Lauda / Königshofen

St. Hubertus Verehrung hat bis in die heutige Zeit Tradition / Messen in Königshofen und Distelhausen

Eine volkstümliche Heiligengestalt

Archivartikel

Königshofen.Der Heilige Hubertus ist bis in die Gegenwart einer der volkstümlichsten Heiligengestalten. Aus der Geschichtsforschung ist belegt, dass Hubert als fränkischer Edelmann um 655 als Sohn des Bertrand, Herzog von Aquitanien und dessen Gattin Hugberge in Toulouse geboren wurde. Als dem Hochadel angehörend, erhielt er die damals übliche Ausbildung – vor allem auch auf dem Gebiet der höfischen Jagd – und die Geschichte berichtet, dass sich Hubert wegen seiner unbändigen Jagdleidenschaft den Ruf eines „rude chasseurs“, eines wilden Jägers, eintrug, der vorwiegend seiner maßlosen Jagdleidenschaft frönte.

Vermählt wurde der junge Hubert mit Floribande, der Tochter Dagoberts Graf von Löwen. Seine Gattin starb im Wochenbett bei der Geburt des ersten Sohnes, Floribert, während ihr Gatte – so die Legende – der Jagd nachging.

Nach diesem Schicksalsschlag und durch die Scham über sein rücksichtloses Verhalten, zog er sich als Einsiedler in die Wälder der Ardennen zurück, ernährte sich überwiegend von der Jagd – von einer nun maßvollen Jagd und den Früchten der Natur. Er tötete nur noch so viele Wildtiere, wie er zu seiner Ernährung brauchte. Bei einer dieser Jagden – an einem Karfreitag – soll ihm beim Anblick eines Hirschen, der ein Kruzifix zwischen dem Geweih trug, eine Eingebung den Weg zu Lambertus, dem Bischof von Tongeren und Maastricht, gewiesen haben, der ihm empfahl, nach Rom zu pilgern, um den auf ihm wegen seiner Maßlosigkeit immer noch lastenden Bann zu lösen.

In Rom ließ er sich zum Priester weihen und wirkte danach als „Apostel der Ardennen“ umsichtig und milde, wurde schließlich zum Bischof von Tongeren-Maastricht und später von Lüttich. Schon zu Lebzeiten wurden ihm viele Wundertaten nachgesagt.

Eine dieser Wundertaten war die Heilung von der zur damaliger Zeit weit verbreiteten Tollwut mittels eines „Hubertusschlüssels“, eines glühenden Eisensiegels, das auf die frische Bißwunde bei Mensch oder Tier gedrückt wurde, in der Hoffnung, einen Ausbruch der Krankheit zu vermeiden – schmerzhaft, aber damals nicht sinnlos. Seine Wundertaten und seine Güte führten schon zu Lebzeiten des Bischofs Hubert zu einer großen Verehrung seiner Person – besonders durch Jäger und Gerber.

727 starb er in Tervuren bei Brüssel. Er wurde, da bereits zu Lebzeiten durch seine Güte und Wundertätigkeit vom Volk als heiligmäßig betrachtet, ein Volksheiliger. Nach wiederholten Umbettungen fand er seine letzte Ruhestätte 825 in der Kirche des heutigen Saint Hubert in Belgien. Doch ist sein Sarkophag während der französischen Revolution bis zum heutigen Tag spurlos verschwunden. Nur noch eine original Stola dient heute als eine Art Reliquienersatz.

Es dauerte jedoch fast 400 Jahre nach seinem Tod bis eine sich dann schnell ausbreitende, überregionale Hubertusverehrung entstand, die sich in Wallfahrten nach St. Hubert, Hubertus-Orden, feierlichen Umzügen in vielen europäischen Ländern ausdrückt – bis zum heutigen Tag.

Die Hubertusmesse ist dabei die verbreiteste Art der Hubertusverehrung, die traditionell am 3. November, dem Tag der Erhebung St. Huberts, zelebriert wird, musikalisch umrahmt von Parforce-Hornklängen. Der Hubertustag ist zugleich der letzte Tag der Trilogie: Allerheiligen, Allerseelen, Hubertustag. Allen gemeinsam ist: „Gedenken, Danken und Respekt vor der Schöpfung“.

Was fasziniert den modernen Mensch von heute an der Hubertuslegende? Welchen Grund haben neben den Jägern etwa Schützen, Büchsenmacher oder Metzger, sich ausgerechnet Hubertus als ihren Schutzheiligen auszuwählen? Es ist die Botschaft von der Schonung alles Lebendigen und dessen Lebensraums, es ist der Respekt vor der Schöpfung, es ist die Aufforderung zur Kontrolle der eigenen Gier, Maßlosigkeit und Überheblichkeit über die Natur und der Auftrag, „…den Schöpfer im Geschöpf zu ehren“. So gesehen, wäre der Heilige Hubertus heute der universelle Schutzpatron fast aller Menschen.

Hubertusmessen: 27. Oktober, 9 Uhr, Kirche St. Mauritius, Königshofen, 3. November, 10 Uhr, Kirche St. Peter und Paul, Grünsfeld, mit Jungjägerschlag in der „Alten Füllerei“ Distelhausen.

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