Lauda / Königshofen

Obst- und Weinbau Höhenlagen sind besonders betroffen / Einzelne Betriebe befürchten Ernteausfälle von bis zu 70 Prozent

Eisheilige sorgen für frostige Aussichten

In den beiden vergangenen Jahren sind die Frosttage im Mai für regionale Obst- und Weinbauern glimpflich ausgegangen. Der Schaden in dieser Saison ist teilweise enorm.

Main-Tauber-Kreis. Für Winzer und Obstbauern sind die Tage um die Eisheiligen (11. bis 15. Mai) eine entscheidende Phase. In dieser Zeit kann nach einer alten Bauernregel ein letztes Mal Frost auftreten und so große Ernteerträge zunichte machen.

Sind die Tage von Mamertus bis Sophia in den vergangenen beiden Jahren für die Region Tauberfranken noch glimpflich ausgegangen, so ist der Frostschaden in diesem Jahr teilweise enorm. „Baden ist nicht großflächig vom Frost betroffen. Prozentual gesehen liegen die Ausfälle auf das gesamte Anbaugebiet hochgerechnet schätzungsweise im einstelligen Bereich. Ich habe aber auch Meldungen aus der Region Tauberfranken erhalten, wo es parzellenweise zu Ernteausfällen zwischen 40 und 70 Prozent kommen könnte“, sagt Holger Klein, stellvertretender Geschäftsführer des Badischen Weinbauverbands auf Nachfrage der Fränkischen Nachrichten.

Etwas untypisch sei, dass dort vor allem Höhenlagen betroffen sind. „Normalerweise bildet sich Frost in Senken und Mulden tieferliegender Lagen. In den Fällen, die mir aktuell aus Tauberfranken bekannt sind, waren besonders Lagen betroffen, die nicht durch eine Nebeldecke geschützt waren.“ Die aktuellen Zahlen seien noch mit Vorsicht zu genießen. Insgesamt geht Klein aber davon aus, dass das Anbaugebiet mit einem „blauen Auge“ davon kommt und die Auswirkungen nicht so dramatisch sind wie zum Beispiel 2011.“

„Zu früh für Prognose“

Karlheinz Sack, der ein Weingut in Lauda besitzt und Tauberfranken als Bereichsvorsitzender beim Badischen Weinbauverband vertritt, betont, dass es noch zu früh ist, eine feste Prognose über die Auswirkungen zu treffen. „Eine seriöse Aussage darüber ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich. Da sollte man vorsichtig sein.“ Schäden habe es gegeben, in welchem Umfang müsse abgewartet werden. „Mitte Juni, wenn die Blüte vorbei ist, können wir mehr sagen.“ Der Weinbauer bestätigt aber, dass Anlagen, die von Nebel bedeckt waren, weitestgehend verschont wurden. Sack will am Dienstag mit weiteren Weinbauern aus der Region zusammen kommen, um eine „vorsichtige Bestandsaufnahme“ zu machen. Michael Braun, geschäftsführender Vorstand der Becksteiner Winzer, teilt die Ansicht von Sack: „Die Ausmaße des Schadens lassen sich heute noch nicht seriös beurteilen. Es dauert etwa zwei Wochen bis die Pflanzen den Frostschock verdauen und wieder weiterwachsen.“

Auch Württemberger Weinbauern müssen Ausfälle verkraften. „Die Situation ist sehr unterschiedlich. Manche Flächen sind stark betroffen. In tieferen Lagen hingegen, wo der Nebel hingekommen ist, haben die Reben überlebt“, beschreibt Michael Schmitt, Vorstandsvorsitzender der Weingärtner Markelsheim. In Laudenbach und Vorbachzimmern sehe es schlecht aus, Markelsheim und Schäftersheim stehen gut da. „Das ist mental schwierig. Manche werden beeinträchtigt sein und eine geringere Ernte haben, andere werden wohl kaum Ausfälle haben.“ Für viele wäre das der zweite Nackenschlag innerhalb kürzester Zeit: Die Weinwirtschaft sei schon von Corona stark betroffen. Frostschäden seien immer schlimm und traurig, aber jetzt potenziere sich das noch einmal. Schmitt will jetzt „retten, was zu retten ist“. „Wir hoffen auf eine günstige Witterung, um den Ertrag zu sichern und so auf eine ordentliche Ernte zu kommen.“

Hoher Ernteausfall bei Obstbauern

Neben den Winzern gehören auch Obstbauern zu den Geschädigten. Simone Flicker, Chefin des Obsthofs Baumann in Sonderriet, beklagt laut eigener Aussage einen Ausfall von 75 Prozent. „Ich bin geknickt und traurig. Das kann man aber nicht ändern und es geht weiter“, sagt sie. Ihre Anlagen lägen „relativ hoch“, was normalerweise auch ein Vorteil sei, weil die Kälte abfließt. Außerdem mache es auch einen Unterschied, ob die niedrigen Temperaturen erst morgens eintreten, wenn es schon hell wird, oder wie in diesem Fall schon früher, während der Nacht. „Ich habe schon bei meiner Versicherung angerufen und werde schauen, was sich da machen lässt.“ Eine Frostschutzberegnung sei keine Option: „Dafür hätten wir das Wasser nicht“, sagt Flicker. Auch wenn sie der Schaden hart trifft, lässt sie sich ihren Optimismus nicht nehmen: „Ich bin von einer ordentlichen Ernte ausgegangen. Ich muss jetzt damit leben und hoffe auf neues Glück im nächsten Jahr.“

Thomas Behringer, der gemeinsam mit seinem Bruder Markus einen Obsthof in Bobstadt führt, hatte schon im April einen Frostschaden zu verschmerzen. Die Eisheiligen trafen seinen Betrieb hart: „Wir haben Früchte aufgeschnitten und gleich gesehen, dass sie braun sind. Manche sind glasig, wie Gummi. Das war schon ein Schock.“ Flächen um das Haus seien besonders betroffen, die zweite, höher gelegene Anlage des Unternehmens war durch den Wald noch besser geschützt.

Der Obstbauer führt den Frostbefall auf das frühere Austreiben der Früchte zurück. „Das hat sich durch die Auswirkungen des Klimawandels um drei Wochen auf Mitte April verschoben. In diesem Zeitraum hoffen wir jetzt immer, dass nichts passiert.“ Er und sein Bruder werden jetzt erst einmal abwarten, wie sich die Situation entwickelt. „Wenn sich das im nächsten Jahr noch einmal so darstellt, geht das an die Substanz.“ Dann müsste er sich über eine Versicherung oder eine Frostschutzberegnungsanlage Gedanken machen. Eine kurzfristige Maßnahme des Betriebs ist, Flächen vom Haus an die höher gelegene Anlage zu verlagern.

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