Lauda / Königshofen

Gerlachsheimer Mon(d)tage Bernhard Löffler vom Deutschen Gewerkschaftsbund sprach über das Thema „Von der Zukunft der Arbeit auf dem Lande“

Digitalisierung eine Chance für ländlichen Raum

Archivartikel

Gerlachsheim.„Von der Zukunft der Arbeit auf dem Lande“ lautete das Thema eines Vortrags im Josefshaus im Rahmen der „Gerlachsheimer Mon(d)tage 2020“. Referent war Bernhard Löffler, Regionsgeschäftsführer Nordwürttemberg des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) in Stuttgart. Sein Vortrag war der zweite von drei geplanten Teilen der Veranstaltungsserie von Katholischer Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) und Katholischer Landvolk-Bewegung (KLB), die im Kontext mit der „Uno-Agenda 2030“ für nachhaltige Entwicklung unter dem Motto „Zurück in die Zukunft – vom nachhaltigen Leben und Arbeiten“ steht.

Löffler betonte, knapp ein Drittel der Bevölkerung in Deutschland lebt auf dem Land und verfügt über gut zwei Drittel der Bundesfläche. Der Fortzug vom Land in die großstädtischen Räume scheine jedoch ungebrochen voranzuschreiten, so der Referent. Häufige Gründe seien vor allem für jüngere Menschen zum Beispiel die höhere Zahl an Arbeitsplätzen, bessere Verdienstmöglichkeiten, eine höhere Dichte der Gesundheits- und Kinderversorgung sowie eine größere Anzahl an kulturellen Angeboten in urbanen Räumen.

„Die Entwicklung der ländlichen Wirtschaft, wo die Zukunft einer Vielzahl an Arbeitsplätzen weltweit liegt, sollte Priorität enthalten“, laute ein wesentliches Leitziel in der „Uno-Agenda 2030“. Darin empfohlen würden beispielsweise Investitionen, die einen Wandel im Einklang mit dieser Agenda für eine nachhaltige Entwicklung bewirken, zudem Anreizstrukturen für Unternehmen in Hinblick auf Neugestaltung längerfristiger Investitionskonzepte sowie Prüfung ergänzender Indikatoren für Entwicklung und Wohlergehen der Menschen.

Maßnahmen könnten demnach eine faire Steuerpolitik, überarbeitete Rechnungslegungsstandards für Unternehmen, eine gestärkte Interessenvertretung und Änderungen der Berichtspraxis sein. Außerdem müssten neue Maßnahmen für den Fortschritt auf Länderebene entwickelt werden, die das Wachstum aus Sicht der Verteilungsgerechtigkeit, den Wert unbezahlter Arbeit, die für den Haushalt und die Gemeinschaft geleistet werde, als auch die externen Effekte der Wirtschaft wie etwa der Umweltzerstörung erfasst werden. „Es gilt, Investitionen in eine physische und digitale Infrastruktur von hoher Qualität zu lenken, um die Kluft zu schließen und hochwertige Dienste zu fördern“, so Löffler über die Agenda.

Segen und Fluch

„Die geringe Bevölkerungsdichte ist Segen und Fluch zugleich“, verdeutlichte er. Auf der einen Seite führe sie zu den von Einwohnern geschätzten Vorteilen wie Beschaulichkeit, Übersichtlichkeit und eine naturnahe Umgebung, die einen Gewinn an Lebensqualität darstellen. Demgegenüber stünden exemplarisch oft zu lange und weite Pendelwege sowie Mängel an technischer und sozialer Infrastruktur.

Gerade technische Möglichkeiten, wie sie insbesondere die Digitalisierung mit sich bringe, könnte hier Abhilfe leisten. Beispiele für flexibles Arbeiten seien Videotelefonie, das gemeinsame Bearbeiten von Dokumenten von unterschiedlichen Orten aus sowie der Zugriff auf Dateien von beliebigen Orten aus. „Alle im Rahmen der am Arbeitsmarkt tätigen Akteure und Experten – auch wir Gewerkschaften – sehen in der Digitalisierung eine große Chance für den ländlichen Raum“, unterstrich der Referent.

Konkrete Beispiele, die bereits heute positive Effekte für die Bevölkerung auf dem Land erzielten, seien noch relativ selten. „Tele-Arzt“ zur Verbesserung der gesundheitlichen Versorgung im ländlichen Raum, „Coworking-Räume“ mit gemeinsamer Nutzung von Büroinfrastrukturen, „Digitale Dörfer“ mit neuen Möglichkeiten für Einzelhandel und Ehrenamt sowie Neuorganisation von „alten“ Institutionen durch gemeinsame Nutzung von Räumlichkeiten mit digitaler Unterstützung nannte er als Beispiel. „Es bewegt sich etwas. Aber noch stehen wir am Anfang und gibt großen Nachholbedarf“, war sein Zwischenfazit.

„Mit vollmundigen Politikerstatements zur Verhinderung der Landflucht ist es leider nicht getan. Es müssen auch Anreize angeboten werden, damit Menschen auf dem Land bleiben“, hob der Regionsgeschäftsführer hervor. Dazu zählten nach Auffassung des DGB zentrale Punkte wie etwa die Verbesserung der Mobilität und der Ausbau der Verkehrswege für umweltfreundliche Technologien auch digitaler Art, der zügige Ausbau für flächendeckende Breitbandversorgung mit einer hohen Datenübertragungsrate, Chancen für Weiterbildung, berufliche Bildung und Qualifizierung, verbesserte und erweiterte Mitbestimmung, Gleichheit beruflicher Chancen und Entlohnung für Frauen sowie gute Löhne auch in den ländlichen Räumen auf Basis von Flächentarifverträgen.

Zum Abschluss zitierte Löffler erneut aus der „Agenda 2030“: „Wir sollten tatsächlich die Chancen der Digitalisierung sowie der damit verbundenen Transformationsprozessen sehen. Diese müssen mitbestimmt und vor allem sozial stattfinden. Denn wir wollen für eine bessere Zukunft der Menschen arbeiten – ob auf dem Land oder in der Stadt, ob in Deutschland oder für die gerechtere Welt.“

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