Lauda / Königshofen

Leserbrief Zum Artikel „Gibt es einen Weg aus der Sackgasse?“ (FN, 21. September)

Der „worst case“ als Normalfall

Der Bus kriegt gerade noch die Kurve! Das Bild, das die Fränkischen Nachrichten in ihrer Wochenendausgabe abgedruckt haben, sagt mehr als tausend Worte.

42 Fahrten für 310 000 Tonnen Material, alles andere sei „aus der Luft gegriffen“, sagt Christine Köhler von Konrad Bau. Damit bleibt sie allerdings hinter den Aussagen ihres Anwaltes zurück. Der immerhin hat inzwischen zugegeben, dass es durchaus Leerfahrten geben wird, für ihn allerdings nur im „worst case“, im schlimmsten Fall.

Wir gehen aber davon aus, dass dieser „worst case“ der Normalfall würde.

Und Geschäftsführer Köhler selbst hat bei der Verhandlung vor dem VGH Mannheim eingestehen müssen, dass nicht nur vollgeladene Lkw fahren würden. Nach seiner Aussage sind die in der Firmenrechnung angenommenen 25 Tonnen Transportlast Durchschnittswert. Das bedeutet dann aber doch wohl: Für jeden Lkw, der weniger als 25 Tonnen transportiert, fährt einer mit mehr als 25 Tonnen. Die vorgesehenen 40-Tonner wären also nicht die größten Schwerlasttransporter, die Gerlachsheim überfahren.

Die 42 Fahrten, auf denen Frau Köhler so penetrant beharrt, sollten genauer betrachtet werden. Ihr „pro Tag“ bezieht sich auf 300 Tage im Jahr (12 400 Fahrten/Jahr). Zieht man redlicherweise die Samstage, den Betriebsurlaub und die in der Bauwirtschaft unumgängliche Winterpause ab, kommt man auf völlig andere Zahlen, nämlich ein Vielfaches der geschönten Köhler´schen Zahlenarithmetik. Ehrlichkeit und Seriosität sehen anders aus!

Ich möchte aber auf noch etwas aufmerksam machen: Wenn schon ein zwölf Meter langer Bus Probleme hat, die Kurven in Gerlachsheim ohne die Benutzung der Gegenfahrbahn zu nehmen – und das an mehreren sehr unübersichtlichen Stellen – wie steht es dann erst mit einem 16,50 Meter langen Sattelzug (40 Tonnen Gesamtgewicht bei 25 t Nutzlast)? Und von denen sollen werktäglich sich über 300 (im „worst case“) durch die enge Würzburger Straße quälen?

Dafür ist diese Straße nicht gemacht, und ebenso wenig die Gebäude, und noch viel weniger wir Gerlachsheimer! Ein weiterer wichtiger Aspekt: Die schönen Gutachten, die die Firma Konrad Bau vorgelegt hat, und die vom Umweltschutzamt (!) des Landratsamtes so akzeptiert wurden, beruhen allesamt auf ideal angenommenen Werten, sind also höchstens bei ideal fließendem Verkehr gültig.

Diesem Verkehr stehen nun aber Hindernisse im Weg. Die Engstellen mit unumgänglicher Vorrangregelung und auch die am Straßenrand geparkten Fahrzeuge erzwingen einen Start-Stopp-Verkehr, der die gutachterlich angenommenen Emissionswerte beträchtlich in die Höhe treibt. Jedes Mal 40 Tonnen aus dem Stand zu bewegen multipliziert die Abgase und durch die höhere Motordrehzahl auch den Lärm.

Die der immissionsschutzrechtlichen Genehmigung durch das Landratsamt zugrundeliegenden gutachterlichen Zahlen sind also vollkommen realitätsfremd und Teil der Märchenstunde. Sozusagen „aus der Luft gegriffen“.

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