Lauda / Königshofen

Leserbrief Zu "Umstrittene Zertifikate für Staatswald" (FN 24. August)

Dicke Ohrfeige für Verfechter des Öko-Labels

Die Waldbewirtschaftung nach dem Öko-Label FSC und dem PEFC-Verfahren zu zertifizieren, war von Anfang an ein Unfug. Einige Punkte zur Begründung: Zu teuer, keine Nachhaltigkeit, Verlust der Baumvielfalt und Nadelholzrückgang, hohe Schäden an Fauna und Flora, enorme Kosten zur Pflege der Naturverjüngungen.

Das ist eine dicke Ohrfeige für die Verfechter des Öko-Labels auch in Baden-Württemberg. Die MdL Peter Hauk (CDU) und Alexander Bonde (Grüne) stehen in der Verantwortung. Bei allen Reformen seit 2005 ging es nie um eine vertrauenswürdige Bewirtschaftung des Waldes und die Stabilisierung seiner Funktionen. Es ging immer um den Selbsterhalt der Forstbehörde, später des Landesforstbetriebs ForstBW, mit ihrem Wasserkopf. Ein Überblick:

1. Reform 2005: Das Land Baden-Württemberg will sich eine naturnahe, bewährte Waldbewirtschaftung mit dem Förster und Entscheider vor Ort, der sich an das Landeswaldgesetz zu halten hat, nicht mehr leisten. Die rot-schwarze Regierung entscheidet, dass 27 Millionen Euro jährlich im Forst eingespart werden müssen. Teure Gutachten ergeben: der Wald, nicht die Forstbehörde muss umgebaut werden. Wege für den Schwerverkehr im Wald werden gebaut. Zusätzlich werden in Abständen von 25 Meter neue Waldwege angelegt. Die Waldbestandsfläche wird durch diese Maßnahmen um ca. 16 % bis 18 % reduziert.

2. Reform 2008: Die ForstBW wird gegründet. Multifunktional und nachhaltig soll der Wald bewirtschaftet werden. Eine langfristige Strategie (z. B. Vorbereitung des Waldes auf den Klimawandel) gibt es nicht. Stattdessen hat die Gewinnmaximierung Vorrang vor den Gemeinwohlfunktionen des Waldes. Seit Jahren schon berichten übergeordnete Naturschutzverbände darüber. Der Förster vor Ort ist jetzt der Holzanweiser, für den nicht mehr das Waldgesetz, sondern die Vorgaben von FSC und PEFC maßgebend sind. Alles, was Geld bringt, unabhängig vom Standort, Holzart, Wuchs, Zukunft usw., muss künftig gerodet werden. Großflächig werden die Bestände bis auf 20 % reduziert. Auch die Regeln zur Waldinventur werden geändert. Die Folge: Innerhalb von sechs Jahren sinkt das Durchschnittsalter der Bäume um ca. 20%. Es liegt jetzt nahe dem theoretischen Erntealter der verschiedenen Baumarten. Der jährliche Holzeinschlag im Land, ohne die Rodungen für Windräder, liegt bei ca. 2,5 Millionen Festmeter pro Jahr. Bei einem Durchschnittsbestand von 340 Festmetern pro Hektar werden in Baden-Württemberg jährlich 7350 Hektar Wald gerodet. Das sind 5,5 % des gesamten Waldes. So viel zur Nachhaltigkeit. Die erfahrenen Forstwirte vor Ort sind verärgert. Der zuständige Förster in Königshofen kann zur Bürgerversammlung nicht erscheinen, weil ihm - so wird in der Versammlung berichtet - die Teilnahme kurzfristig untersagt wurde.

2011 ist das Jahr des Waldes. Auf öffentlichen Plätzen werden dicke Holzbalken ausgelegt mit der Aufschrift "Dieses Holz wächst in 35 Minuten im Stadtwald". Diese Aussage ist eine Anmaßung und zeugt von einer beispiellosen Arroganz. Dennoch ist sie die Formel zur Erstellung der jährlichen Hiebspläne durch die ForstBW. Voller Eigenlob berichtet sie von ihren Erfolgen. Bereits im ersten Jahr nach ihrer Gründung wurde ein Gewinn von 10,3 Mio. Euro erzielt. 2011 waren es 27,8 Mio. Euro, in den Folgejahren jeweils 40 Mio. Euro.

3. Reform 2014: Das Forstsystem wird zertifiziert. Das Forstamt Tauberbischofsheim berichtet 2015: "Doppel-Tüv bestätigt die Nachhaltigkeit der Waldbewirtschaftung". Wer den Wald kennt, weiß, dass dies nur eine wertlose Alibifunktion sein kann. Leider gibt es keine mir bekannte Stellungnahme seitens der regionalen Naturschutzverbände/-vereine dazu. Wenig verwunderlich, wenn man weiß, dass z. B. Külsheim und Gerichtstetten mit sechsstelligen Zuwendungen aus dem Ausgleichsstock "Windräder" bedacht wurden.

4. Reform 2015: Das Bundesverfassungsgericht untersagt der ForstBW aus "kartellrechtlichen Gründen" die Rundholzvermarktung. Der Stand der Verhandlungen zeigt, dass es auch diesmal um den Selbsterhalt der ForstBW - wieder zu Lasten unseres Waldes - ausgehen wird.

5. Reform: Sie wird - so der Plan - erst nach der Wahl kommen.

Der hohe Aufwand der ForstBW in der Lobbyarbeit der schwarz-roten, grün-roten und jetzt schwarz-grünen Politlandschaft wäre im Wald sinnvoller investiert. Diese ForstBW hat längst das Vertrauen in eine eigenverantwortliche, ehrliche Forstarbeit verloren.

Peter Wohlleben, Diplom-Forstingenieur, aktiver Förster und bekannt für seine Bücher, hat den Forstdienst beim Staat gekündigt. Er zeigt nachweislich, wie Klimagerechtigkeit im Wald geht und wie man dennoch wirtschaftlich sein kann. Dem Wald wünsche ich für die Zukunft alles Gute.

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