtigkeit als auch einer Eindämmung der Nahrungsmittelverschwendung näher zu kommen.

„Tafeln übernehmen dabei die Rolle der direkten Akuthilfe und können mit staatlicher Hilfestellung noch weit mehr tun, um Menschen zu stärken sowie Hilfe zur Selbsthilfe zu geben“, so ein resümierendes Fazit sowohl des Positionspapiers als auch der Verantwortlichen der Tafelläden im Main-Taube-Kreis.

Im Rahmen seines Besuchs wies Gerig auf eine Ende Juni von Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, Julia Klöckner, gestartetes Corona-Sonderförderprogramm „Ehrenamt stärken. Versorgung sichern.“ hin. Gefördert werden sollen ehrenamtliche Initiativen, die in der nachbarschaftlichen Lebensmittelversorgung engagiert sind.

Das Bundesprogramm richtet sich an Initiativen in ländlichen Räumen in Deutschland. Akteure, deren Maßnahmen überwiegend in kreisangehörigen Städten und Gemeinden von maximal 50 000 Einwohnern wirken, können eine Förderung von bis zu 8000 Euro beantragen. Zielgruppe sind beispielsweise ehrenamtliche Initiativen wie Ortsgruppen der Tafeln, die für Angehörige besonders schutzbedürftiger Gruppen wie ältere, vorerkrankte oder ärmere Menschen Lebensmittel bereitstellen.

„Mit diesen Finanzhilfen soll unseren ehrenamtlichen Helfer vor Ort schnelle und unbürokratische Hilfen zukommen. Das Ehrenamt ist besonders bedeutend im Ländlichen Raum. Dessen Stärkung war mir immer eine Herzensangelegenheit, der unsere Ministerin mit diesem Programm weiter nachkommt“, betonte Gerig. Denn auch wenn zwischenzeitlich viele Kontaktbeschränkungen in Folge der Corona-Pandemie wieder aufgehoben worden seien, müssten sich derartige Initiativen immer noch an eine Vielzahl von weiterhin bestehenden Auflagen und neue Rahmenbedingungen anpassen, was zu erheblichen Einschränkungen sowie zusätzlichen Aufwendungen und Kosten führe.

„Ich möchte alle angesprochenen Initiativen und Gruppen in unserer Heimat ermutigen, sich schnell für das Programm ‚Ehrenamt stärken. Versorgung sichern’ zu bewerben, denn es kann gerade in der aktuellen Organisierten Corona-Situation ehrenamtlich in den ländlichen Räumen helfen, wieder helfen zu können“, bekräftigte der Bundesabgeordnete. Es sei oft existenziell, für ältere oder geschwächte Menschen einkaufen gehen zu können, Essensspenden zu sammeln und zu verteilen.

Auch könnten Antragsteller finanzielle Zuschüsse für Pandemie-bedingte Transportleistungen erhalten. Mit den Fördermitteln sollen zudem notwendige Verbesserungen der digitalen Ausstattungen ermöglicht werden. pdw

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