Lauda / Königshofen

Bienenhaltung Erstes Treffen des Imkervereins nach der Sommerpause

Das Volksbegehren geht vielen Mitgliedern zu weit

Archivartikel

Heckfeld.In Vertretung des erkrankten Vorsitzenden begrüßte der stellvertretende Vorsitzende Günter Prieschl zahlreiche Mitglieder des Imkervereins zur ersten Monatsversammlung nach der Sommerpause am Lehrbienenstand bei Heckfeld. Bevor er auf seine aktuelle Monatsbetrachtung einging, stellte er die Ergebnisse der Online-Befragung des Fachzentrums für Bienen und Imkerei in Mayen zur Frühtracht- und Sommertrachthonigernte in Deutschland vor.

Mit durchschnittlich vier Kilogramm je Volk haben die Imker in Baden Württemberg die schlechteste Frühtrachternte seit über 36 Jahren eingefahren. (Deutschlandweit 10,3 Kilogramm) Besonders im Bereich Karlsruhe, Heilbronn und im südlichen Bereich wurde überhaupt kein Honig geerntet. Dagegen zeigten sich die Imker im nördlichen Bereich, gerade auch im Einzugsbereich des Imkervereins Taubergrund zufrieden mit ihren Ernteergebnissen.

Geringerer Honigertrag

Wie aus der Karte ersichtlich , wurden die besten Ernteergebnisse mit bis zu 25 Kilogramm je Volk in den östlichen Bundesländern (Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, aber auch in Schleswig Holstein und Mecklenburg Vorpommern) erzielt. Etwas günstiger sieht es bei der Sommertrachternte aus. Aber mit 9,6 Kilogramm je Volk lag das Ergebnis von Baden-Württemberg ebenfalls erheblich unter dem Bundesdurchschnitt von 16,6 Kilogramm.

Aber auch hier scheinen die Imker im Taubergrund, wie eine kurze Umfrage in der Versammlung zeigte, eine weitaus bessere Ernte gehabt zu haben als im übrigen Baden-Württemberg. Es war sogar bis in den August hinein eine Tracht zu beobachten, die den Völkern als Winterfutter belassen werden konnte.

Hilfreich waren hier sicherlich, wie auch von den Mitgliedern bestätigt, die auffallend vielen Bienenweidenflächen und Zwischenfrüchte mit Phacelia, Senf, Ölrettich, Sonnenblumen u.a. auf den Feldern, die auch zu einer sehr guten Pollenversorgung der Bienenvölker beitrugen.

Spätsommerpflege

In seinen Hinweisen zu den aktuellen Arbeiten am Bienenstand wies der stellvertretende Vorsitzende darauf hin, dass die derzeitig anstehende Spätsommerpflege in den Monaten August und September maßgeblich den Überwinterungserfolg der Bienenvölker beeinflusst. Ende Juli, Anfang August sollten die Honigräume abgeräumt und eine Wabenerneuerung vorgenommen werden und das Volk auf den Wintersitz in möglichst zwei Räumen vorbereitet werden. Danach erfolgt die erste kurze Auffütterung und anschließend eine Kurzzeitbehandlung gegen die Varroa mit 60prozentiger Oxalsäure.

Je nach Bedarf wird dann weiter aufgefüttert und Ende August nochmals eine Langzeitbehandlung durchgeführt. Mitte September sollte der Futtervorrat (16 bis 20 Kilogramm bei zweiräumigen Völkern) kontrolliert werden. Wie auch in den Infobriefen der Institute vermerkt gab Günter Prieschl folgende wichtige Tipps an die Versammlung weiter: Dunkle Waben sofort ausschmelzen wegen der Gefahr von Wachsmottenbefall, alle Arbeiten gut planen und vorbereiten, möglichst mit einer Hilfsperson arbeiten, Fluglöcher wegen Räubereigefahr einengen, Waben und Geschirr stets zügig abdecken, wenn Futter benötigt wird, einen Invertsirup (Fertigfutter) bevorzugen und alle Völker gleichzeitig spät abends füttern.

Frühestens zwölf Tage nach der Varroabehandlung sollte der Befall nochmals mit einer Ölwindel kontrolliert werden. Sind mehr als fünf Milben pro Tag zu beobachten, ist eine Nachbehandlung vonnöten. Einen geringen Varroabefall haben übrigens Völker mit einer Brutpause wie zum Beispiel Schwärme, abgeschwärmte Völker, Jungvölker und Völker mit einer stillen Umweiselung.

Insgesamt zeigen sich die Mitglieder des Imkervereins zufrieden mit dem Entwicklungsverlauf in diesem Frühjahr und Sommer, auch wenn hier und da einige Kilogramm Honig mehr erwartet wurden.

Wie in der Gesamtbevölkerung löst derzeit das bevorstehende Volksbegehren „Rettet die Bienen“ unter den Imkern, die unter anderem auch aus den Bereichen Weinbau, Landwirtschaft und Obstbau kommen, unterschiedliche Reaktionen aus. Vielen geht der vorgeschlagene Gesetzesentwurf zu weit und sie sehen ihre künftige Arbeit erheblich beeinträchtigt.

Einschneidende Maßnahmen

Andererseits ist vielen bewusst, dass der dramatische Rückgang an Vielfalt und Menge von Insekten, von Vögeln und anderen Tieren nur durch einschneidende Maßnahmen auch im Bereich der Landwirtschaft gestoppt werden kann.

Mit einem Zitat von Alexander Humboldt, der schon vor über 200 Jahren auf den massiven Eingriff von Menschen auf Natur und Umwelt hinwies, plädierte der stellvertretende Vorsitzende dafür, diese Gelegenheit zu einer ökologischen Veränderung in vielen Bereichen durch ein Volksbegehren nicht ungenutzt verstreichen zu lassen. Die Mitglieder sollten die vielen Möglichkeiten zu Information und Diskussion über das Anliegen des Volksbegehrens nutzen.

Mit dem Hinweis auf den Deutschen Imkertag am Sonntag, 13. Oktober, in Konstanz, der für Besucher geöffnet ist und auf die tags zuvor stattfindende Vertreterversammlung, auf dem auch das DIB-Präsidium neu gewählt wird, wurde der offizielle Teil der Versammlung beendet.

Das nächste Treffen findet am Freitag, 11. Oktober, nochmals am Lehrbienenstand statt. güpr

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