Lauda / Königshofen

Königshöfer Messe Ausstellung des Heimat- und Kulturvereins Phönix widmet sich dem „Gooden“

Der Abriss stand häufig zur Debatte

Königshofen.Der Gooden steht im Mittelpunkt: Jahrhundertelang war das Königshöfer Wahrzeichen umstritten und drohte abgetragen zu werden. Nun widmet sich eine Ausstellung des Heimat- und Kulturvereins Phönix im Königshöfer Rathaus der früheren und aktuellen Geschichte

Es ist seit vielen Jahren eine gute Tradition, dass die Königshöfer Messe von Ausstellungen zu historischen Themen rund um die Stadt und die Region begleitet wird. In diesem Jahr hat der Heimat- und Kulturverein Phönix im Obergeschoss sich einem echten „Wahrzeichen“ der Stadt angenommen, dem historischen Gooden.

Bei der Ausstellungseröffnung am Donnerstagabend beleuchtete Werner Keppner die wechselvolle Geschichte, die sich in den vielen Ausstellungsstücken widerspiegelt. Seit 50 Jahren ist der Gooden das Vereinsheim der DLRG. „Das schönste DLRG-Heim in Deutschland“, schwärmte dessen Vorsitzender Vorsitzender Jürgen Englert.

Mit sehr viel Eigenleistung hat der Verein, unter Mithilfe der Stadt Lauda-Königshofen, den Gooden innen wieder hergerichtet und zu einem echten Schmuckstück gemacht.

Wechselvolle Geschichte

Entstanden ist das Bauwerk Mitte des 15. Jahrhunderts, wie Kepppner ausführte. Gooden oder Gaden waren Bestandteil von Kirchenburgen. So auch in Königshofen, auch wenn man davon heute nichts mehr sieht. Das liegt an der wechselvollen Geschichte der Stadt, die im Bauernkrieg (1525) und die Schlacht am Turmberg fast die gesamte Bevölkerung verlor.

Nur wenige Jahre später schlug die Pest erbarmungslos zu und dezimierte die Bevölkerung erneut. Der Goode war immer schon ein Lagerhaus gewesen, um das aber auch Gericht gehalten wurde für die 26 Gemeinden und Gehöfte im Herrscherbereich des späteren Taubergaus. Allerdings war das Gebäude immer wieder von Abriss oder Veränderung bedroht.

So wollten die Bürger rund um die Pfarrkirche einen freien Blick auf die Landschaft haben und mehrere Gebäude mussten diesem Ansinnen weichen. Das wäre auch fast dem Goode passiert, aber bis auf die Grundmauern wurde er nie zerstört.

„Man muss dankbar sein, dass es den Gooden selbst noch gibt, obwohl auch seine Existenz in den letzten beiden Jahrhunderten schon einige Male auf der Kippe stand; denn nur um Haaresbreite wäre das zentrale Zeitzeugnis aus einer wechselvollen Ortsgeschichte dem drohenden Abriss genauso ausgeliefert gewesen, wie andere Bauten auch“, beschrieb Werner Keppner die Situation in den letzten beiden Jahrhunderten.

Da hatte man wenig Verständnis für historische Bauten und der Gooden verfiel zusehends. Es ist dem Ökonomierat Hans Anton Sack, der als Abgeordneter im badischen Landtag saß, zu verdanken, dass der Gooden noch steht. Mitte der 1920er Jahre des letzten Jahrhunderts wurde der Gooden für 4000 Reichsmark restauriert.

Den Zweiten Weltkrieg überstand das Gebäude als eines der wenigen Gebäude in der Stadt. Selbst den Brandanschlag in den 1950er Jahren überlebte das Gebäude und als die DLRG Ende der 1960er Jahre ein neues Clubheim suchte, bot die Stadt genau den Gooden dafür an.

Die Mitglieder restaurierten das Haus mit viel Feingefühl und machten es zu dem Bauwerk, das es heute ist. Die Ausstellung beleuchtet mit vielen Ausstellungsstücken genau diese lange Geschichte. Bürgermeister Thomas Maertens verglich den Königshöfer Gooden sogar mit dem Eiffelturm in Paris oder dem Brandenburger Tor in Berlin, die beide Wahrzeichen ihrer Stadt sind. Die Königshöfer Messe sei ohne die Ausstellungen im alten Rathaus nicht vorstellbar. Neben dem Festbetrieb, der Agima und der Verkaufsmesse seien die Ausstellungen eine tragende Säule der Messe und mit ein Grund dafür, dass die Königshöfer Messe auch heute noch so große Akzeptanz erfahre.

Der stellvertretende Landrat des Landkreises Rhön-Grabfeld, Peter Suckfüll, Ehrengast in diesem Jahr, beschwor die „gesamtfränkische Tradition“ der drei Königshofen, eben Lauda-Königshofen, Bad Königshofen und Gaukönigshofen. Sie alle gehen auf die Schenkungsurkunde aus dem Jahr 741 zurück. Gaukönigshofens Bürgermeister Bernhard Rhein, der nach 15 Jahren Kommens in diesem Jahr zum letzten mal offiziell dabei war, war ebenfalls voll des Lobes für die Ausstellung.

Die Vorstände des Vereins, Agnes Haas und Dieter Ilg, schließlich, begannen und beschlossen die Ausstellungseröffnung, bevor Jürgen Englert von der DLRG durch die Ausstellung führte. Viele Exponate kommen von dessen Verein. Umrahmt wurde die Veranstaltung vom Bläserquintett „Just Brass“ unter der Leitung von Thomas Nitschke.

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