Lauda / Königshofen

Leserbrief Zu „Verkehrsberuhigung ein großer Wunsch“ (FN, 26. September)

„Ergebnisse der Monitoring-Zählstelle sind nicht aussagekräftig“

Archivartikel

Die üble Verkehrssituation in Gerlachsheim sollte nach so vielen Eingaben von Bürgern und Bürgermeistern dem Landratsamt bekannt sein. Doch zeigt man sich nur abgenervt und weigert sich standhaft, sich zu bewegen.

Bisher war das Abwehrargument immer: Die Ortsdurchfahrt sei eine Landesstraße und da könne man nichts machen. Inzwischen liegen aber, zum Beispiel mit dem „Tasch-Gutachten“ der Bürgerinitiative, Fakten auf dem Tisch, an denen man auch im Landratsamt nicht so einfach vorbeikommt. Es wird nämlich bescheinigt, dass an manchen Stellen an der Würzburger Straße jetzt schon mit dem Lärmpegel von 71 dB(A) die amtlich festgelegte Schwelle der Gesundheitsgefährdung überschritten ist, also noch ohne die möglicherweise bald hinzukommenden Hunderte von Abfall transportierenden Lkw der Abfallaufbereitsanlage (schöngerechnet „nur“ täglich 42).

Aber statt nun zu handeln, wird Verkehrsamtsleiter Bundschuh zum Rechenkünstler und Zahlenjongleur. Was er Pressesprecher Moll über die FN der Öffentlichkeit ausrichten lässt, entbehrt jeglicher Logik und soll den Unwillen kaschieren, etwas zum Wohl der lärmgeplagten und verkehrsgefährdeten Bevölkerung zu verändern.

Ganz unprätentiös und nüchtern die (gut recherchierten) Fakten: Im Mai 2016 ließ die Stadtverwaltung Lauda-Königshofen innerhalb von Gerlachsheim durch ein anerkanntes Ingenieurbüro eine Verkehrszählung durchführen. Es wurden da nicht – wie Moll behauptet – Spitzenwerte gemessen, sondern eine ganze Woche lang rund um die Uhr gezählt, differenziert nach Fahrzeugtypen. Das Ergebnis im Durchschnitt Montag bis Freitag waren 4828 Fahrzeuge/24 Std. Diese Zahl war Grundlage für die Genehmigung der Abfallaufbereitungsanlage durch das Landratsamt.

Nun hält Amtsleiter Bundschuh diese Zahlen plötzlich für nicht amtlich und überhöht. Stattdessen wartet er auf mit der Zahl 2220 Fahrzeuge/24 Std. Es hat sich der Verkehr nicht sozusagen über Nacht halbiert, sondern wurde nur an einer völlig ungeeigneten Stelle gezählt. Es handelt sich dabei um das sogenannte „Verkehrsmonitoring“ des Landes Baden-Württemberg. Laut Regierungspräsidium Tübingen werden an festgelegten Zählstellen alle fünf Jahre für zweimal 14 Tage die Fahrzeuge gezählt. Die 2220 Fahrzeuge ergaben sich an der Zählstelle 80148. Diese liegt zwischen Gerlachsheim und Grünsfeld, sehr nahe an Grünsfeld. Dort können also nur die Fahrzeuge gezählt werden, die zwischen Gerlachsheim und Grünsfeld in beide Richtungen verkehren. Entscheidend ist, was nicht erfasst wird: Der gesamte innerorts entstehende Verkehr und der zwischen Gerlachsheim und der B290, also auch nicht der meiste von der Firma Konrad Bau produzierte Schwerlastverkehr. Auch die Fahrzeuge der abkürzenden Ortsverbindung zwischen Gerlachsheim und Kützbrunn/Messelhausen fallen durch die Maschen.

Die Ergebnisse an der Monitoring-Zählstelle sind also überhaupt nicht aussagekräftig im Hinblick auf den Verkehr durch die Ortsdurchfahrt Gerlachsheim. Und hinzu kommt noch: Diese 2220 Fahrzeuge von 2018, die Bundschuh bemüht, sind gar nicht gezählt, sondern aus der 2017 erfolgten Zählung durch das Regierungspräsidium Tübingen fortgeschrieben.

All das Dargestellte lässt bei uns den Eindruck entstehen, dass man im Landratsamt immer gerade die Zahlen und Daten nimmt, welche die eigene Auffassung stützen und mit Hilfe derer man drum herumkommt, etwas Bestehendes ändern zu müssen.

Was für uns als Bewohner Gerlachsheims zählt, sind Lärm, Feinstaub und die Gefährdung durch die Fahrzeuge, die hier tatsächlich fahren – und das sind mit Sicherheit mehr als die doppelte Anzahl derer, die Amtsleiter Bundschuh seiner absolut ignoranten Haltung zugrunde legt. Das Verkehrsamt setzt auf eine geringere Verkehrsdichte, da dann das „Tasch-Gutachten“ unberücksichtigt bleiben kann, weil der Schallpegel niedrig liegt und das Landratsamt nicht zum Handeln zwingt. Diese Vorgehensweise halten wir mindestens für unredlich.

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